Vor 30 Jahren
Gladbecker Geiselnehmer waren auch in Münster

Münster -

Am Mittwoch und Donnerstag zeigt die ARD den Film „Gladbeck“. Die Täter des Gladbecker Geiseldramas machten vor 30 Jahren auch Station in Münster – an einer Tankstelle an der Steinfurter Straße.

Mittwoch, 07.03.2018, 07:00 Uhr

Vor 30 Jahren bewegte das Gladbecker Geiseldrama die Republik. In Münster machten die Geiselnehmer an einer Tankstelle Station. Darüber berichtete unsere Zeitung am 19. August 1988. Der Artikel von damals ist im Online-Archiv unserer Zeitung zu finden.
Vor 30 Jahren bewegte das Gladbecker Geiseldrama die Republik. In Münster machten die Geiselnehmer an einer Tankstelle Station. Darüber berichtete unsere Zeitung am 19. August 1988. Der Artikel von damals ist im Online-Archiv unserer Zeitung zu finden. Foto: Oliver Werner

Vor 30 Jahren hielt das Gladbecker Geiseldrama drei Tage lang die Republik in Atem. Was damals geschah, ist am Mittwoch und Donnerstag im ARD-Zweiteiler „Gladbeck“ zu sehen. Ein Schauplatz des wohl spektakulärsten Verbrechens der deutschen Nachkriegsgeschichte war eine Tankstelle in Münster.

Tankstelle an der Steinfurter Straße

Nach einem missglückten Banküberfall am 16. August 1988 nahmen die Täter Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner zwei Geiseln, flüchteten zunächst nach Hagen und dann nach Bremen. In Münster verließen sie die A1 und steuerten eine Shell-Tankstelle an der Steinfurter Straße an. Dort kam es zu einer „Begegnung, die André Ebbers noch einen Tag später ins Zittern bringt“, schrieb unsere Zeitung am 19. August 1988.

Geiseldrama von 1988: ARD-Zweiteiler "Gladbeck"

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  •  Ein Geiseldrama als bizarres Spektakel: Fotografen und TV-Teams umringen die Gladbeck-Entführer in der Kölner Innenstadt.

    Foto: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Valentin Menke
  • Ein Geiseldrama als bizarres Spektakel: Fotografen und TV-Teams umringen die Gladbeck-Entführer in der Kölner Innenstadt.

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  • Der Gladbeck-Entführer Hans-Jürgen Rösner (Sascha Alexander Geršak) droht mit der Waffe.

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  • 16. August 1988: Maskierte überfallen in Gladbeck eine Bankfiliale.

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  • Die Medien berichten über die spektakuläre Geiselnahme: Dieter Degowski (Alexander Scheer) liest über sich in der BILD-Zeitung

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  • Der Innenminister von NRW (August Zirner)

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  • Der NRW-Einsatzleiter (Ulrich Noethen) weiß schon bald, wie gefährlich die Bankräuber sind.

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  • Rösners Freundin Marion Löblich (Marie Rosa Tietjen) wird Teil der Bande.

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  • Rösner (Sascha Alexander Geršak) hat nichts zu verlieren: Der Geiselnehmer inszeniert sich vor den Medienvertretern als knallharter Verbrecher.

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  • Der brutale Rösner (Sascha Alexander Geršak) wirkt auch auf die Polizisten angsteinflößend.

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  • Das Verbrecher-Duo Rösner (Sascha Alexander Geršak) und Degowski (Alexander Scheer, li.) bringt in Bremen einen Bus und die Fahrgäste in seine Gewalt.

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  • Unvorstellbar! Ein Presse-Fotograph (Albrecht A. Schuch) vermittelt zwischen den gereizten Entführern und der abgetauchten Polizeiführung.

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  • Kollektives Versagen: Bremens Kripo-Chef (Martin Wuttke, re.) ist ratlos.

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  • Eine verpasste Chance bei der Rettung der Geiseln: Bremens Innensenator (Stephan Kampwirth) verhindert finale Rettungsschüsse.

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  • Rösners Freundin Marion Löblich (Marie Rosa Tietjen) bewacht die Geiseln.

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  • Geiselnehmer Degowski (Alexander Scheer) ist eine tickende Zeitbombe.

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  • Der NRW-Innenminister drängt seine Mitarbeiter (Ralf Dittrich) auf eine gewaltsame Lösung.

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  • Ein Boulevardjournalist (Arnd Klawitter) steigt zu Geiselnehmer Rösner (Sascha Alexander Geršak) ins Auto.

