Das Kreuzviertel feiert
Wolfgang Halberscheid geht auf die Ohren

Münster -

Wolfgang Halberscheidt ist maßgeblich am Erfolg des Kreuzviertelfestes beteiligt. Der Musikkenner bastelt jedes Jahr ein Programm zusammen, das auf die Ohren geht – aber angenehm.

Samstag, 26.08.2017, 09:08 Uhr

Wolfgang Halberscheidt sitzt ab und zu selbst am Klavier. Nur an diesem Wochenende hat er keine Zeit – dann steht er als Moderator auf den Kreuzviertelfest-Bühnen.
Wolfgang Halberscheidt sitzt ab und zu selbst am Klavier. Nur an diesem Wochenende hat er keine Zeit – dann steht er als Moderator auf den Kreuzviertelfest-Bühnen. Foto: Oliver Werner

An diesem Wochenende feiert das Kreuzviertel. Sobald das Programm beginnt, liegen hinter Wolfgang Halberscheidt anstrengende Monate. Der 63-Jährige ist verantwortlich für das Angebot auf den Bühnen, er kümmert sich um den minutiösen Ablauf, hat bis Sonntagabend als Moderator gut zu tun. Redakteurin Gabriele Hillmoth sprach mit ihm über die Bandauswahl, über das Konzept und über seinen persönlichen Musikgeschmack.

Sie stehen zum 24. Mal als Moderator auf der Bühne. Wann geht es mit den Vorbereitungen los?

Halberscheidt: Ich fange im Januar an, führe dann Gespräche mit Gruppen, von denen ich glaube, dass sie ins Programm passen. Zudem sichte ich bis Ende März jede Menge Bewerbungen, stelle anschließend einen ersten Programmentwurf zusammen. Die letzte Entscheidung trifft das gesamte Vorbereitungsteam.

Ist es schwer, Bands zu finden?

Halberscheidt: Nein. Da zunehmend Auftrittsmöglichkeiten wegbrechen, bringen sich Musiker gezielt bei jenen Veranstaltern ins Gespräch, über die sie sich einen tollen Gig erhoffen. Das Kreuzviertelfest scheint in der Szene bekannt zu sein, an Bewerbungen mangelt es nicht.

Wie schaffen Sie es immer wieder, ein interessantes Programm zusammenzustellen?

Halberscheidt: Da profitiere ich sicherlich von meinem Netzwerk. Außerdem interessiere ich mich für Musik und Bands privat – ein Relikt aus alten Jugend­zentrumszeiten.

Jugendzentrumsphase?

Halberscheidt: Nach Abschluss des Pädagogik-Studiums leitete ich zwei Freizeit- und Begegnungsstätten, die regelmäßig Konzerte organisierten. Später fing ich als Volontär bei einer Zeitung an, war in der Redaktion unter anderem für ­Musikthemen zuständig.

Spielen Sie ein Instrument?

Halberscheidt: In der Familie meiner Oma wurde immer Hausmusik gepflegt, irgendwann habe ich selbst angefangen, Klavier zu spielen. Als 17-Jähriger wurde mir in einem Vorort von Schwerte, meiner Heimatstadt, die Stelle als Kirchenorganist angeboten. Sieben Jahre lang hatte ich das Amt inne, konnte somit mein Studium finanzieren. Heute spiele ich gelegentlich – daheim.

Welche Musik lieben Sie heute?

Halberscheidt: Zum gewissen Teil ist es noch die, mit der ich einst ­aufgewachsen bin: Doors, ­Stones, Pink Floyd , Colosseum. Was aber nicht heißt, dass ich musikalisch stehen­geblieben bin.

Gab es schon schlaflose Nächte, weil sich partout keine Band finden ließ?

Halberscheidt: Bislang nie passiert. Es geschah jedoch häufiger, dass sich Ensembles kurz vor dem Fest auflösten. Dann gilt es zu improvisieren, in solchen Fällen greife ich auf die Reserveliste zurück.

Was beflügelt Sie, diesen Job und die Moderation jedes Jahr zu übernehmen?

Halberscheidt: Ich wohnte selbst jahrelang im Kreuzviertel, fühlte mich von der Konzeption eines Festes von Bürgern für Bürger angesprochen. Bis heute bereitet die Mitarbeit großen Spaß.

Was macht das Fest für Sie aus?

Halberscheidt: Da ist zum einen der Rundlauf um die Kirche, zum anderen das Zwei-Bühnen-Modell – alles Voraussetzungen, die gemütliche, nachbarschaftliche Begegnungen fördern. Hinzu kommt die Musikauswahl, von der ich hoffe, dass sie dem ehemaligen Studentenquartier gerecht wird.

Welche Art von Musik ist gefragt?

Halberscheidt: Sie muss ordentlich grooven, sollte tanzbar, von der Melodie her gefällig sein, nicht zu schrill und nicht zu abgedreht. Die Gäste wollen abwechslungsreich unterhalten werden, derlei Erwartungen möchten wir erfüllen.

Gibt es ein No-Go?

Halberscheidt: Ja – wenn der Sound zu hart oder zu experimentell klingt. Gerät er für meinen Geschmack zu heftig, hätte ich Schwierigkeiten, ihn der Allgemeinheit vorzusetzen.

Gibt es Wiederholungstäter auf den Bühnen?

Halberscheidt: Durchaus – zu nennen sind da beispielsweise Jessy Martens , Undercover, Die Zwillinge, Jean-Claude Séférian oder die drei Nikoläuse. Das Rudelsingen kommt ebenfalls bestens an. Bei David Rauterberg, dem Ideengeber hierfür, machen wir die einzige Ausnahme: Ihn engagieren wir Jahr für Jahr.

Ein für Sie bewegender Auftritt?

Halberscheidt: Das waren Inga Rumpf und Jocelyn B. Smith, die damals Geld für die defekte Orgel in der Kreuzkirche gesammelt haben. Oder nach einer 14-jährigen Pause der Auftritt von „Marilyn“.

Wie sieht Ihr Arbeitstag beim Fest aus?

Halberscheidt: Ich bin der Erste und der Letzte auf der Bühne. Nach zwei Tagen ist meine Stimme weg. Aber wenn alles so klappt, wie wir uns die Inszenierung vorgestellt haben, entschädigt dies.

Bleibt ein Wunsch offen?

Halberscheidt: Irgendwann möchte ich entspannt über das Fest bummeln und mich mit Freunden privat treffen.

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