Servicegebühr
Internet-Konkurrenz: Einzelhandel wehrt sich gegen Beratungsklau

Münster -

Carmen und Jürgen Budke waren es leid. Kunden nutzten ihre Beratung und kauften woanders. Die Einzelhändler haben für die intensive Beratung rund um Kindertragen und Kindertücher eine Beratungsgebühr eingeführt, die beim Kauf angerechnet wird.

Donnerstag, 17.08.2017, 18:08 Uhr

Eine Beratung für Kindertragen und Tragetücher nimmt schnell bis eineinhalb Stunden in Anspruch. Nachdem Carmen Budke festgestellt hat, dass Kunden ihre Beratung nutzten und woanders kauften, hat sie eine Gebühr eingeführt.
Eine Beratung für Kindertragen und Tragetücher nimmt schnell bis eineinhalb Stunden in Anspruch. Nachdem Carmen Budke festgestellt hat, dass Kunden ihre Beratung nutzten und woanders kauften, hat sie eine Gebühr eingeführt. Foto: gh

Kunden lassen sich im Geschäft beraten – und kaufen im Internet. Ein Phänomen, das Carmen und Jürgen Budke feststellen. Die Inhaber von Mukk und Königskinder & Rebellen am Alten Fischmarkt verlangen darum seit geraumer Zeit für eine intensive Beratung rund um eine Kindertrage eine Gebühr.

Dass Kunden sich im Fachhandel ausführlich informieren und auch noch Fotos machen, dann aber online bestellen, greife zunehmend um sich, stellt Carmen Budke in ihrem Fachhandel „Königskinder & Rebellen fest.

Stempel auf Kassenbon

Jürgen Budke, Betreiber von Münsters ungewöhnlichem Kinderkaufhaus (Mukk), ärgert sich über das seiner Meinung nach dreiste Verhalten, das manche Kunden heute an den Tag legten. „Sie wissen nicht, was sie anrichten“, sagt der Kaufmann. Würden viele Verbraucher so handeln, dann könnten sie als Fachhandel irgendwann nicht mehr das Personal zur Verfügung stellen und dementsprechend auch keine Beratung mehr leisten.

Die Budkes zogen darum die Reißleine und verlangen jetzt eine Beratungsgebühr von 25 Euro für die Kindertrage. Beim Kauf vor Ort werde diese Summe natürlich nicht erhoben, verzichtet werde auf das Geld auch bei Stammkunden.

Um Schlitzohren vorzubeugen, die heute eine Tragen kaufen und diese morgen wieder umtauschen wollen, drückt Carmen Budke einen Stempel auf den Kassenbon. Dieser trägt den Hinweis, dass eine Beratung stattgefunden habe. Wer sich das Geld ausbezahlen lassen möchte, muss damit rechnen, dass ihm 25 Euro für eine Beratung nicht ausbezahlt werden.

Carmen Budke erklärt, dass aber auch gerade die Kindertrage ein sehr individuelles Produkt sei. Mitarbeiter im Fachhandel würden besonders dafür geschult, denn eine solche Trage vor den Bauch geschnallt, könne von Kindern bis zu drei Jahren und einem Gewicht von bis zu 20 Kilogramm genutzt werden. Die Größe der Kinder, die Bewegung und die Rückenmuskulatur spielten aber bei der Passform eine entscheidende Rolle. Eine solche Beratung, sagt Carmen Budke, könne darum schnell bis zu eineinhalb Stunden in Anspruch nehmen.

Gebühr für den Service

Carmen und Jürgen Budke referierten bereits bei einem Branchentreff über das Thema Beratungsgebühr. Manche Kollegen seien skeptisch gewesen und der Meinung, dass sich ein solcher Schritt nicht durchsetzen lasse. Andere begrüßten dagegen den Schritt. Auch die Reaktionen ihrer Kunden seien unterschiedlich. Einige seien völlig entrüstet, andere zahlten, weil sie, wie sie sagten, „keine Katze im Sack kaufen möchten“.

Das Ehepaar Budke denkt daran, vielleicht auch andere beratungsintensive Produkte mit einer Gebühr für den Beratungsklau zu versehen. Schulranzen und Kinderwagen könnten in Frage kommen.

Diskussion

Wie finden Sie es, wenn für eine intensive Beratung im Fachhandel eine Gebühr erhoben wird? Halten Sie diesen Schritt für richtig und würden Sie trotzdem im Internet einkaufen? Diskutieren Sie mit auf unserer Facebook-Seite oder per E-Mai: redaktion.ms@zetungsgruppe-muenster.de , Stichwort: Beratungsgebühr

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Carmen Budkes berichtet von Verbrauchern, die ihren Kinderwagen im Internet bestellten, aber bei einer Reparatur zu ihnen kommen würden. Auch in solchen Fällen würden sie zusätzlich eine Gebühr für den Service verlangen, so die Kauffrau. „Wir müssen für Kinderwagen riesige Pappkartons aufbewahren. Finden sie erst mal so einen Karton“, gibt Jürgen Budke zu bedenken.

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Aber auch das Verpacken und das Einschicken kostet Geld. „Unser Kunde ist König“, macht der Kaufmann deutlich und betont, dass sie auch Fremden helfen würden, aber nur gegen Geld. Budke: „Der Kunde denkt nicht darüber nach, dass Personal, Lager, Beratung, Service und Verkauf kosten.“

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