Sonderfahrt auf der WLE-Strecke
Protest am Streckenrand

Münster -

115 Fahrgäste sitzen im modernen LINT 54-Triebwagen, den Westfälische Landeseisenbahn (WLE) am Samstag testweise auf der Strecke Wolbeck-Münster Hauptbahnhof verkehren lässt. Viele Familien mit kleinen Kindern nutzen die Sonderfahrt am Samstag, mit der die WLE einen Eindruck vermitteln möchte, wie ein künftiger Betrieb auf der Strecke zwischen Münster Hauptbahnhof und Sendenhorst praktisch aussehen könnte. Die Fahrt wird zur Kundgebung – für und gegen den Bahn-Verkehr auf der WLE-Strecke.

Sonntag, 10.09.2017, 18:09 Uhr

Idylle mit Pferden (kleines Bild) auf einer Waldlichtung und Protest mit Trillerpfeifen: Station einer Sonderfahrt der WLE.
Idylle mit Pferden (kleines Bild) auf einer Waldlichtung und Protest mit Trillerpfeifen: Station einer Sonderfahrt der WLE. Foto: anh

„Aus Spaß an der Freud'“, ist eine Frau aus Albersloh mit Kleinkind nach eigenen Worten dabei, aber die WLE sei auf dem Weg nach Münster schon eine Alternative zum Auto. Drei Kilometer seien es für sie aus dem Rummler bis zum Einstieg in Albersloh, da nehme sie mit den Kindern bis dort das Auto.

Viele Neugierige

Ein Vater braucht derzeit mit dem Auto aus dem Süden Wolbecks eine Dreiviertelstunde bis zum Arbeitsplatz nahe dem Hauptbahnhof; gerne liefe er die zehn Minuten bis zum WLE-Einstieg in Wolbeck, dann weitere zehn Minuten bis zur Arbeit. Das Busangebot sei zu ungünstig. Ein Sendenhorster arbeitet in Ahlen, aber für die private Fahrt nach Münster gefällt ihm die WLE. Die Familie wohne 200 Meter vom Einstiegspunkt entfernt.

Protestplakate: „104 Züge am Tag“

Unterdessen rollt der LINT 54 vorbei an viel Wald, Fußgänger-Übergängen, Hinterhöfen von Betrieben, dem Pängelanton-Denkmal; manche Gärten und Häuser sind recht nah. Etliche Menschen schauen sich das rote Gefährt an. Plakate hängen Richtung Trasse: „104 Züge am Tag“, „Stau – Lärm – Dieselbahn“. Mit 20 bis 30 Kilometer pro Stunden fahre der Zug bei dieser Sonderfahrt, „bei Sendenhorst auf freier Strecke auch mal Tempo 40“, sagt ein Mitarbeiter der WLE. „Auch wenn der 80 fährt, den hört man nicht“, sagt ein älterer Herr zu einer Familie. Eine ganze Reihe Mitarbeiter steht an der Strecke, sichert oder hilft beim Einsteigen mit dem Kinderwagen.

Demonstranten drängen sich mit Plakaten und Trillerpfeife zu Landrat Olaf Gericke und OB Markus Lewe (rechts) vor den Triebwagen der WLE in Wolbeck.

Demonstranten drängen sich mit Plakaten und Trillerpfeife zu Landrat Olaf Gericke und OB Markus Lewe (rechts) vor den Triebwagen der WLE in Wolbeck. Foto: Andreas Hasenkamp

Politiker und Protestanten

Am Wolbecker Bahnhof steigen auch der Landrat des Kreises Warendorf, Olaf Gericke, und Münsters Oberbürgermeister zusteigen, auch die Bundestagsabgeordneten Sybille Benning und Christoph Strässer sowie Landtagsabgeordneter Henning Rehbaum sind dabei.

OB Markus Lewe bahnt sich den Weg in den Triebwagen durch eine Menschenmenge; Plakate werden geschwenkt, Trillerpfeifen gellen, Ratschen dazu, Kinder stehen mittendrin. „Ich bin total pro Bahn“, schreit eine Frau im Pfeif-Konzert ihrer Mitstreiter. „Warum sind Sie dann nicht hier dafür?“, kommt als Gegenfrage von einem Mann. Mehr geht nicht an Gespräch.

"Leichter erreichbarer Wohnraum"

Nach dem Fototermin an der Zugspitze spricht Lewe mit einer Gruppe Gegner; das schrille Konzert der Trillerpfeifen begleitet das Gespräch. „Leichter erreichbarer Wohnraum im Umland“, das ist eines von Lewes Argumenten für den Verkehr der WLE. Eine ältere Frau mit Plakat schreit aus der dritten Reihe in das Gespräch hinein. Die Trillerpfeifen kommen wieder näher. Lewe spricht weiter, geht erst, als Johann Ubbert, Bereichsleiter Eisenbahn der WLE, an den Fahrplan erinnert. Die Fahrt „bringt Aufmerksamkeit“, sagt er, aber „wir können unsere Vorteile nicht zeigen, wegen der nicht so modernen Infrastruktur“. Dass die Fahrgäste im Zug auf die Reaktivierung warten, den Eindruck hatte Marius Herwig, Ratsherr der SPD für Wolbeck. Fragen hat noch Bezirksvertreter Martin Peitzmeier (CDU) an das Gutachten, das bald öffentlich gemacht werden soll.

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