Arbeiten starten mit Verzögerung
Willingrott: Mühsamer Baubeginn

Münster-Handorf -

Gegen die Baugenehmigung für ein Flüchtlingsheim am Willingrott haben Anwohner geklagt. Dennoch darf mit dem Bau begonnen werden, entschied jetzt das OVG.

Dienstag, 29.08.2017, 09:08 Uhr

Am Willingrott wird gebaut – vier Monate später als angekündigt.
Am Willingrott wird gebaut – vier Monate später als angekündigt. Foto: spe

Die Bauarbeiten für ein neues Flüchtlingsheim und eine neue Kita am Willingrott nehmen nach langer Verzögerung allmählich Fahrt auf. Die beiden in der Nachbarschaft umstrittenen Gebäude werden von der Wohn- und Stadtbau errichtet. Die Bodenplatte für das Flüchtlingsheim am Ostrand der Fläche ist fertiggestellt, die Arbeiten an der Kita sollen in Kürze beginnen, berichtet Geschäftsführerin Sandra Wehrmann .

Archäologische Untersuchungen verzögerten den Bau

Bereits Anfang April war der Beginn der Bauarbeiten angekündigt worden – damals für die Zeit „nach den Osterferien“. Warum die Verspätung? Sandra Wehrmann berichtet von archäologischen Bodenuntersuchungen: „Das hat uns ein Stück zurückgeworfen.“ Die Handwerker hätten nicht so lange warten mögen.

Stadtarchäologin Dr. Aurelia Dickers bestätigt die gründliche Untersuchung. Sie sei am 21. April abgeschlossen worden: „Damit sollte eine Verzögerung des Bauvorhabens und eine Unterbrechung der Bauarbeiten durch überraschend oder in größerer Menge auftretende archäologische Funde ausgeschlossen werden“, teilt die Archäologin mit.

Einzelne Funde und Befunde im südlichen Randbereich der Fläche hätten darauf hingedeutet, dass sich auf dieser Fläche ein vorgeschichtlicher Siedlungsplatz befand, der sich aber größtenteils weiter südlich ausgedehnt haben dürfte. Deshalb habe es hier nur wenige Funde gegeben – die vor Baubeginn geborgen und dokumentiert worden seien.

Auch eine Klage von Nachbarn trägt zur Verzögerung bei

Verzögernd dürfte auch die Klage mehrerer Nachbarn gegen die Baugenehmigung durch die Stadt gewirkt haben. Im März hatte das Verwaltungsgericht zwar entschieden, dass die Klage keine aufschiebende Wirkung habe, dagegen allerdings hatten die Kläger beim Oberverwaltungsgericht Beschwerde einlegen dürfen. Am 3. August wurde die Beschwerde abgelehnt – ohne dass damit in der Hauptsache über die Klage gegen die Baugenehmigung schon entschieden gewesen wäre.

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Die klagenden Nachbarn, die sich in der „Interessengemeinschaft Willingrott“ organisieren, vertreten – wie berichtet – die Position, dass das genehmigte Bauvorhaben nicht durch die Bebauungsplanung gedeckt und folglich unzulässig sei. Flüchtlingsheim und Kita würden zu „gebietsfremder Nutzung“ führen. Das Bauordnungsamt wiederum sieht sich durch das Verwaltungsgericht bislang bestätigt. Inzwischen zogen die Anlieger ihre Klage zurück, berichtete Bauordnungsamtsleiter Dirk Lohaus auf Anfrage am Montag.

Nach Angaben von Sandra Wehrmann sollte das Neubauprojekt im dritten Quartal 2018 abgeschlossen sein.

Kommentar: Kein gutes Gefühl

Das Neubauprojekt am Willingrott hat einen schweren Stand: Der Widerstand der Nachbarn ist hartnäckig, ihre Argumente sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn die Stadt mit etwas mehr Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft einen Konsens erzielt hätte – ein kleineres Wohnheim, Verzicht auf die Kita – hätte sich ein juristisches Tauziehen womöglich von Anfang an verhindern lassen.

Der Stimmung in der Nachbarschaft ist dieses Hin und Her jedenfalls nicht förderlich. Indem die Stadt die Bauarbeiten trotz Klage gegen die Baugenehmigung beginnen ließ, spielte sie mit dem Risiko, im Fall einer juristischen Niederlage das Ganze zurückbauen zu müssen. Dass mit dem längst angekündigten Beginn der Bauarbeiten so lange gezögert wurde, mag verschiedene Gründe haben: Der Eindruck, dass sich die Beteiligten mit der Sache nicht wohlfühlen, lässt sich kaum von der Hand weisen.

Durch die neue Entwicklung scheint der Weg nun frei zu sein. Soll das Flüchtlingsheim aber tatsächlich 2018 eröffnen, müssen bis dahin noch einige Wogen geglättet werden.

Lukas Speckmann

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