Kritik an Verkehrsplanung
Wolbecker-Straßen-Brücke: Kein Platz für eine Busspur

Münster -

Im Zuge des Kanalausbaus wird auch eine neue Brücke über die Wolbecker Straße gebaut. Das wäre doch die Gelegenheit für eine separate Busspur gewesen, meint der Verkehrsclub VCD. Aber die neue Brücke wird keinen Deut breiter als die alte.

Donnerstag, 08.02.2018, 07:00 Uhr
Elmar Post , Wolfgang Wiemers und Patrick Werner (v.l.) vom Verkehrsclub bedauern, dass die Stadt bei der Planung der neuen Kanalbrücke nicht auf eine Busspur gedrängt hat.
Elmar Post , Wolfgang Wiemers und Patrick Werner (v.l.) vom Verkehrsclub bedauern, dass die Stadt bei der Planung der neuen Kanalbrücke nicht auf eine Busspur gedrängt hat. Foto: kb

Busfahrgäste und Radler spüren es jeden Tag: Die Wolbecker Straße ist ein Nadelöhr. Es fehlt eine separate Busspur, und darüber hinaus sind die Rad- und Fußwege an vielen Stellen sehr schmal.

So ernüchternd dieser Ist-Zustand schon ist, für den regionalen Ableger des Verkehrsclubs Deutschland ( VCD ) ist es besonders ärgerlich, dass sich in den kommenden Jahren, ja sogar Jahrzehnten daran nichts ändern wird. Weil sich auch nichts ändern kann, da eine wesentliche Voraussetzung fehlt: Die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal, die derzeit weder Platz für eine Busspur noch für einen breiten Radweg bietet, bleibt schmal. Zumindest ist bei dem absehbaren Neubau durch das Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine keine Verbreiterung vorgesehen.

Zusatzkosten für Änderungswunsch

„Das ist eine verpasste Chance“, ärgert sich Wolfgang Wiemers. Er ärgert sich über sich selbst, weil es auch der VCD verpasst habe, frühzeitig die Debatte anzustoßen. Vor allem aber ärgert er sich über die Verkehrsplaner der Stadt, die es versäumt hätten, die sich bietende Chance zu ergreifen. Bestanden hätte die Chance im Jahr 2006, als die Stadt Münster im Rahmen des sogenannten Planfeststellungsverfahrens eine Stellungnahme zur Brückenplanung abgegeben hat.

Joachim Schiek , Pressesprecher der Stadt, erklärt in diesem Zusammenhang: „Es gab von Seiten der Stadt Münster keine Anforderungen, die Breite der Brücke zu verändern.“

Zur Wahrheit gehört in diesem Zusammenhang auch, dass sich die Stadt Münster im Falle eines Änderungswunsches an den Kosten für die neue Brücke hätte beteiligen müssen. Für die Perspektive auf eine neue Busspur auch Geld in die Hand zu nehmen, hätte die Stadt nach Ansicht von Patrick Werner vom VCD zumindest prüfen müssen. „Am Neubau des Hauptbahnhofs hat sich die Stadt ja auch mit fünf Millionen Euro beteiligt.“

Kein Signal der Politiker 

Natürlich würde eine breitere Kanalbrücke an der Wolbecker Straße nicht sämtliche Verkehrsprobleme lösen. VCD-Mitglied Elmar Post hat aber errechnet, dass es möglich gewesen wäre, im Nachgang zu einem entsprechenden Brückenbau eine 500 Meter lange Busspur auf der Wolbecker Straße zu errichten. „Zu den Stoßzeiten am Morgen könnte man über diese Schleuse die Busse an den Autos vorbeiführen.“

Noch viel besser wäre es gewesen, wenn man ebenfalls bei Straßen NRW seinerzeit darauf gedrängt hätte, die neue Brücke der Wolbecker Straße über die Umgehungsstraße hinweg zu verbreitern. Beide Brücken werden demnächst neu gebaut.

Mehr zum Thema

Kritische Vermutung widerlegt:  Keine Vier-Tage-Woche beim Kanalausbau

Gemeinsamer Antrag an den Rat:  CDU und Grüne fordern schnelleren Ausbau des Kanals

Bauarbeiten am Dortmund-Ems-Kanal:  Kanalausbau verzögert sich bis mindestens 2026

Zwischenstand beim Kanalausbau:  Vier von 13 Bauwerken sind fertig

...

Bei der Umgehungsstraßenbrücke plädierte die Stadt vehement auf den Bau der sogenannten Holländischen Rampen, bei der Kanalbrücke stand die Gestaltung im Fokus. Eine Busspur indes spielte in beiden Fällen keine Rolle.

Joachim Schiek erinnert daran, dass es auch aus der Politik keinen entsprechenden Druck gegeben habe. Die Stellungnahme gegenüber dem Wasser- und Schifffahrtsamt sei „einstimmig“ geschlossen worden – ohne Busspur.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5495213?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Carla Reemtsma diskutiert mit Richard David Precht
"Fridays for Future"-Aktivistin im TV: Carla Reemtsma diskutiert mit Richard David Precht
Nachrichten-Ticker