Liedermacher Götz Widmann im Interview
Frecher Barde plaudert frei

Münster -

Seit über 25 Jahren verdient er sein Geld mit „Liedermaching“. Vor seinem Auftritt in Münster am 1. Februar in der Sputnikhalle stellte sich Liedermacher Götz Widmann den Fragen unseres Redakteurs.

Dienstag, 09.01.2018, 12:01 Uhr

Liedermacher Götz Widmann führt seine aktuelle Tour „Rambazamba“ auch nach Münster.
Liedermacher Götz Widmann führt seine aktuelle Tour „Rambazamba“ auch nach Münster. Foto: PD

Seit rund einem Vierteljahrhundert macht Liedermacher Götz Widmann Musik. Während seiner aktuellen Tour Rambazamba werden seine humorvollen Texte auch in Münster zu hören sein. Am 1. Februar kommt der 52-Jährige in die Sputnikhalle. Was die Besucher dort erwartet, warum der Musiker sein natürliches Lebensumfeld in Gefahr sieht und welche „Probleme“ man im Urlaub in Mauritius haben kann, das hat unser Redakteur Björn Meyer kurz vor dem Tourstart im Interview von Götz Widmann erfahren.

Herr Widmann, wann waren Sie das letzte Mal berauscht und wovon?

Widmann: Ich mache mir gerade mein erstes Bier auf und werde heute Abend meinen letzten Urlaubstag (Anm. der Redaktion: in Mauritius) feiern. Habe auch noch ´nen kleinen Haschvorrat, der weg muss vor dem Rückflug.

Viele Ihrer Lieder setzen sich mit dem Thema Rausch auseinander, auf Ihre ganz eigene, humorvolle Art. Dabei geht es um Glückzustände, aber auch negative Folgen. In der Öffentlichkeit ist das Thema hingegen häufig nur negativ besetzt. Gehen wir als Gesellschaft zu verkrampft mit der Thematik um?

Widmann: Davon bin ich fest überzeugt. Man wird immer ein bisschen schräg angeschaut, wenn man sich positiv zu seinem Rauschverhalten äußert, als ob man vollkommen verantwortungslos wäre. Und es wird meiner Meinung nach immer schlimmer. In unserer Gesellschaft macht sich zunehmend eine grausame Intoleranz gegenüber ganz bestimmten Spaßformen breit, nur weil sie vielleicht ein bisschen ungesünder sind als andere. Was zum Beispiel in NRW an wunderbarer Kneipenkultur durch dieses viel zu radikale Rauchverbot zerstört worden ist, macht mich wütend und traurig. Das geht alles viel zu weit, Rock’n’Roller werden vielleicht nicht so alt, aber sie haben eine Menge Lebensfreude und geben das auch an andere weiter. Ich habe mich entschieden, so zu leben und da geht mir jede Form der Bevormundung massiv auf die Nerven. Eigentlich sollte die Gesellschaft darüber froh sein, dass sie wahrscheinlich eine Menge Rente bei mir spart, aber stattdessen zerstört sie zunehmend mein natürliches Lebensumfeld.

In Ihren Songs schlüpfen Sie immer wieder in ganz unterschiedliche und bisweilen ungewöhnliche Rollen. Ob als Frau, Artischocke, Hund oder Traube, Götz Widmann scheint das Leben aus verschiedenen Perspektiven sehen und erleben zu wollen. Können Sie diesen Hang erklären?

Widmann: Ich erzähle einfach gerne Geschichten, und das wäre ja langweilig, wenn die immer nur aus einer Perspektive kämen. Es ist beim Songs schreiben eben oft auch so, dass ich dasitze und denke, was mache ich denn heute und schlüpfe dann in irgendeine Rolle und die Ideen fließen von selber aufs Papier. Eine gute, ungewöhnliche Perspektive ist einfach ein sehr dankbarer Ansatz für einen Song, meistens kommt ja dann auch irgendetwas Lustiges dabei heraus.

Sie haben mal gesagt, dass man aus den übelsten Situationen, in die man gerät, noch ein Unentschieden machen kann, wenn man ein Lied darüber schreibt. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, einiges von sich preiszugeben. Wie viel Privatmensch steckt wirklich in Ihren Songs?

Widmann: Das kommt sehr auf den Einzelfall an. Mein Lieblingsdichter Charles Bukowski hat mal gesagt, er nimmt die Wahrheit und erfindet was dazu, um sie ein bisschen interessanter zu machen. So ähnlich ist das bei mir wohl auch.

Persönliche Erlebnisse so runterzubrechen, dass sich viele darin wiederfinden - ist das ein besonderes Talent oder sind Sie etwa nur ein Durchschnittstyp?

Widmann: Ganz ehrlich – eher Letzteres. Ich schreibe sehr oft einfach auf, wie es mir geht. Zum Glück bin ich wohl doch ein relativ normaler Typ, der die gleichen Gefühle hat wie viele andere Leute auch.

Sie machen seit über 25 Jahren Musik. Allein im Januar spielen Sie 21 Konzerte, am 1. Februar macht ihre Tour dann in Münster in der Sputnikhalle halt. Können Sie die Städte in Deutschland eigentlich nach ihrem Publikum unterscheiden? Und wenn ja, was erwartet Sie in Münster?

Widmann: Es ist tatsächlich interessant, was für ein seltsames, vielschichtiges Konglomerat Deutschland ist. Und es gibt tatsächlich große Unterschiede zwischen Norden, Süden, Westen und Osten. Ich habe den Eindruck, dass, zumindest bei meinen Konzerten, im Westen die Party wichtiger ist, das Mitsingen, Feiern, die gemeinsame Ausgelassenheit, und im Osten doch ein kleines bisschen mehr auf die Texte gehört wird. Münster ist eine klassische Studentenstadt, in den letzten Jahren waren die Konzerte immer toll, eine gute Mischung aus Konzentration und guter Laune, wie man es eigentlich am liebsten hat.

Abends auf der Bühne vor Publikum, aber kann das Leben eines Liedermachers nicht auch ganz schön einsam sein? Ich nehme an, Sie reisen nicht mit einem Tross, sondern häufig ganz alleine. Wie vertreiben Sie sich die Zeit auf Deutschlands Autobahnen?

Widmann: Die Autobahn kann schon furchtbar öde sein, ich habe neulich mal ausgerechnet dass ich kilometertechnisch schon über 25 Mal um die Welt gefahren bin, und davon 99 Prozent auf der deutschen Autobahn. Jeder Beruf hat seine Schattenseiten, und bei mir ist das definitiv die viele Fahrerei. Aber dadurch dass ich jedes Jahr einen neuen Künstler mitnehme, um ihn meinem Publikum vorzustellen – dieses Jahr den großartigen William Wormser aus Berlin – habe ich immer nette Gesellschaft.

Zum Thema

Karten für das Konzert am 1. Februar sind für gut 17 Euro plus Vorverkaufsgebühren an allen Vorverkaufsstellen erhältlich.

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