Antisemitismus-Streit
Sharon Fehr antwortet AfD mit offenem Brief

Münster -

Auch am dritten Tag kommt keine Ruhe in die Angelegenheit. Auf eine Nachricht von AfD-Kreissprecher Helmut Birke reagierte Sharon Fehr nun mit einem offenen Brief.

Freitag, 05.01.2018, 07:00 Uhr
Sharon Fehr ist seit Jahren Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Münster
Sharon Fehr ist seit Jahren Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Münster Foto: kal

Der verbale Schlagabtausch zwischen der AfD und Sharon Fehr , dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Münster, geht weiter. In einer Mail habe sich Helmut Birke , Sprecher des AfD-Kreisverbands, an ihn gewandt, verriet Fehr unserer Zeitung am Donnerstag. Darin schreibe Birke unter anderem, dass er es begrüße, dass Fehr versucht habe, Kontakt zur AfD-Ratsgruppe herzustellen. Außerdem lädt Birke Fehr ein, doch gemeinsam an einem Deutschland zu arbeiten, in dem man tatsächlich gut und gerne lebe.

Doch Sharon Fehr ist ganz offenbar nicht gewillt, sich mit der rechtspopulistischen Partei einzulassen. In einem offenen Brief, der auf der Seite der Jüdischen Gemeinde nachzulesen ist, geht er auf Birkes Schreiben ein – und lässt dabei kein gutes Haar an der Partei und ihren Zielen.

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Birke, so Fehr, verstehe ihn peinlich miss, wenn das AfD-Mitglied denke, Fehr habe auf der Facebookseite „Kontakt“ zur AfD-Ratsgruppe aufnehmen wollen. Es sei, so Fehr, lediglich der verwerfliche Tweet von AfD-Politikerin Beatrix von Storch gewesen, der ihn auf den Plan gerufen habe. Vielmehr wolle er Tacheles reden: „Die jüdischen Dachverbände in Deutschland und Frankreich lehnen eine Kooperation mit AfD und Front National ab. Warum? Sie, die AfD, hetzen gegen Muslime im Allgemeinen und gegen Flüchtlinge im Besonderen. Sie nutzen in Deutschland kein anderes Thema, um Ängste, um Neiddiskussionen zu entfachen.“ Selbst dann hätten die AfD-Sprücheklopfer nicht davon abgelassen, so Fehr, als die Zahl von Anschlägen auf Flüchtlingsheime gestiegen seien.

Außerdem mahnt Fehr die AfD, nicht länger eine „Opferrolle“ einzunehmen, während „Mitglieder Ihrer Partei sich verbal frech und ungezügelt verhalten, von „Umvolkung“ sprechen und damit an widerliche Verbalismen anknüpfen, die an die Schreckensjahre der barbarischen Nazizeit erinnern lassen.“

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