Airbnb-Ärger
Viel Wohnraum nur für Touristen

Münster -

Ein Blick ins Internet zeigt: Der Mietmarkt für Ferienwohnungen in Münster boomt. Dabei gilt eine Satzung, die genau das verhindern soll.

Montag, 08.01.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 08.01.2018, 14:54 Uhr
Städtetourismus boomt nicht nur in den Metropolen, sondern auch in Münster. Die Vielzahl der Ferienwohnungsangebote kündet von der Nachfrage. Eigentlich soll eine vom Rat beschlossene Satzung verhindern, dass den Stadtbewohnern Wohnraum entzogen wird.
Städtetourismus boomt nicht nur in den Metropolen, sondern auch in Münster. Die Vielzahl der Ferienwohnungsangebote kündet von der Nachfrage. Eigentlich soll eine vom Rat beschlossene Satzung verhindern, dass den Stadtbewohnern Wohnraum entzogen wird. Foto: dpa

Die „UKM-nahe Wohlfühloase“ für 88 Euro pro Nacht, das „komfortable Appartement im Zentrum der Altstadt“ für zwei Personen für 79 Euro oder das „super-zentrale Zwei-Zimmer Appartement“ für 49 Euro auf der Internet-Plattform Airbnb : Drei beliebige aktuelle Ferienwohnungsangebote in Münster – von insgesamt über 400 im Netz.

"Satzung zeigt in der Praxis keinerlei Wirkung"

Ferienwohnungen sind bei Reisenden beliebt – und Wohnungen als solche zu vermieten, ist es darum ebenso. Weniger erfreut sind häufig die Hausnachbarn solcher Wohnungen, wie Ulla Fahle, Geschäftsführerin des Mieterschutzvereins Münster, berichtet. Ganz abgesehen davon, dass eine vom Rat beschlossene Satzung die Vermietung von Wohnraum als Ferienwohnung im ganzen Stadtgebiet seit 2015 nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

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Überprüfung nur nach gezielten Hinweisen

Nach dem Eindruck von Ulla Fahle „zeigt die Satzung in der Praxis keinerlei Wirkung“. Was Ralf Bragard , der stellvertretende Leiter des städtischen Amtes für Wohnungswesen, nicht bestreitet. Die Überprüfung der Satzung, die eigentlich dazu dienen soll, Wohnraum für dauerhaft Ansässige zu erhalten, sei nur möglich, wenn das Amt gezielte Hinweise erhalte, sobald Wohnungen dauerhaft als Ferienwohnungen genutzt würden. Adressen der im Internet angebotenen Wohnungen erfährt nur, wer als Mieter wirklich bucht. Und dann, ergänzt Bragard, „gibt es noch zahlreiche Ausnahmeregeln“.

Die Schutzsatzung und ihre Ausnahmen

Münster nutzt als eine von wenigen Städten in NRW die vom Land gesetzlich eingeräumte Möglichkeit einer Wohnraumschutzsatzung. Es gelten Ausnahmen: Vermietet jemand etwa ein Zimmer in seiner von ihm selbst dauerhaft bewohnten Wohnung an Feriengäste, sei das in Ordnung, auch Einliegerwohnungen in Einfamilienhäusern dulde die Stadt als Ferienwohnungen, erläutert Ralf Bragard vom Wohnungsamt. Dann komme es noch darauf an, seit wann eine Wohnung als Ferienwohnung angeboten werde.

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Ulla Fahle sieht den Trend zu Vermietung an Touristen und andere Tagesgäste vor allem in attraktiven Städten mit knappem Wohnraum. „Für die Bewohner eines Hauses, in dem es eine oder mehr Ferienwohnungen gibt, bedeutet eine solche Vermietung ein eingeschränktes Sicherheitsgefühl, da ständig wechselnde Menschen das Haus, die Nachbarwohnung betreten, sehr häufig auch, dass diese Kurzurlauber ihre Tage und auch die Nächte genießen wollen und sich wenig Gedanken darum machen, ob dies die Hausgemeinschaft beeinträchtigen könnte“, illustriert Fahle und stellt klar: „Nachbarn solcher Ferienwohnungen müssen dies nicht hinnehmen.“

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Eingeschränktes Sicherheitsgefühl

Ralf Bragard betont, die Verwaltung sei dankbar für derartige Hinweise: „Wir haben nicht die Möglichkeit, selbst als Wohnraumschutzpolizei durch Münster zu ziehen“, sagt er. Anders als in Bonn, wo eine „Task-Force“ von Verwaltungsmitarbeitern versuche, der dortigen Wohnraumschutzsatzung zur Wirkung zu verhelfen.

Nachbarn solcher Ferienwohnungen müssen dies nicht hinnehmen.

Ulla Fahle

Klar ist, dass mit der tageweisen Vermietung an Touristen ein höherer Erlös winkt als bei einem Dauermietverhältnis. Ulla Fahle berichtet von Münsteranern, die Mieter von zwei Wohnungen sind: „Eine vermieten sie als Ferienwohnung und finanzieren damit die Miete der selbst bewohnten.“

Kommentar: Ein Papiertiger

Wer in Münster eine Wohnung sucht, braucht bekanntlich Geduld, Nerven, Glück und am besten ein dickes Portemonnaie.  Darum wäre es schön, wenn der Wohnraum, der vorhanden ist, auch denen zur Verfügung stünde, die dauerhaft in der Stadt leben. Die 2015 vom Rat beschlossene Satzung kann hier in der Praxis aber wenig bis nichts ausrichten. Ganz praktisch fehlt der Verwaltung Personal, um die Einhaltung des Gebots zu überprüfen. Und gäbe es die erforderlichen Stellen, bliebe es schwierig festzustellen, ob die angebotenen Wohnungen unter die Satzung fallen. Zum Beispiel gehören alle zwischen 2006 und 2015 erstmals als solche vermieteten Ferienwohnungen nicht dazu, damals war die Vermietung NRW-weit per Gesetz erlaubt. Allenfalls kann die Satzung für jene Vermieter, die neu an diesem Markt teilhaben wollen, einen Hauch an Abschreckungspotenzial entfalten. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt für Münsteraner wird durch diesen Papiertiger keinen Deut besser.

Karin Völker

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