Reise des Lebens
Münsteraner reisen seit sieben Jahren per Anhalter um die Welt

Münster -

Eigentlich sollte die Reise von Rochssare Neromand-Soma und ihrem Lebensgefährten Morten Hübbe nur sechs Monate gehen. Doch mittlerweile sind die beiden seit sieben Jahren unterwegs.

Samstag, 17.03.2018, 16:03 Uhr

Mitten in der Kawir-Wüste im Iran machen Rochssare Neromand-Soma und Morten Hübbe ein Erinnerungsfoto. Die beiden haben in Münster studiert und reisen seit sieben Jahren per Anhalter um die Welt.
Mitten in der Kawir-Wüste im Iran machen Rochssare Neromand-Soma und Morten Hübbe ein Erinnerungsfoto. Die beiden haben in Münster studiert und reisen seit sieben Jahren per Anhalter um die Welt. Foto: Privat

Nach dem Studienabschluss raus in die Welt: Das war der große Traum von Rochssare Neromand-Soma und Morten Hübbe. Doch die Reise, die sie im Jahr 2011 begonnen haben, haben sie bis heute nicht beendet. Es ist die Reise ihres Lebens.

Die heute 31-jährige Neromand-Soma kommt aus Hamburg, der 33-jährige Hübbe wurde auf Rügen geboren. Das Studium brachte beide nach Münster – und von dort in die Welt. „Nach insgesamt 18 Jahren Ausbildung wollten wir nicht direkt ins Berufsleben einsteigen“, sagt Neromand-Soma. Beide wollten fremde Kulturen entdecken. „Dabei wollten wir gar nicht so lange unterwegs sein“, sagt Hübbe. Ursprünglich seien sechs Monate geplant gewesen. Daraus wurden sieben Jahre – und die Reise geht weiter.

Das erste Ziel: Südamerika

Das erste Ziel war Südamerika. Das Paar reiste ohne teure Hotels: Die beiden trampten und nutzten Mitfahrgelegenheiten. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen teilen die Weltenbummler auf einem Blog. Außerdem erscheint jetzt das zweite Buch. Während sich das erste um Südamerika drehte, behandelt das neue die zweite große Reise: „Per Anhalter nach Indien.“

Von Deutschland aus ging es über Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Serbien und Bulgarien in die Türkei. „Bis dahin verlief die Reiseroute von Hauptstadt zu Hauptstadt. Erst in der Türkei haben wir uns treiben lassen“, sagt Neromand-Soma. Die Reise führte weiter durch den Iran und Pakistan.

Rochssare Neromand-Soma steht im Iran am Straßenrand – in der Hoffnung auf eine Mitfahrgelegenheit.

Rochssare Neromand-Soma steht im Iran am Straßenrand – in der Hoffnung auf eine Mitfahrgelegenheit. Foto: Privat

Die Polizei ist nicht immer dein Freund und Helfer, sondern häufig korrupt.

Morten Hübbe

Wirklich gefährlich sei es in den krisengeplagten Ländern nicht geworden, sagt Morten Hübbe: „Aber die Polizei ist nicht immer dein Freund und Helfer, sondern häufig korrupt.“ Die Gastfreundschaft der Menschen kenne hingegen gerade in den muslimischen Ländern keine Grenzen.

Über 106 000 Kilometer haben die Weltenbummler mittlerweile zurückgelegt, 56 044 davon in Südamerika. 760 Mitfahrgelegenheiten konnten sie nutzen. „Wir haben uns bewusst für eine einfache Reiseform entschieden“, sagt Hübbe und erklärt: „Wir wollten auf materiellen Ballast verzichten.“ Beide haben einen großen Rucksack, darin ein paar T-Shirts, eine lange und eine kurze Hose. Die beiden möchten aber vor allem „nachhaltig unterwegs sein“, sagt der 33-Jährige. Deshalb fahren sie per Anhalter und nutzen so nur den Verkehr, der sowieso unterwegs ist.

Unerwartete Begegnungen in Pakistan

Es sind vor allem die Begegnungen, die Morten Hübbe und Rochssare Neromand-Soma schätzen: „Jede Begegnung ist etwas Besonderes. Oft merken wir erst später, wie fantastisch sie war.“ Beide erinnern sich gerne an eine Gastgeberin in Patagonien: „Vom ersten Augenblick waren wir Freunde.“ Unerwartete Begegnungen habe es vor allem in Pakistan gegeben: „In Rawalpindi, gleich neben Islamabad, haben wir mit der Mafia ein paar Bier getrunken.“

Seit 2011 waren die beiden nur zweimal in Deutschland. Der schwierigste Kompromiss sei, Hochzeiten und Geburten zu verpassen. Und manches fehlt den beiden auch: „Gutes Brot, Käse und der Weihnachtsmarkt.“ Kritische Fragen von der Familie zu finanzieller Sicherheit oder der Rente haben sich den beiden nie erschlossen, sagt Hübbe: „Es gibt unendliche viele Wege, seinen Lebensunterhalt zu sichern. Wer seinen Horizont öffnet, findet immer eine Lösung.“

Wenn wir überzeugend berichten können, dass die Welt ein guter Ort ist, haben wir unser Ziel erreicht.

Rochssare Neromand-Soma

Die beiden können sich vorstellen, irgendwann sesshaft zu werden. Erst einmal geht die Reise aber weiter – und auch das Schreiben. „Wir wollen ohne Euphorie und Dramatik erzählen, wie es am anderen Ende der Welt zugeht“, sagt Neromand-Soma und fügt hinzu: „Wenn wir überzeugend berichten können, dass die Welt ein guter Ort ist und wir keine Angst vor dem Unbekannten haben brauchen, haben wir unser Ziel erreicht.“  

An der Grenze zwischen dem Iran und Pakistan haben Rochssare Neromand-Soma und Morten Hübbe eines von vielen Erinnerungsfotos gemacht.

An der Grenze zwischen dem Iran und Pakistan haben Rochssare Neromand-Soma und Morten Hübbe eines von vielen Erinnerungsfotos gemacht. Foto: Privat

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