Wochenmarkt auf dem Domplatz
Händlern droht der Rauswurf

Münster -

Die Lücken in den Standreihen auf dem Wochenmarkt am Mittwoch auf dem Domplatz werden immer größer. Die Stadt erinnert die Händler an die Pflicht, an beiden Markttagen zu kommen. Für manche Händler ist der Mittwoch nicht mehr attraktiv genug.

Samstag, 18.11.2017, 11:00 Uhr
Lücken in den Standreihen der Markthändler zeigen sich vor allem auf dem Mittwochsmarkt. Am Samstags sind die meisten H#ndler auf dem Domplatz an Bord. Zusätzlich bauen auch saisonale Geschäfte ihre Stände auf.
Lücken in den Standreihen der Markthändler zeigen sich vor allem auf dem Mittwochsmarkt. Am Samstags sind die meisten Händler auf dem Domplatz an Bord. Zusätzlich bauen auch saisonale Geschäfte ihre Stände auf. Foto: Oliver Werner

Volle Standreihen beim Samstagsmarkt, große Lücken am Mittwoch: Die Stadt beklagt, dass einige Marktbeschicker nur noch samstags auf dem Domplatz stehen. Manche Händler empfinden die Gangart der Stadt als ungerecht, denn ihnen soll quasi der Marktstuhl vor die Tür gesetzt werden, wenn sie nicht an beiden Markttagen erscheinen. Die Stadt beruft sich auf die Marktsatzung, die der Rat 2014 abgesegnet hat. Diese schreibt eine Teilnahme der Markthändler an den festgesetzten Markttagen vor.

Trotzdem zeichnen sich am Mittwoch zunehmend mehr Lücken auf dem Domplatz ab. „Es lohnt sich mittwochs einfach nicht mehr“, sagt ein Fleischer, der seit 1968 nach Münster kommt. Er verlässt Ende des Jahres den Domplatz. Dann könne er besser nach Dortmund fahren. Seine Stammkundin Petra Groll kritisiert das Vorgehen der Stadt, ist überzeugt, dass sich eine andere Lösung finden ließe, „als die alten Händler rauszukegeln“. Petra Groll bezweifelt stark, dass die Stadt die Lücken mit neuen Standbetreibern wieder auffüllen kann.

Wochenmarkt am Mittwoch: Beschicker setzen auf Stammkunden

Auch ein Blumenhändler bekam Post von der Verwaltung. Sollten keine triftigen Gründe für sein Fehlen vorliegen, wird er gebeten, den Markt am Mittwoch wieder zu beschicken. Sonst würde sich die Stadt eventuell gezwungen sehen, die Standerlaubnis zu widerrufen, heißt es.

Auch dieser Händler verkauft seit 50 Jahren auf dem Wochenmarkt. Dass er den Mittwochsmarkt sausen lassen muss, hat Gründe: „Ich fahre jeden Mittwoch zur Blumenauktion nach Aalsmeer. „Ein zusätzlicher Stand auf dem Domplatz ist dann nicht mehr zu schaffen.“ Er habe den guten Willen, sagt der Händler, der auf 22 Märkten steht und 23 Mitarbeiter beschäftigt, aber es würde auch am fehlenden Personal scheitern.

Blumenhänder kritisieren Stadt

Unbestritten ist, dass der Samstagsmarkt für die Händler der attraktivere Tag ist. „Dann kaufen vor allem Kunden aus dem Umland und Touristen ein“, so der Blumenhändler. Er bezweifelt, dass der Stadt überhaupt eine lange Bewerberliste für Plätze auf dem Markt vorliegt. „Wer steht um 3 Uhr morgens auf und hat erst gegen 18 Uhr Feierabend?“

„Es gibt genug Händler, die bereit sind zu kommen“, betont dagegen Johannes Lammers vom Ordnungsamt. Ziel sei es, den Markt auch am Mittwoch voll zu besetzen. Rita Westhoff reagiert verärgert. Die Vorsitzende des Vereins der Marktbeschicker beruft sich auf die Satzung. „Wer damit nicht zufrieden ist, sollte mit dem Verein sprechen.“ Auch sei nicht daran gedacht, die Öffnungszeiten auszudehnen. Gerüchteweise ist von 20 Uhr die Rede.

„Der grüne Versorgungsmarkt soll so bleiben, wie er ist“, sagt Sigrid Howest , Sprecherin der Stadt. Dass die Händler an beiden Tagen kommen müssen, dass sei ihnen bekannt. Howest schränkt ein, dass es einen gewissen Fundus mit Interessenten geben würde, aber keine lange Bewerberliste.

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Der Blumenhändler kritisiert das Vorgehen der Stadt, das er als ungerecht empfindet. Die Stadt profitiere von den Beschickern, die Standgebühren und Gewerbesteuer bezahlen würden.


Kommentar

Ein Vorschlag zur Güte

Die Satzung steht und ist gültig. Der Markt findet mittwochs und samstags statt, das wissen auch die Händler. Dass die Stadt daran erinnert, ist legitim. Aber es wird auch deutlich, dass sich der Mittwochsmarkt mehr zum Übermittags-Imbiss entfaltet, der Samstagsmarkt ist dagegen für die Versorgung wichtig. Und außerdem ist dieser Markt ein Lockvogel für Touristen. Darum ein Vorschlag zur Güte: Das ­Interesse der Händler für mittwochs abfragen, die Beschickerrunde rückt enger zusammen – und alle sind zufrieden. Nur am Samstag bleibt der Markt, wie er ist. Das Angebot ist aus­reichend, auch das Imbiss-Angebot. Damit wäre den Händlern, der Stadt und ­natürlich den Kunden geholfen.

Der Bio-Markt am Freitag auf dem Domplatz ist auch klein – und hat trotzdem seine Kundschaft.

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