Platanen am Hansaring
Fällaktion unter Polizeischutz

Münster -

Die Fällaktion am Hansaring wurde von 50 Polizisten gesichert. Rund 30 Anwohner protestierten gegen die Baumfällung. Am Dienstagnachmittag wurde der Hansaring wieder freigegeben.

Dienstag, 06.03.2018, 20:03 Uhr

Am Dienstagmorgen um 5 Uhr fuhren am Hansaring Polizei und Holzfäller vor, um zwei Platanen zu fällen, für deren Erhalt viele Anlieger gekämpft hatten. Gegen halb neun waren die Bäume abgeholzt.
Am Dienstagmorgen um 5 Uhr fuhren am Hansaring Polizei und Holzfäller vor, um zwei Platanen zu fällen, für deren Erhalt viele Anlieger gekämpft hatten. Gegen halb neun waren die Bäume abgeholzt. Foto: Oliver Werner

Es ist noch dunkel, als am Hansaring die Holzfäller anrücken, um die beiden Platanen zu fällen. Susanne Schöneich wird vom Trubel auf der Straße geweckt, sie läuft zu ihrem Balkon, schaut auf die Straße. Innerhalb weniger Minuten sind die Bäume weiträumig abgeriegelt worden, 50 Polizeibeamte sichern den Bereich.

Susanne Schöneich, Mitstreiterin der Nachbarschaftsinitiative „Platanenpower“, greift zu ihrem Smartphone und schreibt eine Mail an alle, die in den vergangenen Wochen für den Erhalt der Bäume gekämpft haben: „Alarmstufe Rot. Die Straße wird abgesperrt. Es wird gefällt.“

Wut und Enttäuschung

Spontan versammeln sich rund 30 Anwohner und Aktivisten am Hansaring, protestieren mit Trillerpfeifen und Megafonen. Um 6 Uhr beginnen die Fällarbeiten, zweieinhalb Stunden später sind die Bäume verschwunden.

Platanen am Hansaring sind gefällt

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  • Der Protest der Nachbarschaftsinitiative „Platanenpower“ hat nicht geholfen.

    Foto: Oliver Werner
  • Am frühen Dienstagmorgen hat die Polizei den Hansaring zwischen Albersloher Weg und Wolbecker Straße gesperrt.

    Foto: Oliver Werner
  • Gegen sechs Uhr habe man dann mit der Fällaktion begonnen, berichtet eine Stadtwerke-Sprecherin.

    Foto: Oliver Werner
  • Noch vor sieben Uhr fiel unter Protest mit Trillerpfeifen die erste Platane, kurz danach auch der zweite Baum.

    Foto: Oliver Werner
  • Vor zwei Wochen hatten nach einem Bericht unserer Zeitung über die geplante Fällaktion Hunderte Anwohner für den Erhalt der Bäume demonstriert. Wiederholt kam es zu Kundgebungen und Mahnwachen.

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  • Platanen am Hansaring sind gefällt Foto: Oliver Werner
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  • Platanen am Hansaring sind gefällt Foto: Oliver Werner
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  • Foto: Nachbarschaftsinitiative „Platanenpower“
  • Foto: Nachbarschaftsinitiative „Platanenpower“
  • Foto: Nachbarschaftsinitiative „Platanenpower“
  • Foto: Nachbarschaftsinitiative „Platanenpower“
  • Foto: Nachbarschaftsinitiative „Platanenpower“
  • Foto: Nachbarschaftsinitiative „Platanenpower“

Die Fällarbeiten verlaufen weitgehend störungsfrei – bis auf eine Ausnahme. Einer Anwohnerin gelingt es, eine Absperrbake zu überwinden. Sie rennt auf den Hansaring, für einen kurzen Moment werden die Arbeiten unterbrochen, mehrere Polizisten führen sie ab und nehmen sie für ein paar Stunden in Gewahrsam. Weniger störungsfrei fließt der Verkehr. Auf Albersloher Weg, Bremer und Wolbecker Straße stauen sich während der Vollsperrung des Hansarings die Fahrzeuge. Erst um 14 Uhr wird der Hansaring wieder freigegeben.

Auch als die Bäume gefallen sind, harren die Anwohner weiter an den Absperrbaken aus, schauen zu, wie Spezialmaschinen das Holz kleinhäckseln. „Ich bin furchtbar enttäuscht, wütend, sprachlos“, sagt Susanne Schöneich. „Wir haben versucht, mit allen zu sprechen, doch niemand wollte mit uns sprechen. Dabei waren wir doch immer friedlich und höflich.“

Interview mit Sprecherin der Initiative „Platanen-Power“

Anwohnerin Irmgard Schleidereit war nach eigenen Angaben bereits um 5.20 Uhr vor Ort, auch sie ist enttäuscht. „Ich habe versucht, an die Bäume ranzukommen, wurde allerdings von Polizisten aufgehalten.“

Äste als Erinnerung

Für Johannes Schmanck ist der Kampf auch nach der Fällung nicht beendet. „Der Protest wird weitergehen“, kündigt er an. Die Nachbarschaftsinitiative plant bereits neue Treffen, um zu verhindern, dass entlang der Fernwärmebaustelle zwischen Hansaring und Ostmarkstraße weitere Bäume fallen werden.

Platanen-Rodung: Anwohner sind verärgert

Nach Ende der Fällaktion sichern sich viele Anwohner bereits keimende Äste der Platane – als Erinnerung. Außerdem bekommen sie vier dicke Baumscheiben geschenkt. „Die Holzfirma hat sie für uns extra geschnitten“, sagt Susanne Schön-eich. Die Aktivisten wollen aus ihnen Sitzgelegenheiten und Trommeln schnitzen. Für künftige Proteste.

Kommentar zum Thema

Als „einsame Entscheidung ohne Aufsichtsratsbeschluss“ von Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke wertet Linke-Ratsherr Rüdiger Sagel die Fällaktion. Dies werde in der nächsten Aufsichtsratssitzung am Freitag „ein Nachspiel haben“. Sagel befürchtet zudem, dass im weiteren Baustellenverlauf noch umfangreichere Baumfällungen nötig werden. Die Grünen stellen klar: „Weitere Bäume dürfen nicht fallen.“ Dr. Didem Ozan, grünes Mitglied im Aufsichtsrat, merkt an, dass sich Stadtwerke, die so handeln, nicht über „Behördenfrust und Entfremdung“ von Bürgern wundern dürfen. Ozan war indes bereits vor einem Jahr bekannt, dass die Bäume fallen sollen. Im Umweltausschuss merkte sie am 28. Februar 2017 laut Protokoll an, anstelle der beiden Platanen „möglichst große Exemplare“ als Ersatz zu pflanzen. - Martin Kalitschke

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