Russisches Mädchen mit Leukämie am UKM
Alles geopfert für Alinas Gesundheit

Münster -

Vladimir Kalabukhov hat schon zwei Mal seinen Betrieb in Belaja Kalitva verkauft, um die Behandlung von Alinas Blutkrebs bezahlen zu können. Ob er die Kraft hat, noch ein drittes Mal neu anzufangen, weiß er nicht. Das spielt auch gerade keine Rolle. Erst mal muss Alina wieder gesund werden. Und dafür braucht er Geld. Viel Geld.

Freitag, 26.01.2018, 07:45 Uhr

Die Chemotherapie hat bei Alina Kalabukhova deutliche Spuren hinterlassen. Ihr Vater Vladimir begleitet sie zurzeit auf der onkologischen Kinderstation der Uniklinik.
Die Chemotherapie hat bei Alina Kalabukhova deutliche Spuren hinterlassen. Ihr Vater Vladimir begleitet sie zurzeit auf der onkologischen Kinderstation der Uniklinik. Foto: Wilfried Gerharz / privat

Alina hat zum zweiten Mal Krebs. Beim ersten Mal wurde die Leukämie vor drei Jahren entdeckt. Damals bekam sie eine Chemotherapie, doch schnell begannen ihre Eltern zu zweifeln, ob die Behandlung wirkt und ob die Infusionen den verschriebenen Wirkstoff enthielten. Darum zog es sie nach Deutschland. Und weil Münster den Ruf hat, nicht nur gut, sondern auch günstiger als andere Kliniken zu sein und mit dem Familienhaus die Chance bietet, in der Nähe der Klinik zu wohnen, wandten sich die Eltern an die Uniklinik.

Haus, Auto und Handwerksbetrieb verkauft

Alinas Chemo in Münster begann damals sofort, die 80.000 Euro, die das kostete, zahlte Vladimir Kalabukhov. Dafür verkaufte er sein Haus, sein Auto und seinen Handwerksbetrieb. Jetzt ist er pleite. Nach einem knappen Jahr in Deutschland kehrte Alina 2015 nach Russland zurück. Sie musste in der Schule zwar eine Klasse wiederholen, hat dort aber gute Freunde gefunden, spielt Klavier, singt. Ihr Vater begann, seinen Betrieb neu aufzubauen. Alles schien gut.

Alina Kalabukhova vor der Krebstherapie.

Alina Kalabukhova vor der Krebstherapie. Foto: privat

Der Krebs kehrte zurück

Zwei Jahre später fanden die Ärzte in Münster bei einer Kontrolle wieder Krebszellen in ihrem Blut. Für die Eltern war nach den Erfahrungen in Russland klar, dass sie ihre Tochter wieder in Münster behandeln lassen. Das Problem: Sie haben kein Auto und kein Haus mehr, die sie wieder verkaufen könnten. Und auch der Betrieb warf nicht das ab wie beim ersten Mal. Immerhin: Zwei Privatleute haben der Familie 20.000 Euro geschenkt, zwei russische Stiftungen haben der Familie 95.000 und 60.000 Euro versprochen.

Behandlung kostet 280.000 Euro

Obwohl die Behandlung laut Uniklinik Münster 280.000 Euro kosten könnte, begannen die Ärzte sofort mit der Therapie. Bleibt die Frage, wie die restlichen 105.000 Euro zusammenkommen.

Vladimir Kalabukhov steht vor Alinas Krankenzimmer, möchte in ihrer Nähe nicht über seine Angst, Verzweiflung und Enttäuschung sprechen. „Ich hatte das Gefühl, dass mir der Himmel auf den Kopf gefallen ist“, sagt der 38-Jährige auf dem Flur der Kinderonkologie. Gerade ist Visite: Die Ärzte und Schwestern rund um Professorin Claudia Rössig beraten über die einzelnen Kinder. Über Alina sagt sie: „Eigentlich geht es ihr sehr gut. Sie hat auf den ersten Block der Chemotherapie sehr gut angesprochen. Wir sind zuversichtlich, dass wir sie mit einer zweiten Therapie wieder gesund machen können.“

Knochenmarktransplantation könnte nötig werden

Ob die 14-Jährige noch eine Knochenmarktransplantation braucht, hängt davon ab, wie widerspenstig die Krebszellen sind. Das können die Ärzte erst in rund einem Monat sagen. Rössig schätzt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Knochenmarktherapie bei 50:50 liegt.

Zurzeit hat Alina nur per Skype Kontakt zu ihrer Mutter. Die lebt 2741 Kilometer von der Uniklinik entfernt mit ihrer vierjährigen Tochter. Um Reisekosten zu sparen und um dort Geld aufzutreiben. Und um zu hoffen, dass ihre Tochter in Münster den Krebs besiegt.

Zum Thema

Der Verein „Familienhaus am UKM e.V.“ hat ein Spendenkonto für Alina eingerichtet. Sparkasse Münsterland-Ost, Iban: DE02 4005 0150 0000 5927 90, Stichwort: Alina Kalabukhova. Spenden sind steuerlich absetzbar.

...
Kommentar: Warum es richtig ist, Alina zu helfen

Russland ist ein Land, in dem Ärzte Krebs behandeln können. Warum also soll die Uniklinik in Münster deren Arbeit machen? Womöglich noch auf Kosten der Krankenkassen in Deutschland? Warum also für ein Kind aus Russland spenden? Weil es schnell Hilfe braucht und weil Kinder wie Alina in ihrer Heimat  lange – oft zu lange – warten müssen, bis sie behandelt werden. Weil Patienten in Russland von einer Reha wie hier nur träumen können. Ärzte kontrollieren, ob die Therapie wirkt, greifen bei unerwünschten Nebenwirkungen schnell ein. Russische Patienten müssen ihre Medikamente selbst bezahlen. An Häuser für die Familien schwer kranker Kinder ist ohnehin nicht zu denken. Familien müssen also Behandlung, Unterkunft und Transport selbst organisieren. Stress pur in einer ohnehin stressigen Zeit. Fälle wie der von Alina sind am UKM die Ausnahme. Jeder Ausländer, der sich hier behandeln lassen möchte, muss Vorkasse leisten. Alinas Fall ist ein anderer: Als der Krebs wiederentdeckt wurde, war sie schon lange Patientin des UKM. „Dann zu sagen: Wir behandeln das Kind nicht, weil die Finanzierung nicht gesichert ist, können wir ethisch nicht vertreten“, sagt Dr. Vincent Hofbauer von der Stabsstelle Internationales Patientenmanagement. Recht hat er.

...
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5456232?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Sportlerwahl 2018: Das sind Münsters Sportler des Jahres
Liveticker: Sportlerwahl 2018: Das sind Münsters Sportler des Jahres
Nachrichten-Ticker