Kinderneurologie-Hilfe
Leben am seidenen Faden

Münster -

Ein schwerer Unfall hat „ein anderes Kind“ aus Lennart gemacht. Vor neun Jahren wurde der heute 19-Jährige beim Spielen auf der Straße lebensgefährlich verletzt. Er überlebte, doch das Leben war nicht mehr dasselbe. Zudem hatte die Familie mit Behörden zu kämpfen. Doch mit Unterstützung der Kinderneurologie-Hilfe kamen Lennart und seine Familie wieder auf die Beine.

Samstag, 16.12.2017, 12:12 Uhr

Lennarts Leben hing in den ersten Wochen nach dem Unfall am seidenen Faden.
Lennarts Leben hing in den ersten Wochen nach dem Unfall am seidenen Faden. Foto: privat

Oktober 2008. Lennarts Leben hängt an Maschinen. An Schläuchen. An blinkenden und piependen Monitoren. Vor allem aber – es hängt am seidenen Faden. Oktober 2017 – Lennart sitzt am Tisch, erzählt, lacht, hört zu. Und niemand sieht dem 19-Jährigen an, dass er dafür hart gekämpft hat. Mit ihm seine Familie, Ärzte, Therapeuten – und die Kinderneurologiehilfe Münster. Für die Vorsitzende Gertrud Wietholt ist der junge Mann ein „Vorzeigeexemplar“, dessen Geschichte Mut macht, der einen harten Weg hinter sich hat.

„Und er ist auch noch nicht zu Ende“, sagt seine Mutter Susanne. Sie ist der Kinderneurologiehilfe unendlich dankbar für die Begleitung und Unterstützung: „Ohne deren Einsatz und Hilfe wäre das niemals möglich gewesen.“

„Ein anderes Kind“

Rückblende: Lennart ist an jenem Oktobernachmittag draußen, spielt vor der Tür in einem ruhigen Wohngebiet – und wird von einem Auto erfasst. Die Folgen sind dramatisch: Schädel-Hirn-Trauma, mehrere Operationen, Kinderintensivstation, mehrere Reha-Aufenthalte. Doch was anfangs undenkbar scheint, erfüllt sich: „ Weihnachten war er wieder zu Hause“, erzählt seine Mutter. Aber der Schein trügt: Lennart hat den Unfall überlebt, aber er hat sich verändert. „Ein anderes Kind“, sei er geworden. Probleme, sich zu konzentrieren, vergesslich, manchmal aggressiv, schnell überfordert und müde – das neue Leben mit Lennart ist eine Herausforderung für die Familie.

Lennarts Mutter ruft bei der Kinderneurologie-Hilfe an – und fühlt sich von da an nicht mehr allein: „Die wussten, wovon ich spreche.“ Im Gegensatz zu anderen, die versuchen zu beschwichtigen, zu beruhigen: „Das wird schon wieder, lass ihm Zeit, man sieht ihm doch gar nichts mehr an.“

Verhaltensänderungen durch Schädel-Hirn-Trauma

Genau das ist das Problem: „Äußerlich überstehen viele Kinder einen Unfall. Aber ihr Verhalten hat sich verändert, wenn das Gehirn und seine Funktionen durch ein Schädel-Hirn-Trauma beeinträchtigt worden sind“, erläutert Gertrud Wietholt. Die Kinderneurologiehilfe geht mit in Schulen, spricht mit Lehrern oder auch Erziehern im Kindergarten, um ihnen die Verhaltensmuster und Probleme von neurologisch verletzten Kindern nahezubringen. „Es geht darum, Verständnis für das Verhalten zu wecken, es geht aber auch darum, die Kinder nicht zu überfordern, sie nicht unter Druck zu setzen und auch zu lernen, sie besser einzuschätzen.“

Kinderneurologie-Hilfe

Spendenaktion: Die Kinderneurologiehilfe benötigt pro Jahr rund 150.000 Euro an Spenden, um die Arbeit und Betreuung von Familien mit einem Kind nach einem Schädel-Hirn-Trauma sicherzustellen.

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WN-Spendenaktion 2017: Alle Projekte

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  • Alle Projekte der WN-Spendenaktion

    Unseren Mitmenschen helfen - besonders jenen, die in einer akuten Notsituation sind: Das ist der Leitgedanke der WN-Spendenaktion.

    Wir stellen Ihnen alle vier Projekte aus Münster vor. 

    Foto: WN
  • Projekt 1: Kinderdialyse

    Der Förderverein "Hilfe für das nierenkranke Kind" kämpft gegen die gesellschaftliche Isolation von Kindern mit chronischen Nierenerkrankungen.

    „Wir versuchen, Alltagsprobleme zu lösen und den chronisch kranken Kindern und Jugendlichen eine Perspektive zu geben“, erklärt die Vereinsvorsitzende Prof. Dr. Monika Bulla .

    Foto: pd
  • Projekt 1: Kinderdialyse

    Dreimal in der Woche muss Berivan Yüksel zur Dialyse in das Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche an der Waldeyerstraße. Die Zwölfjährige ist eines von vielen schwer nierenkranken Kindern, die hier behandelt werden.

