In Münster aufgewachsen
Google gedenkt Anti-Rassismus-Aktivistin May Ayim

Münster -

Dichterin, Anti-Rassismus-Aktivistin und Pionierin der Schwarzen Frauenbewegung in Deutschland: In Gedenken an May Ayim hat Google seine Startseite am Dienstag mit einer graphischen Widmung versehen. Ihr Kampf gegen Diskriminierung Dunkelhäutiger wurzelt in Münster.

Dienstag, 27.02.2018, 14:02 Uhr

In Münster aufgewachsen: Google gedenkt Anti-Rassismus-Aktivistin May Ayim
Die Google-Startseite erinnert am 27. Februar 2018 an May Ayim. Sie ist eine deutsche Dichterin, Pädagogin und Aktivistin der afrodeutschen Bewegung, die in der Pflegefamilie Opitz in Münster aufgewachsen ist. Foto: Gunnar A. Pier

Nachdenklich stützt May Ayim ihren Kopf auf ihrem Arm ab. Sie ragt empor aus der Mitte eines Buches, umringt von sechs dunkelhäutigen Frauen, die vor der Skyline von Berlin sitzen. Der Anlass für das von Laura Breiling entworfene Google-Doodle ist die Umbenennung eines Teils des Spree-Ufers in May-Ayim-Ufer heute (27. 2.) vor acht Jahren.

Als May Ayim in Münster aufwuchs, hieß sie noch nicht May Ayim. Die Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers wuchs bei der Pflegefamilie Opitz in Münster auf, deren Nachnamen sie auch trug. In der Grundschule St. Michael, der Friedensschule und während ihrer Ausbildung zur Krankenschwesternhelferin war die später international anerkannte Autorin und Aktivistin noch als Brigitte Sylvia Gertrud Opitz bekannt.

Begriff "Afro-deutsch" geprägt

Erst später wählte sie den Künstlernamen May Ayim. Doch schon in Münster verfasste die 1960 in Hamburg Geborene Schriften gegen Rassismus. So schreibt sie in einem „Brief aus Münster“ 1984: „Ich finde es überflüssig, mein Deutschsein hervorzuheben.“ 

Nach ihrer Jugendzeit in Münster studierte sie Diplompädagogik in Regensburg und machte eine Ausbildung zur Logopädin in Berlin, ihrem neuen Lebensmittelpunkt. Immer stärker fasste sie unreflektierte, diskriminierende Sprache ins Auge. So schaffte der Begriff Afro-deutsch, der Mitte der Achtzigerjahre entstand, einen Gegenpol zu diskriminierenden Ausdrücken wie „Farbige“, „Mischlinge“ und besonders „Neger“. Alltagsrassismen wie „Negerkuss“ oder „Eismohr“ stellte sich die Dichterin entschieden entgegen.

Diplomarbeit abgelehnt

Aber Rassismus in Deutschland? „Vielleicht in den USA, aber nicht hier.“ Mit dieser Begründung lehnte ein Berliner Professor die Diplomarbeit von May Ayim über die Geschichte Afrodeutscher ab. 1986 veröffentlichte sie diese in dem Buch „Farbe bekennen“ doch noch. Es sollte eines ihrer bekanntesten Werke werden.

Sie gilt als eine der Pionierinnen der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland, war Gründungsmitglied der Initiative Schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland und knüpfte Kontakte zu Vertreterinnen der internationalen schwarzen Frauenbewegung wie zum Beispiel Audre Lorde.

May Ayim hatte seit den frühen Neunzigerjahren psychotische Schübe, später litt sie außerdem  an Multipler Sklerose. Geplagt von Depressionen nahm sie sich am 9. August 1996 das Leben. 


Hinweis: Der Pressekodex sieht vor, dass über Suizide zurückhaltend berichtet wird. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten. Ergänzend können Sie das Angebot der Krisenhilfe Münster (0251-519005) in Anspruch nehmen und dort bis zu zehn kostenlose persönliche Beratungstermine vereinbaren.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5555196?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Polizei fordert in NRW Helmpflicht für Radfahrer
Reaktion auf Fahrradunfälle: Polizei fordert in NRW Helmpflicht für Radfahrer
Nachrichten-Ticker