Galaktisches Überholmanöver
Gab es den Stern von Bethlehem wirklich?

Münster -

Wer wies den Drei Weisen aus dem Morgenland den Weg nach Bethlehem? Für Matthäus ist das eine klare Sache: der Stern, der aufging und zu Christi Geburtsort zog. Dieser Deutung entziehen sich nicht einmal Wissenschaftler wie Dr. Björn Voss, Leiter des Planetariums am LWL-Museum für Naturkunde in Münster. Wenn man erst einmal Übersetzungsschwächen, Missverständnisse und Fehldeutungen beseitigt habe, vertragen sich biblische Erzählungen und wissenschaftliche Erkenntnisse gut miteinander, sagt der Sternenkundler.

Samstag, 23.12.2017, 15:12 Uhr

Wegweiser:Was steckt hinter dem Stern von Bethlehem?
Wegweiser: Was steckt hinter dem Stern von Bethlehem? Foto: Planetarium Hamburg

Das Wichtigste für Voss : Man darf die Bibel nicht wie US-amerikanische Fundamentalisten wörtlich nehmen. Sondern in den zeitlichen Kontext einordnen. Und dann wird die Geschichte ebenso spannend wie einleuchtend.

Das geht los mit den Personen – den „Weisen aus dem Morgenland“. Über sie heißt es wörtlich übersetzt, sie seien „Magier von Osten“. In den richtigen Zusammenhang gesetzt, wäre das wohl am besten mit „Sternenkundlern“ übertragen, meint Voss. Und als Herkunft setzt der münsterische Sternenkundler auf Babylon. Dort wurde eine Sternenreligion ausgeübt – und deren Priester und Wissenschaftler kannten sich überraschend gut aus mit der Himmelswelt.

Besondere Konstellationen

Planetenbahnen vorauszuberechnen und besondere Konstellationen zu erkennen, gehörte zu ihren leichteren Übungen. Voss glaubt, dass die „Weisen“ vom „Stern von Bethlehem“ schon wussten, als sie ihn noch gar nicht sehen konnten. Sie folgten schlicht ihrer eigenen Prognose.

Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

Matthäus 2,9

Seit Jahrhunderten suchen Astronomen inzwischen nach besonderen Ereignissen und Konstellationen, die sich in diese Grundannahme fügen. Kometen? Kommen eigentlich nicht infrage. Sie symbolisierten in jener Zeit Unheil, kein Glück. Und der lange Zeit favorisierte Halleysche Komet lässt sich schon zeitlich nicht einfügen.

Eine Supernova, also das letzte helle Aufleuchten eines Sterns am Ende seiner Lebenszeit, ist ein weiterer Erklärungsversuch. Diese Version ist schon eher möglich.

Jupiter und Saturn im Überholmanöver

Aber Björn Voss favorisiert eine andere Deutung, die er ziemlich plastisch beschreibt. Auf ihrer Bahn um die Sonne liefern sich die – ohnehin hellen – Planeten Jupiter und Saturn einmal jährlich ein Überholmanöver. Von der Erde betrachtet bringt das die beiden Planeten hin und wieder sehr dicht aneinander. Und im Jahre sechs vor unserer Zeitrechnung hätte ein Sternenbeobachter die beiden Planeten unmittelbar nebeneinander gesehen – und das Überholen sogar als kleine Schleife der Sterne umeinander wahrgenommen.

„Kein echtes Spektakel in der Beobachtung“, sagt Voss. Aber ein ziemlich einzigartiges Ereignis am Himmel. Und, wichtiger noch: Diese Kon­stellation war vorausberechenbar. „Das konnten die alten Sterndeuter genau kalkulieren“ – und dann als bedeutsames Zeichen interpretieren.

Probleme durch Rechenfehler

Bleiben noch zwei, drei kleinere Probleme. „Sechs Jahre vor unserer Zeitrechnung“ heißt ja nun eigentlich: sechs Jahre vor Christi Geburt. „Rechenfehler“, entschuldigt Voss. Wir wissen ja schon aus anderen Zusammenhängen, dass Jesus ein paar Jahre früher geboren wurde. Herodes, den Matthäus als „König von Judäa“ zur Zeit von Christi Geburt nennt, starb erwiesenermaßen im Jahr vier vor unserer Zeitrechnung. Auch das spricht dafür, dass Christus ein paar Jahre älter ist, als wir es mit unseren Kalendern annehmen. Die Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn fügt sich wunderbar in dieses Zeitraster.

Nebenbei: „Kein Mensch kann im wörtlichen Sinne einem Stern folgen“, weiß Björn Voss, „dann geht er schlicht im Kreis“ – weil sich eben die Erde unter dem Sternenzelt dreht. Und genau diese Tatsache offenbart eigentlich das Wesen der Geschichte rund um den Stern von Bethlehem und die Weisen aus dem Morgenland. „Das ist alles nur symbolisch zu verstehen“, sagt der münsterische Astronom. Mit astronomischen Fakten, die damals nur die Spitzenwissenschaftler wissen und deuten konnten, hat der Evangelist die Christenheit auf die richtige Spur gebracht. Und auf den Weg nach Bethlehem.

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