Interview mit Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol
Ohne Joko, dafür aber mit Mark: Gloria kommen nach Münster

Münster -

Gerade noch auf der Showbühne, am 14. Dezember dann im Skaters Palace: Klaas Heufer-Umlauf kommt nach Münster. Zusammen mit Ex-Wir-sind-Helden-Bandmitglied Mark Tavassol. Gloria heißt die Band, im Gepäck haben sie ihr drittes Album "Da". 

Mittwoch, 06.12.2017, 20:12 Uhr

Gloria: Im Oktober hat die Band von Klaas Heufer-Umlauf (l.) und Mark Tavassol ihr dritte Album „Da“ veröffentlicht. Jetzt ist das Duo wieder auf Tour und kommt auch nach Münster.
Gloria: Im Oktober hat die Band von Klaas Heufer-Umlauf (l.) und Mark Tavassol ihr drittes Album „Da“ veröffentlicht. Jetzt ist das Duo wieder auf Tour und kommt auch nach Münster. Foto: Peter Kaaden

Ich habe in den vergangenen Tagen euer Album und das neue von Kettcar gehört. Die Herangehensweise ist unterschiedlich. Kettcar poltern und sind politisch. Euer Album klingt nach Pop und nach Zwischenmenschlichem. Was war eure Intention für „Da”?

Mark Tavassol : Ich bin etwas irritiert, weil auf dem Album durchaus politische Songs sind. Wir hatten ein großes Hallo mit einem Kollegen vom Musikexpress, der das Album missverstanden hat. Leider hat er uns erst getroffen, nachdem die Rezension bereits im Druck war. Zudem konnte er das Album nach eigenen Angaben nur eineinhalb Mal vorab hören.

Als wir vor zwei Jahren gesprochen haben, hast du gesagt, dass es euch ein Bedürfnis sei, auf Nachfrage hin zu erläutern, was ihr in euren Songs sagen wollt...

Mark: Ja, genau. Wir verpacken unsere Texte eher in Metaphern. Es erschließt sich einem nicht alles sofort. Deshalb auch meine Irritation. Der Überbau, also die Hälfte der Songs, betrachtet politisches Geschehen. Dem gegenüber stellen wir die persönliche Seite und die Fragen: Was sind eigentlich unsere (Luxus-)Probleme? Wovor haben wir Angst?

... deshalb würde ich gerne wissen, wie die Textzeile aus dem Song „Immer noch da“ zu verstehen ist: „Was sollen die ganzen Kreuze vor deinem Tor, was habe diese Haken zu allem Unglück darauf verloren, du wurdest doch anders geboren“.

Mark: Vielleicht sogar der politischste Song auf dem Album. Bei den Kreuzen auf dem Tor geht es aber auch um Verstorbene, um unsere Erinnerung und Vergangenheit. Im Krieg gab es Leute, die ihre Abschüsse, also ihre Opfer, gezählt haben. Das ist mit den Haken gemeint. Wir spielen hier mit den beiden Begriffen. Dadurch, dass sie so dicht beieinander liegen, ergibt sich dann wieder eine andere Ebene.

Die Lyrics von Kettcar sind da eher mit dem Holzhammer.

Mark: Direkter.

Klaas Heufer-Umlauf : Es ist die Art und Weise, wie man funktioniert, unabhängig von der Intention und wie man etwas auskleidet. Das was die Zusammenarbeit von Mark und mir ausmacht, ist es, was uns vielleicht von anderen unterscheidet. Als Hörer schätze ich Kettcar auch sehr. Das Album ist super. Aber als Künstler haben wir eine andere Herangehensweise: Uns würde es wahnsinnig schwer fallen, so unmissverständliche Erzählweisen in einem Song unterzubringen. Wir kommen auf andere Art und Weise an unsere Gefühle heran, wenn wir Songs komponieren.

Ich stelle gerade in der aktuellen Musik eine Politisierung fest.

Klaas: Nicht nur in der Musik, in allem. Es ist weltumspannend. Ob in der Literatur oder in amerikanischen Late-Night-Shows: Alles hat ein anderes Gesicht als noch vor zwei Jahren.

Mark: Es ist aber auch gut so, dass es sich direkt in der Musik niederschlägt. Wenn es weniger politisch würde in der Kunst, liefe auch etwas schief in der Welt.

Klaas Heufer-Umlauf: Showmaster, Sänger, Schauspieler

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  • Klaas Heufer-Umlauf ist Moderator, Produzent und Schauspieler...

    Foto: dpa
  • ... sowie Sänger und Gründungsmitglied der Band Gloria.

    Foto: Julian Bischoff
  • Beim Musiksender Viva moderierte Klaas die Sendungen „Viva Live!“, die Retro Charts und „Klaas‘ Wochenshow“. 2009 wechselte er zu MTV, wo er dann auf Joko Winterscheidt traf.

    Foto: XAMAX/dpa
  • Heufer-Umlauf und Winterscheidt produzieren und moderieren seit dem Sommer 2012 die Spielshow Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt für ProSieben.

