Große Nachfrage
Kleingärten werden in Münster immer beliebter

Münster -

Die Nachfrage nach Kleingärten nimmt in Münster zu. Inzwischen gibt es Wartelisten und der Stadtverband plant zwei neue Anlagen in Mecklenbeck und Roxel.

Donnerstag, 08.03.2018, 15:03 Uhr

Horst Stronk leitet den Stadt- und Bezirksverband der Kleingärtner. Die Nachfrage nach der grünen Parzelle ist riesengroß. Neue Anlagen in Mecklenbeck und Roxel sind geplant, für die rund 5700 Mitglieder gibt es ein attraktives Veranstaltungsprogramm.
Horst Stronk leitet den Stadt- und Bezirksverband der Kleingärtner. Die Nachfrage nach der grünen Parzelle ist riesengroß. Neue Anlagen in Mecklenbeck und Roxel sind geplant, für die rund 5700 Mitglieder gibt es ein attraktives Veranstaltungsprogramm. Foto: hpe

Das eigene Obst anbauen, eine kurze Auszeit vom Alltag in einer grünen Oase genießen und neue Freunde kennenlernen: Münsters Kleingartenlandschaft blüht weiter auf und Stadtverbandschef Horst Stronk kann sich jetzt kurz vor Beginn der Saison vor Anfragen kaum retten.

„Von den insgesamt rund 3600 Parzellen mit Laube in Münster sind aktuell nur 17 Kleingärten frei, wir arbeiten gerade die lange Warteliste ab“, so Stronk.

40 Prozent der Neupächter mit Migrationshintergrund

Aus Altersgründen wechseln rund 250 Gärten im Jahr die Besitzer, 40 Prozent der neuen Pächter sind Menschen mit Migrationshintergrund und die bekommen auch finanzielle Starthilfe. „Das Darlehen soll den Einstieg erleichtern, Integration wird bei uns groß geschrieben und wir verstehen unsere Anlagen als Treffpunkt der Kulturen“, so der Vorsitzende. Der Verein stellt den Neugärtnern bei Bedarf auch Paten zur Seite und gibt Tipps, wie die jeweils rund 300 Quadratmeter große Parzelle gestaltet werden kann.

„Gut die Hälfte der Fläche muss mit Obst, Gemüse und Blumen bewirtschaftet werden, wir wollen möglichst wenig Flächen versiegeln und große Rasenbereiche sollte es eigentlich auch nicht geben“, meint Stronk. Weil die übrigen 60 Prozent der Kleingarten-Einsteiger junge Familien sind, werden in den 63 Anlagen des Verbandes pro Jahr im Durchschnitt zehn neue Spielplätze gebaut. „Biologischer Anbau, ein hoher Freizeitwert und die Geselligkeit. Das zieht bei jungen Menschen, die im Miethaus ohne Balkon oder Garten wohnen“, meint Stronk.

200 Euro Jahresmiete

Und weil Münster wächst, breiten sich auch die Kleingärtner weiter aus. In Roxel und Mecklenbeck sollen bis 2021 zwei neue Anlagen mit insgesamt 80 Gärten entstehen.

Die Jahresmiete mit Versicherung und Vereinsbeitrag liegt bei rund 200 Euro, „billiger als ein Campingstellplatz“, so der Vorsitzende. Anfänger müssen allerdings vom Vorbesitzer die Laube kaufen und weil das schnell mal ein paar tausend Euro sind, gibt es das Darlehens-Projekt.

Bei der Mitgliederversammlung am 16. März in der Stadthalle Hiltrup wird Stronk auch auf die wieder steigenden Einbruchszahlen eingehen. „Videoüberwachung und höhere Zäune haben sich als Präventionsmaßnahme bewährt und sollten überall nachgerüstet werden“, fordert Stronk gegenüber den Vereinsvorsitzenden. Weil in aller Regel kein wertvolles Diebesgut in den Lauben lagert, schlagen besonders die hohen Vandalismusschäden ins Kontor.

Im attraktiven Veranstaltungsprogramm stehen wieder eine Pflanzen- und Staudenbörse (5. Mai, Anlage „Friedlicher Nachbar“ am Düesbergweg), der „Tag des Gartens“ am 10. Juni (ebenfalls „Friedlicher Nachbar“) sowie Touren zur Landesgartenschau nach Bad Iburg und zum Zwischenahner Meer auf der Agenda.

Kleingärten weichen Umgehungsstraße

Der Ausbau der Umgehungsstraße B 51 beschäftigt auch in diesem Jahr die Kleingärtner. Nun ist die Anlage „Friedland“ an der Dingstiege betroffen. Weil die neue Trasse quer durch die Anlage geht, fallen 38 Gärten weg.

„Die Besitzer sind schon finanziell entschädigt und dürfen noch bis August bleiben“, so Stronk. Dann allerdings müssen sie sich ein neues Domizil suchen. „Wir finden für jeden Betroffenen eine Lösung, damit er in Münster möglichst bald ein neues Wohnzimmer im Grünen beziehen kann“, so Stronk.

In Onkel Willis Kleingarten

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  • Onkel Willi (l.), der mit bürgerlichem Namen Klaus Reinhardt heißt, lebt in einer Kleingarten-Anlage am Rande der Stadt.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Das Tor zu seiner kleinen Welt im Grünen.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • In dieser kleinen Gartenlaube wohnt der 73-Jährige.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Als Straßenmusiker spielte Onkel Willi jahrzehntelang vor dem historischen Rathaus in Münster.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Die Gartenarbeit macht Onkel Willi trotz einer Lungenkrankheit teilweise noch selbst. 

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Zur Not schneidet er den Rasen mit der Heckenschere.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Im Garten liegt auch sein verstorbener Kater begraben.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Die grüne Oase sei alles für ihn, sagt Onkel Willi. In einem Pflegeheim würde er „vor die Hunde gehen”.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Vor allem Insekten fühlen sich hier wohl.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Im Interview mit Filmemacher Simon Jöcker (r.) spricht Onkel Willi offen über Themen wie Einsamkeit und die Angst vor dem Tod.

    Foto: Jürgen Weißberg
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