Jonas Fürste, Azubi in der Altenpflege, im Gespräch
Unfassbare Dankbarkeit

Münster -

Pflege und gerade die Altenpflege ist derzeit in aller Munde: Viele benötigen sie, zu wenige wollen sie ausüben. Der Fachkräftemangel wirkt sich längst ganz konkret aus und ist auch eine Folge davon, dass jahrzehntelang von der Politik, aber auch Anbietern selber zu wenig für den Beruf getan wurde. Wir haben uns darüber mit dem angehenden Altenpfleger Jonas Fürste unterhalten.

Samstag, 10.02.2018, 14:30 Uhr aktualisiert: 13.02.2018, 16:33 Uhr
An der Johanniter-Akademie steht alles im Zeichen der Ausbildung. Da kann es auch mal sein, dass Azubi Jonas Fürste bei Birgit Friebe, eigentlich in der Personalabteilung beschäftigt, zeigen muss, was er bereits gelernt hat.
An der Johanniter-Akademie steht alles im Zeichen der Ausbildung. Da kann es auch mal sein, dass Azubi Jonas Fürste bei Birgit Friebe, eigentlich in der Personalabteilung beschäftigt, zeigen muss, was er bereits gelernt hat. Foto: Björn Meyer

Jonas Fürste hat sich für eine Ausbildung zum Altenpfleger entschieden. Dabei standen dem 22-Jährigen auch viele andere Türen offen. Warum er seine Entscheidung im zweiten Ausbildungsjahr nicht bereut, was ihn überrascht hat und was sein schönster Lohn für die Arbeit ist, darüber sprach unser Redakteur Björn Meyer mit dem Münsteraner.

Herr Fürst, wieso haben Sie sich dazu entschieden, in der Altenpflege eine Ausbildung zu machen?

Fürst: Nach dem Abitur habe ich ein freiwilliges soziales Jahr bei den Alexianern gemacht. Da gab es erste Berührungspunkte mit der Pflege. Ich wollte feststellen, ob das was für mich ist. Ich hätte aber auch studieren können, doch in meinem Wunschstudiengang wurde ich nicht angenommen, also habe ich mich umgeschaut, was zu mir passen könnte.

War die Ausbildung zum Altenpfleger die richtige Entscheidung?

Fürste: Ich komme aus einer Akademikerfamilie. Mein Vater und meine Brüder standen meinem Vorhaben kritisch gegenüber. Aber es war meine ganz persönliche Entscheidung, und ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin. Zumal ich danach immer noch studieren kann. Doch Ziel ist es erstmal, in dem Beruf anzukommen, aber nicht für ewig. Ich würde gerne noch Pflegemanagement oder Heilpädagogik studieren. Die Ausbildung ist dafür eine gute Basis.

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Haben Auszubildende in der Altenpflege Gemeinsamkeiten?

Fürste: Was man wirklich sagen kann ist, dass alle hier sehr empathisch eingestellt sind. Ansonsten aber sind es ganz verschiedene Leute. Wir haben einen bunten Mix von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlichen Alters im Kurs. Gerade deshalb aber haben wir uns von Anfang an viel geholfen, auch weil manche zu Beginn große Sprachprobleme hatten. Dieser Zusammenhalt ist eine gute Erfahrung.

Wie würden Sie Ihren Arbeitsalltag beschreiben?

Fürste: Die Theorie absolvieren wir im Blockunterricht. Ich glaube, das ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Ausbildungen, wo der theoretische Teil einmal die Woche behandelt wird. Neben Praktika in verschiedenen Einrichtungen sind wir dann für einige Wochen oder auch mal drei Monate in unseren Einrichtungen. Ich arbeite in der Friedrichsburg am Aasee. Entweder habe ich Früh- oder Spätschicht. Pflegen, Essen anreichen, Dokumentation – es gibt eigentlich immer etwas zu tun, und die Zeit vergeht schnell. Aber das Klischee, dass man sich immer abhetzen muss, kann ich nicht bestätigen. Klar ist auch mal mehr zu tun, aber es ist machbar – und man hat auch mal ´ne ruhige Minute, um zu quatschen.

Pflegekräfte fehlen

Das Universitätsklinikum expandiert – benötigt werden dafür viele Mitarbeiter. Besonders dringend sucht das UKM Pflegekräfte. Ausdruck des Personalbedarfs in diesem Bereich ist die Schließung einer Station der Medizinischen Klinik B im Bettenturm Ost. Seit Dezember werden hier keine Patienten nach chirurgischen Eingriffen mehr aufgenommen. Dies sei geschehen, um den Qualitätsstandard in der Pflege mit dem vorhandenen Personal zu gewährleisten, so eine Sprecherin.  Auf den Interseiten des UKM  dokumentiert sich in den Stellenausschreibungen der Personalmangel in der Pflege. Den großen Bedarf im Gesundheitsbereich generell in Münster bestätigt auch die Arbeitsagentur Münster. Hier sind derzeit 208 offene Stellen gemeldet. Wobei, so ein Sprecher, längst nicht alle Arbeitgeber mit der Agentur kooperierten.

...

Was hat Sie in der Ausbildung am meisten überrascht?

Fürste: Die größte Überraschung war, dass man gar nicht rund um die Uhr pflegen muss, sondern dass das nur ein Teil der Arbeit ist und auch ganz andere Aufgaben auf einen warten.

Gibt es einen Moment, an den Sie sich besonders gern erinnern?

Fürste: Bei einer Bewohnerin mit Halbseitenlähmung hatte ich zu Beginn Schwierigkeiten. Ich merkte, ich bin mir unsicher und es klappt nicht so, wie ich mir das vorstelle. Ich habe das dann reflektiert und ein paar Tage später wieder versucht. Die Bewohnerin konnte es zwar nicht kommunizieren, aber Ihr Blick hat mir gesagt: Jonas, das hast du jetzt richtig gut gemacht. Diese Dankbarkeit, die ist nicht in Worte zu fassen. (Fürste überlegt kurz) Manchmal sagen Blicke mehr als tausend Worte.

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