Glockenskulptur in St. Stephanus
Ohrenspitzen auf dem Kirchplatz

Münster -

Heller soll das gekühlte Glockengeläut in St. Stephanus klingen. Der britische Künstler Cerith Wyn Evans lässt mit seinem Kunstprojekt offen, inwieweit diese Veränderung auf die Wahrnehmung erfahrbar ist.

Donnerstag, 24.08.2017, 22:08 Uhr

Pastor Thomas Laufmöller und sein treuer Begleiter freuen sich über die Begegnungen rund um die Glocken-Skulptur auf dem Kirchplatz von St. Stephanus. 
Pastor Thomas Laufmöller und sein treuer Begleiter freuen sich über die Begegnungen rund um die Glocken-Skulptur auf dem Kirchplatz von St. Stephanus.  Foto: Oliver Werner

Sie kommen in Gruppen und vereinzelt, mit dem Fahrrad oder zu Fuß und richten den Blick hoch zum Glockenturm von St. Stephanus. Und wie beim Pfingstwunder wird dabei in allen Zungen gesprochen. Da werden Smartphones gezückt, Fotos und Videos gefertigt und der besondere Klang der Angelus-Glocke eingefangen, der sich dann so manches Mal flugs nach Asien, Amerika oder Australien digital verflüchtigt.

Auf dem Kirchplatz des katholischen Gotteshauses in der Aaseestadt werden seit Beginn der Skulptur-Projekte die Ohren gespitzt. St. Stephanus ist zu einem Anziehungspunkt für Besucher aus der ganzen Welt geworden. Manche denken: „Ach du heiliger Bimbam“ – und machen schnell die Biege. Die meisten jedoch verweilen, lassen sich darauf ein zu glauben, dass die Glocke, die mit einem Aggregat gekühlt wird, heller klingt – wie im Winter. Der britische Künstler Cerith Wyn Evans lässt mit seinem Glockenprojekt offen, inwieweit diese Veränderung auf die Wahrnehmung erfahrbar ist.

Pastor Thomas Laufmöller freut sich auf die Menschen, die diese hörbare Skulptur ansteuern. Denn zu sehen ist sie nicht. „Selig, die nicht sehen und doch glauben“, dürfte da so manch einem bibelfesten Kunstinteressierten in den Sinn kommen. „Auf dem Kirchplatz ist total viel los, und viele zieht es dann auch in die Kirche“, sagt Laufmöller. Um 8, 12 und 19 Uhr ruft die Angelus-Glocke zum Engel-des-Herrn-Gebet. Und während der Skulptur-Projekte auch um 16 Uhr. Zunächst ertönen drei mal drei Glockenschläge, bevor es fünf Minuten lang läutet.

Zu den Glocken von St. Stephanus ist der Pastor noch nicht vorgedrungen. Viel zu riskant, das wäre ein akrobatischer Kraftakt für den hochgewachsenen Kirchenmann. „Über die Wendeltreppe bis zur Orgelbühne ist es kein Problem. Doch dann geht es über Steigbügel und weiter mit einer Leiter raus aufs Kirchendach, um zur Glockenhaube zu gelangen“, beschreibt Laufmöller.

Alle Achtung: Jan Bockholt vom LWL-Museum für Kunst und Kultur hat das Kühlaggregat auf diesem abenteuerlichen Weg dort platziert, wo es Cerith Wyn Evans vorschwebte. „Die Glocken werden generell gekühlt. Eine Reduktion der Kühlung auf ein einzelnes Geläut findet so nicht statt“, informiert Bockholt, den Laufmöller für die gute Zusammenarbeit lobt.

Dem Geistlichen sind Begegnungen überaus wichtig. So wie auch dem Künstler. „Als er im Vorfeld in Münster war, ist ihm die Kirchendichte in dieser Stadt aufgefallen. Und so entschied er sich, aus dem Bestand etwas zu machen. Aufgrund der Lebendigkeit rund um die Kirche habe er St. Stephanus gewählt“, freut sich der Pastor über die Auswahl. Cerith Wyn Evans habe Senioren Karten spielen sehen und Kindergartenkinder, die sich vergnügten. Ob das Geläut nun für manche gar dunkler oder heller klingen mag, ist für Laufmöller nicht ausschlaggebend. „Wichtig sind die Begegnungen. Und die sind einfach klasse. Nicht zu sehen und doch zu glauben öffnet Herzen, erfüllt mit Leben und schlägt eine Brücke zum christlichen Glauben“, sagt der nun gar nicht ungläubige Priester mit Vornamen Thomas.

Apropos Skulptur-Projekte, die noch bis zum 1. Oktober Münster internationales Flair bescheren. Einige hat sich der Priester schon angesehen. Viel Spaß hatte er, als er auf der Hafen-Skulptur über das Wasser ging – mit Kommunionkindern im Schlepptau.

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