Neuer Superintendent Ulf Schlien
„Mit Kraft und Fantasie“

Münster -

Als Nachfolger von Meike Friedrich wird der neue Superintendent spätestens im Februar 2018 seinen Dienst antreten. Wir haben ihn schon vorher getroffen.

Dienstag, 26.12.2017, 10:30 Uhr aktualisiert: 26.12.2017, 15:22 Uhr
Ulf Schlien (55) tritt im Februar sein neues Amt als Superintendent des Kirchenkreises Münster an.
Ulf Schlien (55) tritt im Februar sein neues Amt als Superintendent des Kirchenkreises Münster an. Foto: Matthias Ahlke

Die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Münster hat Pfarrer Ulf Schlien (55) Ende November zum neuen Superintendenten gewählt. Der in Recklinghausen geborene Theologe, der die Synodalen besonders durch sein souveränes Auftreten im Rahmen der Fragerunde überzeugte und zwei Mitbewerber hinter sich ließ, ist seit 1995 als Gemeindepfarrer in der Kirchengemeinde Nordwalde-Altenberge und seit 2009 als Assessor des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken tätig. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern (22 und 17). Seinen Dienst als Nachfolger von Meike Friedrich wird der neue Superintendent spätestens im Februar 2018 antreten. Unser Redaktionsmitglied Johannes Loy befragte den neuen Super­intendenten im Hinblick auf seine Erwartungen und Pläne im neuen Amt.

Journalisten fragen gerne nach Befindlichkeiten: Wie würden Sie also in diesen Tagen nach der Wahl und vor Weihnachten und dem Jahreswechsel Ihre Gemütslage definieren?

Ulf Schlien: Ich kann eine gewisse Anspannung nicht leugnen. Es gibt kirchenjahreszeitlich gesehen bestimmt günstigere Zeiträume für einen Übergang in ein neues Amt. Die Zeit rast und die Termine sind in der Advents- und Weihnachtszeit ohnehin für einen Pfarrer sehr dicht gesetzt. Und nun kommen eben noch die Wohnungssuche und das Abschiednehmen dazu, das ist schon etwas kniffelig.

Ein ganz neues Amt kommt auf Sie zu. Hatten Sie mit dieser Herausforderung gerechnet?

Schlien: Nun, wenn man sich bewirbt, dann kommt die Herausforderung nicht wirklich ganz überraschend. Aber mal im Ernst, so ganz neu ist mir dieses Amt auch nicht. Als Assessor bin ich schon seit Jahren als Stellvertreter des Superintendenten im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken mit diesem Arbeitsfeld vertraut. Außerdem habe ich mich durch verschiedene Weiterbildungen auf diese Aufgabe vorbereitet.

Was reizt Sie besonders an dem Amt des Superintendenten, worauf freuen Sie sich besonders, und was bereitet Ihnen möglicherweise Kopfzerbrechen?

Schlien: Ich werde nun in der Verantwortung stehen, Kirche an maßgeblicher Stelle mitzugestalten, das ist eine reizvolle Aufgabe, der ich mich gerne mit aller Kraft und Fantasie stellen möchte. Die besondere Herausforderung dabei wird sein, im Zusammenspiel der verschiedenen kirchlichen Ebenen die Vielfalt des „kirchlichen Lebens“, das es im Evangelischen Kirchenkreis Münster gibt, weiter zu einem gemeinsamen „Mehr“ zu entwickeln.

Auch im Kirchenkreis Münster hat die Evangelische Kirche mit Erosionsprozessen zu kämpfen. Was kann ein Superintendent tun, damit die Gemeinden einen Vitalitätsschub bekommen?

Schlien: Wir haben an so vielen verschiedenen Stellen im Kirchenkreis Menschen, die sich mit viel Fantasie und Leidenschaft für ihre Kirche einbringen – das ist ein sehr kostbarer Schatz. Ich möchte Menschen Mut machen, sich mit ihren Ideen einzubringen – aber auch den nötigen Mut wecken, kritisch auf das zu schauen, was bislang Kräfte bindet – ohne wirklich zum Ziel zu führen.

Hat das Reformationsjahr respektive Lutherjahr Ihrer Meinung nach die Erwartungen an ein solches Jubiläum erfüllt?

Schlien: Ja, denn es gab eine wirklich unglaubliche Vielfalt an Veranstaltungen und Veranstaltungsformaten auf ganz verschiedenen Ebenen. Das hat viel Kraft gekostet, doch ich finde auch, dass es sich gelohnt hat, weil ich im Nachgang zu Veranstaltungen an vielen, auch ungewöhnlichen Stellen Menschen darüber im Gespräch erlebt habe – ob in Bus oder Bahn oder manchmal selbst beim Einkaufen.

Im Jubiläumsjahr sind manche ökumenische Pflöcke eingeschlagen worden. Haben Sie das Gefühl, dass das Miteinander zwischen Katholiken und Protestanten in diesem Jahr intensiver, verständiger, kooperativer geworden ist?

Schlien: Ja, auch das ist eine schöne und bleibende Erinnerung an das Jubiläumsjahr. Es gab im ökumenischen Gespräch über dieses Jubiläum so viel wertschätzendes Interesse und so viel belebende Neugierde, um das Gemeinsame und das Trennende ganz neu in den Blick zu bekommen. Ich bin mir sicher, dass mancher Impuls dabei noch weiter nachwirken wird.

Welches werden die ersten Schritte für Sie im neuen Amt sein, welche Aufgaben möchten Sie als erste angehen?

Schlien: Besuchen, hören, miteinander sprechen, lesen und den Kirchenkreis noch genauer kennenlernen und gemeinsam mit den anderen Verantwortungsträgern im Kreissynodalvorstand die „Baustellen“ in den Blick nehmen.

Präses Annette Kurschus überlegt mit der Synode in Bielefeld seit Längerem schon, ob der Titel „Präses“ nicht um der besseren Verständlichkeit willen in „Bischof“ oder „Bischöfin“ umgewandelt wird. Könnte man sich für den Superintendenten auch eine neue Amtsbezeichnung vorstellen? Zum Beispiel „Dekan“ oder „Dechant“ oder vielleicht sogar „Regionalbischof“?

Schlien: Eine leidenschaftliche Diskussion über eine zu recht sehr sensible und ernste Frage. Unsere Amtsbezeichnungen sind manchmal schon sperrig – aber das ist vielleicht auch ein Teil unseres evangelischen Profils.

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