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  • Journalisten umringen in Köln das Geiselnehmer-Auto mit Rösners Freundin Marion Löblich (Marie Rosa Tietjen).

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  • Die Schattenseite des Sensationsjournalismus: Medienvertreter nehmen keine Rücksicht auf das Schicksal der Geisel Ines (Lilli Fichtner)

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  • Geiselgangster Rösner (Sascha Alexander Geršak) im Fokus der Medienvertreter.

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  •  Ein Boulevardjournalist (Arnd Klawitter) bietet den Geiselnehmer Rösner (Sascha Alexander Geršak) und seiner Freundin und Komplizin Marion Löblich (Marie Rosa Tietjen) an, das Geiselfahrzeug aus der Kölner Innenstadt zu lotsen.

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  • Geiselgangster Rösner (Sascha Alexander Geršak) erzeugt auf der Kölner Domplatte ein bizarres Medienereignis.

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  • Ein Boulevardjournalist (Arnd Klawitter) übernimmt auf der Kölner Domplatte das Kommando.

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  • Degowski (Alexander Scheer) bedroht die Geisel Silke (Zsa Zsa Inci Bürkle) mit geladener Waffe.

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  • Geiselnehmer Degowski (Alexander Scheer) ist unberechenbar.

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  • Der Schwerverbrecher Rösner (Sascha Alexander Geršak) ist bereit zu töten.

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  • Geiselnahme in Gladbeck: Ein Verhandler spielt auf Zeit.

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  • Scharfschützen nehmen die Gladbecker Geiselnehmer ins Visier – dürfen aber nicht abdrücken.

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  • Sensationsgierige Journalisten berichten von der Geiselnahme.

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  • Vom Bus in den PKW: An der niederländischen Grenze wechseln die Geiselnehmer das Fahrzeug.

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  • Polizisten eilen zu einem Banküberfall im nordrhein-westfälischen Gladbeck

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  • Der Gefängnisausbrecher Hans-Jürgen Rösner (Sascha Alexander Geršak) ist brandgefährlich.

    Foto: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Valentin Menke

In der Nacht zuvor, am 18. August um 2 Uhr morgens, hatte Rösner das Fluchtauto verlassen, das Kassenhaus der Tankstelle betreten und zu Ebbers, der hier arbeitete, gesagt: „Folgendes Problem: Ich brauch ein Auto.“ Dabei öffnete er seine Lederjacke und gab den Blick auf zwei Pistolen frei. Ebbers ahnte nicht, wer vor ihm stand. Er hatte weder Radio gehört noch den Fernseher angeschaltet – und daher nichts vom Geiseldrama mitbekommen.

Geiselnehmer kauft Getränke und Süßigkeiten

Ebbers fragte Rösner, was der denn mit den Waffen wolle. Als Rösner mit der Geiselnahme prahlte, hielt ihn Ebbers für einen Aufschneider. Mit einem Auto konnte er nicht dienen, dafür stöberte Rösner in den Getränke- und Süßigkeitenregalen. Er verließ die Tankstelle, um die anderen im Auto – Degowski und zwei Geiseln – zu fragen, worauf sie Hunger haben.

Mit einer Geisel kehrte Rösner zurück. Er packte Bier, Limo, Süßigkeiten, Zigaretten ein, bezahlte die Rechnung (18 Mark) mit einem Zwanziger und verzichtete aufs Wechselgeld. „Kannst du behalten, ich hab noch genug im Kofferraum“, sagte Rösner.

Dann trank er eine Limo, rauchte eine Zigarette, stieg ins Auto, einen Mercedes W 124, und fuhr stadteinwärts.

Geiseldrama endete bei Bad Honnef

Ebbers rief umgehend die Polizei, sie traf erst eine Viertelstunde später ein. Danach wurde Ebbers drei Stunden auf dem Präsidium verhört. Anschließend sah er die Sache noch immer locker. Das änderte sich am Abend des 17. August, als im Fernsehen gemeldet wurde, dass die Geiselnehmer die erste Geisel erschossen hatten. „Wenn man das sieht, da kommt man ganz schön ins Grübeln“, so Ebbers damals zu unserer Zeitung.

Das Geiseldrama endete am 18. August 1988 bei Bad Honnef. Ein Polizist starb bei einem Zusammenstoß, zwei Geiseln wurden erschossen. Degowski kam 2018 auf freien Fuß, Rösner sitzt noch immer im Gefängnis.

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