Pro & Contra: Umgestaltung des Bremer Platzes
Auch die "Szene" soll Ideen einbringen

Münster -

Der Bremer Platz in Münster soll neu gestaltet weden. Im Vorfeld soll sich auch die "Szene" mit Ideen einbringen. Ist es richtig, dass dieser Personenkreis im Vorfeld der Umgestaltung gehört wird?

Donnerstag, 17.05.2018, 16:05 Uhr

Pro & Contra: Umgestaltung des Bremer Platzes: Auch die "Szene" soll Ideen einbringen
Pro: Münster sind alle

Ein neues Portal entsteht auf der Rückseite des Bahnhofs als weiteres Aushängeschild Münsters – für Besucher, die sich Shoppen, Kultur und Hotelübernachtungen leisten können. Geschäfte sollen Platz finden, Büros und ein Hotel, in dem saubere Kissen und gespülte Teller normal sind. Gegen Geld gibt es das. Für Einheimische, für Besucher.

Aber was ist mit jenen Menschen, die sich so etwas nicht leisten können? Weil sie keine große Lobby haben. Weil sie vielleicht zu wenig Geld besitzen für ein Leben nach dem in Münster selbstverständlichen Anspruch als kulturbeflissene Wohlstandmetropole. Sind sie deshalb keine Münsteraner? Dürfen sie bei der Stadtgestaltung nicht mit­reden – weil sie obdachlos oder womöglich von Suchtmitteln krank geworden sind?

Wer diese Wirklichkeit ausblendet, handelt offenbar nach dem Prinzip: „Das Leben anderer in Sorge will ich nicht sehen.“ Es ist gut, wenn auch Obdachlose und Suchtkranke am öffentlichen Leben teilhaben. Damit jeder sieht, dass es auch in Münster soziale Probleme gibt. Von denen jeder weiß, dass er sie persönlich nicht haben möchte. Von Klaus Möllers

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Contra: Eine Farce

Wer jeden Tag am Bremer Platz vorbeikommt, der wird den Eindruck nicht los, dass Sicherheits- und Ordnungsbehörden diesen Stadtraum aufgegeben haben: offener, schamloser Drogenkonsum, unübersehbarer Drogenhandel, Müll, der wochenlang nicht weggeräumt wird. Krankenwagen sieht man hier regelmäßig – Polizeifahrzeuge hingegen eher selten. Die Gleichgültigkeit der Behörden macht sprachlos, die Menschen, die hier wohnen, und die Montessori-Schüler, die hier täglich vorbeigehen, sind nur noch zu bedauern.

Derweil träumt die Stadt in einer Vorlage für die künftige Gestaltung des Bremer Platzes von einer „gelebten Partnerschaft“ von Anliegern und „Szene“. Das kann eigentlich nur heißen: Die „Szene“ macht weiter wie bisher – und die Anlieger müssen das akzeptieren.

Dass nun genau diese „Szene“, die seit vielen Jahren Tag für Tag beweist, dass sie nicht mit einem öffentlichen Raum umgehen kann, bei dessen Neugestaltung ein Wort mitreden soll, ist eine Farce. Die Chance, den Platz in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen, würde damit endgültig verspielt.  Von Martin Kalitschke

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