Innovative Sehhilfe „OrCam“: Das Auge ist ganz Ohr

Münster -

Wenn die Brille nicht mehr hilft, muss „OrCam“ ran. Der kleine Gucker wird an die Brille gesteckt und nimmt seinem Träger das Lesen ab – indem er Texte vorliest oder sogar ins Ohr flüstert, wer gerade vor einem steht.

Tanja Janatzek muss nur den Finger ins Buch legen – schon wird die Stelle vorgelesen. Foto: jdu

Eine Sehhilfe, die direkt an der Brille befestigt ist, den Text erfasst und diskret ins Ohr flüstert, wurde nun im Marienhaus vom Verein „Akademie des Sehens e.V.“ vorgestellt. „OrCam“ heißt das Gerät.

„Wir sind immer auf der Suche nach neuen Hilfsmitteln, um die Betroffenen bestmöglich zu beraten“, erklärte Gabriele Berger von der Akademie. Vorgestellt wurde die „OrCam“ von Tanja Janatzek vom Büro für barrierefreie Bildung aus Herne. „Ich kann mir damit im Restaurant die Speisekarte durch den winzigen Lautsprecher am Ohr vorlesen lassen“, sagte Janatzek. Das Staunen war groß: Tanja Janatzek setze sich die Brille mit der „OrCam“ auf, legte ihren Finger in ein Buch – und schon wurde die entsprechende Seite vorgelesen. Nach dem gleichen Prinzip können auch Straßenschilder, Anzeigetafeln oder Texte am Bildschirm vorgelesen werden.

Die „OrCam“ passt in jede Hosentasche. In der neuesten Version ist zudem eine automatische Texterkennung und sogar eine Gesichtserkennung integriert – man erfährt also, wen man vor sich hat. Besonders in dieser Version können auch vollblinde Menschen davon profitieren.

Einige Einschränkungen hat die Sehhilfe. So kann sie Schreibschrift nicht erkennen. Auch für Produkte im Supermarkt gibt es praktischere Geräte, die direkt den Strichcode scannen und Infos über das Produkt bieten. Die recht hohen Kosten des Geräts werden auch nicht ohne Weiteres übernommen. Janatzek zeigt sich optimistisch: „Es ist noch nicht als Hilfsmittel anerkannt, aber es gibt viele Krankenkassen, die es schon bezahlen.“