Enkeltrick-Opfer beschreibt Tathergang
„Ich war willenlos“

Münster -

Er habe nie geglaubt, dass ihm so etwas passieren könne, sagt der rüstige 81-Jährige. Doch er täuschte sich, das kostete ihn vergangene Woche 62 000 Euro.

Dienstag, 21.11.2017, 07:00 Uhr aktualisiert: 21.11.2017, 07:05 Uhr
Bei einem Gespräch in der Redaktion erzählte ein Enkeltrick-Opfer, wie ihm Trickbetrüger in der vergangenen Woche 62 000 Euro stahlen – und eigentlich noch viel mehr wollten.
Bei einem Gespräch in der Redaktion erzählte ein Enkeltrick-Opfer, wie ihm Trickbetrüger in der vergangenen Woche 62 000 Euro stahlen – und eigentlich noch viel mehr wollten. Foto: Björn Meyer

Es war ein Morgen so wie eigentlich immer für ihn. Der 81-Jährige hatte sich viel vorgenommen. Trotz seines Alters ist der Münsteraner noch immer aktiv, er liest zudem viel und ist beratend tätig. Er ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er am Ende des Tages um 62 000 Euro ärmer sein würde.

Mit Geschick und Zielstrebigkeit

Gegen 8.30 Uhr klingelte das Telefon des gelernten ­Industriekaufmanns, der auf eine erfolgreiche berufliche Karriere zurückblicken kann. „Hallo Papa, ich bin es“, hörte der Münsteraner eine Stimme am anderen Ende. Das Problem an der Sache, die Stimme am anderen Ende gehörte nicht seinem Sohn, sondern einem Kriminellen. Das aber merkte der ältere Herr nicht. „Mit welchem Geschick und welcher Zielstrebigkeit der vorgegangen ist“, sagt der 81-Jährige über seinen Anrufer, und wirkt fast bewundernd.

"Papa, hilf mir"

Der angebliche Sohn erzählte dem Münsteraner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, er habe gerade eine Eigentumswohnung erworben und bereits einen Teil der Kauf­summe angezahlt. Allerdings müsse er noch heute weitere 62 000 Euro bezahlen. „Papa, hilf mir“, habe die Stimme gesagt. Immer und immer wieder, denn es blieb nicht bei einem Gespräch. Zwischen 8.30 und 17 Uhr habe es „vielleicht 50 Telefonate gegeben“, schätzt der Münsteraner. „Man hat mich total abhängig gemacht, ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen“, erzählte das Opfer beim Besuch in der Redaktion. „Für mich wurde immer klarer, ich muss da helfen.“

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Und so besorgte sich der 81-Jährige noch am selben Tag 62 000 Euro bei seiner hiesigen Bank. „Ich war willenlos, geistig total gelähmt“, beschreibt der Mann seinen Zustand zu diesem Zeitpunkt.

"Willenlos und geistig total gelähmt"

Dabei habe er bislang immer geglaubt, dass ihm so etwas nie passieren könne: „Natürlich nicht“, sagt er, „aber das sind psychologisch extrem gut geschulte Leute“, relativiert das Opfer mit seinem heutigen Wissen. Man habe ihm sogar glaubhaft machen können, dass sein angeblicher Sohn das Geld nicht persönlich abholen könne.

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Ein angeblicher Bekannter, „ein Herr Schwarz von einer Firma in Bremen – natürlich alles gelogen“, habe das Geld an seiner Haustür in Empfang genommen. Noch immer hatte der Münsteraner keine Ahnung, was da gerade mit ihm passiert. Erst als der Telefonbetrüger noch ein weiteres Mal anrief und noch einmal über 108 000 Euro forderte, wurde der Münsteraner misstrauisch. „Mein Fehler war, dass ich nicht auf die Idee gekommen bin abzusichern, ob es sich bei dem Anrufer wirklich um meinen Sohn handelt. Ich kann anderen nur raten, das immer zu tun.“

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