Flüchtlingsheim an der Bahlmannwiese
Anders als versprochen: Familien treffen auf Alleinreisende

Münster -

Eigentlich sollten nur Familien in das Flüchtlingsheim an der Bahlmannwiese ziehen. Doch nun werden dort auch allein reisende Flüchtlinge wohnen. Die Mischung macht durchaus Sinn, betont die Verwaltung.

Freitag, 02.03.2018, 07:00 Uhr

Flüchtlingsheim an der Bahlmannwiese: Anders als versprochen: Familien treffen auf Alleinreisende
Die neue Flüchtlingseinrichtung an der Bahlmannwiese ist in dieser Woche der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Sie bietet Platz für bis zu 50 Personen und soll dauerhaft als Wohnheim für Flüchtlinge genutzt werden. Foto: Matthias Ahlke

Drei Jahre Anwohnerprotest, von der Unterschriftensammlung bis zur Klage, blieben ohne Wirkung – am Donnerstag bezogen die ersten Bewohner die neu errichtete Flüchtlingsunterkunft an der Bahlmannwiese. In den kommenden Wochen werden insgesamt 35 Menschen einziehen, weitere 15 sollen später folgen.

Anders als in der Planungsphase von Politik und Verwaltung wiederholt bekräftigt, werden unter den Bewohnern allerdings nicht nur Familien mit Kindern sein, sondern auch alleinreisende männliche Flüchtlinge. Bis zu acht sollen eines der fünf Reihenhäuser bewohnen. Bei einer Bürgerinformation stieß dies in dieser Woche auf Kritik – der sich die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Marita Otte (SPD ) schließlich beugte. Wenn dem tatsächlich so gewesen sei, dass zu einem früheren Zeitpunkt nur von Familien die Rede war, „dann muss ich diese Zusage nun zurücknehmen“, sagte Otte.

Sozialamtsleiterin Dagmar Arnkens-Homann betont, dass es sich bei der Einrichtung an der Bahlmannwiese nach wie vor um ein Familienwohnheim handele – und verweist unter anderem darauf, dass unter den ersten 35 Bewohnern 18 Kinder sein werden. Im Übrigen habe man überhaupt nicht absehen können, wer letztendlich in die Einrichtung ziehen wird, dies habe sich erst kurzfristig ergeben.

Denn erst seit wenigen Wochen muss Münster – nach langer Pause – überhaupt wieder Flüchtlinge aufnehmen. Während die Stadt die Aufnahmequote für Flüchtlinge, deren Verfahren bereits abgeschlossen ist, mit 151 Prozent übererfüllt, liegt die Aufnahmequote für Flüchtlinge, die sich noch im Verfahren befinden, bei nur 85 Prozent. Um das Soll zu erreichen, muss Münster in den kommenden Wochen rund 350 neue Flüchtlinge aus Erstaufnahmeeinrichtungen aufnehmen. Bei einem großen Teil der neuen Bewohner an der Bahlmannwiese handele es sich um solche Personen.

Die zunächst vier alleinreisenden Flüchtlinge, die hier einziehen werden, seien der Stadt hingegen schon länger bekannt, so Arnkens-Homann. „Sie sprechen bereits perfekt Deutsch und können so den neuen Flüchtlingen helfen.“ Auch in anderen Einrichtungen setzt man auf eine solche Mischung – von der auch die Alleinreisenden profitierten. „Die soziale Kontrolle ist in diesem Fall besser“, betont die Sozialamtsleiterin.

Zehn neue Flüchtlingsunterkünfte

Zu den bereits bestehenden Flüchtlingsunterkünften werden zehn weitere im gesamten Stadtgebiet hinzukommen. Die Standort-Vorschläge der Verwaltung sind inzwischen an die Politik weitergeleitet worden, so Sozialamtsleiterin Dagmar Arnkens-Homann. Nennen möchte sie diese aber noch nicht. Im Mai werde die Verwaltung eine Vorlage veröffentlichen. Die zehn neuen dauerhaften Einrichtungen werden eine Kapazität von 500 Plätzen haben. Ziel sei es, parallel weitere temporäre Einrichtungen aufzugeben. Arnkens-Homann räumt ein, dass es angesichts der schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt nicht einfach gewesen sei, Standorte für weitere Flüchtlingseinrichtungen zu finden. Zugleich zeigt sie sich sicher, mit den nun gefundenen Grundstücken „einen guten Konsens“ mit der Politik zu finden.

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