Fällen der Platanen verschoben
Hansaring: Ein Viertel kämpft friedlich

Münster -

(Update) Sogar nachts hatten sie geschaut, dass sich niemand an den Platanen zu schaffen macht: Die Anwohner des Hansaviertels kämpfen derzeit für zwei Bäume.

Sonntag, 18.02.2018, 19:02 Uhr

Die geplante Platanenfällung kann momentan nicht durchgeführt werden, da sich einige Anwohner am Fuß eines Baumstammes niegergelassen haben.
Die geplante Platanenfällung kann momentan nicht durchgeführt werden, da sich einige Anwohner am Fuß eines Baumstammes niegergelassen haben. Foto: Matthias Ahlke

Trotz eisiger Kälte standen einige Gegner des Platanenfällens am Samstagmorgen schon in aller Frühe auf, um den Arbeitern einen Strich durch die Rechnung zu machen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bäume klaut“, riefen die Mitglieder einer kurzfristig initiierten Demonstration. Andere schwangen Plakate mit der Aufschrift „Leben“.

Zwei, drei Äste lagen da schon auf dem Boden. Mehr aber hatten die Arbeiter der Firma, die die Fällarbeiten durchführen sollte, nicht geschafft. Denn die Demon­stranten verhinderten mit einem Sitzstreik unter den 25 Meter hohen Bäumen weitere Maßnahmen. „Aus Sicherheitsgründen können wir nicht weiter arbeiten und müssen abwarten, bis der gesamte Abschnitt geräumt ist“, sagt André Wend­erdel von der beauftragten Firma.

Bautätigkeiten und Proteste am Hansaring

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  • Seit den frühen Morgenstunden ruht der Verkehr auf dem Hansaring zwischen der Schiller Straße und der Dortmunder Straße. Bis zum Montag früh werden Aushubarbeiten für eine Fernwärmeleitung vorgenommen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Damit die Fernwärmeleitung verlegt werden kann kann, muss die Straße verschwenkt werden und zwar dort wo zwei 25 Meter großen Platanen stehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Bäume sollten Samstag früh gefällt werden doch da regt sich Protest von einigen dutzenden Anwohnern.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Einige Protestanten haben sich am Fuß eines Baumstammes niegergelassen, sodass die Fällarbeiten für einige Stunden unterbrochen wurden.... die Ende der Aktion ist noch offen.

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  • Bautätigkeiten und Proteste am Hansaring Foto: Matthias Ahlke
  • Bautätigkeiten und Proteste am Hansaring Foto: Matthias Ahlke
  • Bautätigkeiten und Proteste am Hansaring Foto: Matthias Ahlke
  • Bautätigkeiten und Proteste am Hansaring Foto: Matthias Ahlke
  • Bautätigkeiten und Proteste am Hansaring Foto: Matthias Ahlke
  • Bautätigkeiten und Proteste am Hansaring Foto: Matthias Ahlke
  • Bautätigkeiten und Proteste am Hansaring Foto: Matthias Ahlke
  • Bautätigkeiten und Proteste am Hansaring Foto: Matthias Ahlke
  • Bautätigkeiten und Proteste am Hansaring Foto: Matthias Ahlke

Doch so leicht ließen sich die Demo-Teilnehmer nicht unterkriegen. Nach einem erteilten Platzverweis der Polizei für die Mitglieder der Demonstration verließen diese zwar das Gelände –  dafür aber rückte eine neu angemeldete Gruppe nach. So ging das bis in den frühen Nachmittag.

„Unsere Kinder haben uns heute morgen geweckt, weil sie für die Bäume kämpfen wollen. Ich finde es wichtig, den Kindern zu zeigen, dass auch wenige Menschen etwas bewirken können“, erzählte ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden wollte. Die Kinder hatten Plakate gemalt, auf denen die beiden Bäume mit Sprechblasen zu sehen waren, in denen „Wir wollen bleiben“ stand. „Das Hansa-Viertel ist schon so wenig begrünt, jetzt wollen sie uns auch noch die letzten Bäume nehmen. Statt des Einkaufszen­trums sollte man lieber einen Park entstehen lassen“, sagte ein weiterer Demons­trant.

Gegen 13.30 Uhr wurden dann sowohl der Polizeieinsatz als auch die Fällarbeiten abgebrochen. „Ein Teilerfolg“, gaben sich die Demonstrierenden realistisch. Am gestrigen Sonntag war die Nachbarschaft dann wieder zusammengekommen – um zu planen, wie es weitergehen soll. Man wolle am Montag versuchen, mit den Verantwortlichen zu verhandeln, so das Ergebnis der Besprechung.

Unterdessen erklärte Oberbürgermeister Markus Lewe auf Nachfrage, er habe am Freitag prüfen lassen, ob die Maßnahme noch gestoppt werden könne. Dies sei aber aus verkehrlichen Gründen und  angesichts der dringenden Notwendigkeit der Netz-Sanierung nicht möglich, so die Auskunft, die er erhalten habe.

Schon am Freitag hatte es Demonstrationen gegen das Fällen gegeben, an denen rund 250 Menschen teilgenommen hatten. Sogar in der Nacht hatten Anwohner den Bereich bewacht. Die beiden Bäume am Hansaring sollen gefällt werden, damit eine provisorische Ersatzfahrbahn eingerichtet werden kann.

Kommentar zum Thema

Kennen Sie die Geschichte vom Blauglockenbaum? Städtische Planer wollten den Baum am Bült einst fällen. Bürgerproteste verhinderten das. Zum Glück! Heute führt der Radweg um den massiven Stamm herum – und der Blauglockenbaum ist an dieser Stelle aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Das zeigt: Rechtzeitiger Protest kann Planungen verändern.

Im Hansaviertel indes kommt die kurzfristige Rettungsaktion für zwei kerngesunde Platanen wohl zu spät. Auch wenn sie es an der vielbefahrenen Straße verdient gehabt hätten, noch 60 Jahre wachsen zu dürfen. Die Bäume sollen für ein paar Monate Ausweichstraße weichen. Alternativlos sei die Fällung, behaupten Stadtwerke und -verwaltung. So eine Aussage gibt Anlass zu Nachfragen. Leider haben vor einem Jahr auch Politiker geschlafen, die jetzt lamentieren.

Angesichts von rund 40 Bäumen am Ring zwischen Emdener Straße und Bremer Straße mögen manche den aktuellen Protest gegen die Fällung ohnehin für überzogen halten. Wenn aber allerorten der Klimawandel Thema ist, muss man das geplante Platanen-Kleinholz nicht widerspruchslos hinnehmen. Und es ist angeblich nicht ganz klar, wie viele Bäume Stadt und Stadtwerke künftig noch für ihre Fernwärmeleitung am Ring fällen.

Der Kampf um den Erhalt der Platanen steht sinnbildlich aber auch für die Sorge eines ganzen Viertels, umgekrempelt zu werden. Angesichts der sich abzeichnenden Großbaumaßnahmen könnten die beiden Platanen, um die es jetzt geht, nicht das Ende gewesen sein. Der Blauglockenbaum am Bült hatte mehr Glück. - Dirk Anger

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