    Foto: Henning Kaiser
  • Im April 2014 erhielt er zusammen mit Winterscheidt den Grimme-Preis für „Circus HalliGalli“.

    Foto: Angelika Warmuth
  • Joko Winterscheidt (l.) und Klaas Heufer-Umlauf gewinnen den Rose d'Or Award in der Kategorie "Best Entertainment". Rose d’Or ist eines der weltweit bedeutendsten Festivals der Fernsehunterhaltung.

    Foto: Jörg Carstensen
  • Neben „Das Duell um die Welt“ moderieren Joko und Klaas unter anderen die Sendungen „Mein bester Feind“, „Teamwork - Spiel mit deinem Star“ und „Die beste Show der Welt“.

    Foto: Marius Becker
  • Mit Jan Böhmermann war Heufer-Umlauf 2011 mit der satirischen Improkabarettshow Zwei alte Hasen erzählen von früher in Deutschland auf Tour.

    Foto: Marie Rövekamp
  • Jetzt steigt Klaas Heufer-Umlauf ins Friseurgeschäft ein - zumindest im Fernsehen. Der Schauspieler ist im Januar in der NDR-Comedy «Jennifer - Sehnsucht nach was Besseres» als neuer Chef des Haarstudios Hair & Care zu sehen.

    Foto: Christophe Gateau

Kettcar singen in einem ihrer Songs die Zeile: „Wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser.“ Hört ihr noch Radio?

Klaas: Hin und wieder.

Mark: Fast gar nicht mehr. Ich fahre kaum noch Auto, das war sonst immer die einzige Berührung zum Radio.

Aber in der Musik, die im Radio gespielt wird, stelle ich keine Politisierung fest. Böhmermann hat es doch mit Jim Pandsko auf den Punkt gebracht.

Mark: Die Revitalisierung des Schlagerbegriffs, die seit Jahren Einzug hält, wird natürlich auch unterfüttert durch großen kommerziellen Erfolg. Und das hat auch mit einer Form von Eskapismus derer zu tun, die nichts mit Politik am Hut haben und sich lieber berieseln lassen wollen. Dann gerät Schlager zur Zuflucht.

Live

Gloria, Donnerstag, 14. Dezember, 20 Uhr, Skaters Palace, Dahlweg 126. Tickets gibt es hier .

...

Euer neues Album ist radiotauglicher, textlich aber weit entfernt von „Menschen Leben Tanzen Welt“.

Mark: Dass man mit politischen oder metaphorischen Texten im Radio keinen großen Erfolg haben wird, ist kein Geheimnis. Und dass wir schwere Themen jetzt im poppigeren Gewand präsentieren, vergleiche ich gerne mit der Fernsehserie „Scrubs“, der es auch gelingt, ernste, humorvolle und schlichte oder gar bedrückende Momente nebeneinander zu stellen.

Würdest du sagen, dass diese Form der Radio-Berieselung auch eine Form der Verdummung darstellt?

Mark: Trotz einer idealisierten Sicht auf die englische Musikszene, glaube ich, dass die sich mehr trauen. Wir haben eine sehr ängstliche Radiolandschaft mit einer fast schon inzestuösen Musikauswahl. Um mal die Komplexität sehr vereinfacht darzustellen: Gerade Schlagerstars könnten sich in der jetzigen Zeit – in den ausverkauften Stadien – zu den vielen Krisen äußern. Machen sie aber nicht. Entweder, weil sie gutheißen, was gerade passiert oder aber, sie haben es verstanden, äußern sich aber aus kommerziellen Gründen nicht. Das macht mich wütend. Und von dieser Perspektive betrachtet würde ich mindestens von Verdummung, wenn nicht sogar von moralischer Verrohung sprechen.

Am 27. Januar spielt ihr in Dresden gewiss nicht vor einer politischen Diaspora, aber inwiefern nutzt ihr denn die Tour, um eure Haltung klar zu machen?

Mark: Das Thema AfD spielt auf jeden Fall eine Rolle, wenn wir in Dresden oder Leipzig unterwegs sind. Preaching to the converted bringt aber beim Konzert nichts, denn unsere Fans stehen bereits auf der richtigen Seite. Aber, wenn wir im Radio sind, bei Energy Sachsen beispielsweise, geben wir ganz klar unsere Sichtweise zum Besten.

Klaas: Man muss auch betonen, dass es für jemanden, der nicht in Dresden wohnt, leichter ist solche Dinge anzusprechen. Aber wir versuchen den Leuten Rückenwind zu geben, die am Altmarkt wohnen und jeden Montag dort Pegida vorbeilaufen sehen, für die es eben nicht so einfach ist, sich zu solidarisieren.

Einer von euch scheint beim Texten ein Seismograph für Stimmungen zu sein. Wer von euch beiden ist der Sensiblere?

Klaas: Das ist abhängig von der Tagesform.

Mark: Ich glaube, ich bin der, der für die kryptischeren Texte verantwortlich ist (lacht).

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