Lärmschutz an WLE-Trasse
Anwohner werfen Planern Rückzieher aus Kostengründen vor

Münster -

Verzichtet die Westfälische Landeseisenbahn auf Lärmschutzwände entlang der WLE-Trasse, weil sonst die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben wäre? Alles Quatsch, nehmen die Verantwortlichen Stellung zu den Mutmaßungen von Anwohnern.

Donnerstag, 08.03.2018, 07:00 Uhr

Johann Ubben (v.l.) von der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE), Gutachterin Svenja Ullmann und Verkehrsplaner Michael Milde (Stadt Münster) stellten jüngst das Lärmschutzgutachten für die WLE-Trasse vor. Jetzt verteidigen sie den Verzicht auf Lärmschutzwände.
Johann Ubben (v.l.) von der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE), Gutachterin Svenja Ullmann und Verkehrsplaner Michael Milde (Stadt Münster) stellten jüngst das Lärmschutzgutachten für die WLE-Trasse vor. Jetzt verteidigen sie den Verzicht auf Lärmschutzwände. Foto: Oliver Werner

In Gremmendorf und Wolbeck macht ein Verdacht die Runde. Die zunächst geplanten Lärmschutzwände entlang der WLE-Trasse seien dem Rotstift zum Opfer gefallen, um das Gesamtprojekt finanziell zu retten.

Eine finanzielle Entscheidung?

Ein offener Brief, den nach Angaben der Bürgerinitiative 380 Menschen unterschrieben haben, geht direkt auf den Rückzieher bei den Lärmschutzwänden ein: „Den Planern wurde wohl klar, dass die Kosten dafür ihre Kosten-Nutzen-Rechnung derart verschlechtern würden, dass das Land die Reaktivierung nicht finanzieren würde.

Verantwortliche weisen Vorwurf zurück

Johann Ubben, Bereichsleiter Eisenbahnen bei der WLE, weist diesen Vorwurf ganz entschieden zurück. Die Wirtschaftlichkeit sei selbst dann gegeben, wenn die Kosten für Lärmschutzwände in die Kalkulation mit einflössen. Die im Laufe des Verfahrens klar gewordene Möglichkeit, auf die Lärmschutzwände verzichten zu können, habe ganz andere, für die Anwohner positive Gründe.

Kosten nicht ausschlaggebend

Zum einen: In die ursprünglichen Berechnungen seien noch Güterzüge eingeflossen, die das Gremmendorfer Werk der Westfalen AG ansteuern sollen. Das Werk wird jedoch aufgegeben, so dass auf der Bahnstrecke zwischen Münster und Sendenhorst gar kein Güterverkehr mehr anfällt.

Zum anderen: Nach Auskunft der Gutachterin Svenja Ullmann waren zunächst Züge mit bis zu 24 Achsen in das Lärmgutachten einbezogen worden. Wegen der Länge der Bahnsteige kommen aber nur Züge mit einer Länge von maximal zwölf Achsen zum Einsatz. „Den in unseren Eingangsdaten enthaltenen Fehler haben wir korrigiert.“

Andere Maßnahmen erforderlich

Das Ergebnis sei, so Ullmann, dass entlang der Trasse zwar verschiedentlich Lärmschutzmaßnahmen erforderlich sein, aber eben keine zwei Metern hohen Wände.

Die Wände hätten, wenn sie denn hätten kommen müssen, für erheblichen Unmut bei Anwohnern gesorgt. Dessen ist sich Johann Ubben sicher.

Zur Erinnerung: Zu Beginn dieses Jahrzehnts plante die Bahn – im Zuge eines Konjunkturprogramm – den Bau zahlreicher Lärmschutzwände in Münster entlang bestehender Trassen. An vielen Stellen waren heftige Debatten die Folge. Mit dem Ergebnis, dass die Anwohner verschiedentlich die Wände verhinderten.

Bürgerinitiative beklagt „Geheimniskrämerei“

Michael Eßer von der Bürgerinitiative erklärte auf Nachfrage, dass man keine „Beweise“ für eine fehlende Wirtschaftlichkeit der geplanten Bahntrasse habe. Die „Geheimniskrämerei“ bei der Planung öffne aber den Spekulationen Tür und Tor. Vielfach lägen die Häuser der Anwohner weniger als zehn Meter von der Bahntrasse entfernt. „Und die Züge sollen mit 80 Stundenkilometer durch die engen Wohnsiedlungen rasen, wo wenige Meter daneben Tempo-30-Zonen eingerichtet sind“, heißt es in dem Brief der Bürgerinitiative.

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