    Alle Infos zum Projekt finden Sie hier .

    Foto: Förderverein Hilfe für das nierenkranke Kind
  • Projekt 2: Kinderneurologie

    Die Kinderneurologiehilfe Münster betreut Familien mit einem Kind nach einem Schädel-Hirn-Trauma.

    Sie begleiten Familien durch die schwere Zeit nach der Klinik und helfen, den Alltag zu bewältigen.

    Foto: Oliver Werner
  • Projekt 2: Kinderneurologie

    „Ohne Spenden können wir die qualitativ hochwertige Betreuung nicht bieten“, macht die Vorsitzende deutlich. Denn: „Unser Angebot ist kostenlos: Jeder, der Hilfe benötigt, bekommt sie.“

    Alle Infos zum Projekt finden Sie hier .

    Foto: Oliver Werner
  • Projekt 3: Entwicklungshilfe

    Seit 16 Jahren baut der Ökumenische Eine-Welt-Kreis (ÖWK) St. Nikolaus Wolbeck Schulen für das Dach der Welt. Im Himalaya leistet er mit seinem nepalesischen Partnerverein Krisenhilfe.

    Foto: ÖWK Wolbeck
  • Projekt 3: Entwicklungshilfe

    „Denn wie wichtig Bildung für ihre Kinder ist, hat auch die Landbevölkerung längst erkannt“, weiß Christoph Roer vom ÖWK aus Gesprächen vor Ort.

    Alle Infos zum Projekt finden Sie hier .

    Foto: ÖWK Wolbeck
  • Projekt 4: Wohnhilfen

    1991 hat Bernd Mülbrecht (Bild) den "Förderverein für Wohnhilfen" gegründet und damit schon über 80 Menschen eine dauerhafte Bleibe verschafft.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Projekt 4: Wohnhilfen

    Heinrich Wiesmüller (Bild) wohnt in der umgebauten Dreifaltigkeitskirche. Dort wohnen ehemalige Wohnungslose, die älter sind als 60 Jahre.

    Auch auf dem ehemaligen TÜV-Gelände entstehen zur Zeit neue Wohnungen. Zur Mö­b­lie­rung benötigt der Verein Spenden.

    Alle Infos zum Projekt finden Sie hier .

    Foto: Anna Spliethoff
  • Spendenaufruf

    "Wir alle können etwas tun für eine bessere Welt! In diesem Sinn bitten wir um Ihre Unterstützung. Helfen Sie! Mit Herz!"

    Ihre

    Dr. Benedikt Hüffer 

    Dr. Eduard Hüffer

    Verleger der Westfälischen Nachrichten

    Foto: WN

 

Abschluss und Ausbildung

Lennart hat seinen Hauptschulabschluss geschafft, ein Freiwilliges Soziales Jahr eingelegt und eine Ausbildung begonnen. Fitnesskaufmann wird er: „Das ist mein Ding.“ Er ist zu Hause ausgezogen, lebt selbstständig sein Leben, von dem er nicht weiß, wie es verlaufen wäre, hätte es den Unfall nicht gegeben. „Dann wäre ich Polizist geworden, das kann ich jetzt nicht, die Anforderungen könnte ich nicht bewältigen“, kennt er seine Grenzen.

Kampf mit der Bürokratie

Die Bürokratie und der Kampf mit Behörden, Krankenkassen und Versicherungen sind etwas, das seiner Mutter sehr zugesetzt hat. Gerade in dem Bereich benötigt er auch weiter ihre Unterstützung, um sein Leben und seine Zukunft auf eine sichere Basis zu stellen. „Man weiß nie, was kommt. Auch Spätfolgen, an die jetzt noch niemand denkt“, betont Gertrud Wietholt, die die Familien auch in dieser Hinsicht begleitet.

Und immer wieder betont: „Kinder nach einem Schädel-Hirn-Trauma müssen Kindern mit anderen chronischen Erkrankungen in ihrer Versorgung und Betreuung gleich gestellt werden. Das ist unser Ziel, dafür müssen wir immer wieder kämpfen.“ Ebenso um Spenden, um die Beratungsarbeit aufrechtzuerhalten. Denn sie ist für die Betroffenen kostenlos: „Das ist wichtig , das muss auch so bleiben.“

WN-Spendenaktion

Projekte: Kinderdialyse (Hilfe für nierenkranke Kinder), Entwicklungshilfe (im vom Erdbeben getroffenen Nepal sollen Schulen und Biogasanlagen gebaut werden), Kinderneurologiehilfe (Unterstützung für Kinder mit Hirnschädigung), Wohnhilfen (Wohnungslose sollen ein Zuhause bekommen).

Auswahl: Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Sonst wird die Spende aufgeteilt. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist. Wer nicht im Spendenbarometer erwähnt werden möchte, soll ein „Nein“ vermerken.

Konto: 8888 bei der Sparkasse Münsterland-Ost (BLZ 400 501 50); IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

Rückfragen: Telefon 02 51 / 690 917 211

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