Probleme im Hafenviertel
Die Stadt wächst nicht mit ihren Aufgaben

Münster -

Der Streit über die Fällung von zwei Bäumen wäre nicht derart eskaliert, gäbe es nicht so viele ungelöste Probleme im Hafenviertel. Hier eine Einordnung.

Freitag, 23.02.2018, 07:00 Uhr

Der Streit um diese Baustelle am Hansaring bringt viele ungelöste Probleme im Hafenviertel zutage.
Der Streit um diese Baustelle am Hansaring bringt viele ungelöste Probleme im Hafenviertel zutage. Foto: Matthias Ahlke

Vordergründig geht es nur um zwei Bäume und das Baustellenmanagement für einen bescheidenen Zeitraum von sechs Monaten.

Das eigentliche Problem des Platanen-Streits am Hansaring reicht aber viel tiefer: Die Stadtverwaltung in Münster ist nicht mehr in der Lage, mit Blick auf das boomende Hafenviertel widerspruchsfrei zu argumentieren. 

Das Ordnungsamt steht auf dem Standpunkt, dass bei einer einspurigen Verkehrsführung auf dem Hansaring der totale Verkehrskollaps im Ostviertel drohe. Das Stadtplanungsamt indes betont im Zusammenhang mit der geplanten Hafenbebauung seit Jahren gebetsmühlenartig, dass der Hansaring die Grenze seiner Belastbarkeit noch nicht erreicht habe. 

Fahrradstraße mit markanter Lücke

Im Hafenviertel passt vieles nicht. Es gibt Überlegungen, die Schillerstraße auf ganzer Länge zur Fahrradstraße und damit in Kombination mit dem Lütkenbecker Weg zu einer zentralen Radfahrer-Achse bis nach Gremmendorf zu machen. Zugleich aber ist die Schillerstraße die wichtigste Erschließungsstraße für die neu geplanten, hoch verdichteten Großprojekte auf dem alten Osmo-Gelände. 

Widersprüche bei Theodor-Scheiwe-Straße

Weiter: Die Stadtverwaltung drängt auf eine Entlastung des Hansaringes mit Hilfe einer durchgehenden Theodor-Scheiwe-Straße vom Albersloher Weg bis zum Lütkenbecker Weg, was unweigerlich zu einer deutlichen Mehrbelastung der nagelneuen Schillerstraßenbrücke führen würde. An einer Verbreiterung der Brücke jedoch hatte die Stadt seinerzeit kein Interesse. Im Hinblick auf die rechtliche Zulässigkeit der neuen Bauvorhaben am Hafenbecken wiederum erklärt die Stadtverwaltung, dass die Theodor-Scheiwe-Straße überhaupt nicht benötigt werde, droht zugleich aber den Eigentümern der erforderlichen Flächen mit Enteignung.

Führungsproblem an der Spitze

All diese Widersprüche weisen auf ein Führungsproblem an der Spitze der Stadtverwaltung hin. Münster wächst, aber die Management- und Konfliktlösungs-Kompetenzen im Rathaus sind nicht mitgewachsen.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5544285?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Stadt prüft nach Abbruch Konsequenzen
Das Haus Oststraße 21 (links) ist inzwischen teilweise abgerissen. Die Stadt hat daraufhin die Abrissbaustelle versiegelt.
Nachrichten-Ticker