Hundekotbeutel in der Natur
Tierische Notdurft in Tüten

Münster -

Über eine Million Hundekotbeutel aus Kunststoff werden aus städtischen Spendern jährlich entnommen. Leider landen längst nicht alle in Mülleimern.

Mittwoch, 04.04.2018, 20:00 Uhr aktualisiert: 04.04.2018, 20:36 Uhr
Rund 100 Spender für Kotbeutel gibt es in Münster. Doch die Beutel lösen nicht nur Probleme, sondern sorgen bei nicht fachgerechter Entsorgung auch für neue.
Rund 100 Spender für Kotbeutel gibt es in Münster. Doch die Beutel lösen nicht nur Probleme, sondern sorgen bei nicht fachgerechter Entsorgung auch für neue. Foto: Matthias Ahlke

Es mag verwunderlich, gar abwegig anmuten, dass Menschen den Kot ihrer Hunde erst in Beutel einsammeln, um diese dann in die Natur zu werfen. Wie gesagt verwunderlich, abwegig – aber eben doch real. Nach der Aktion „Sauberes Münster“ hatten sich Initiatoren und Freiwillige über die Vielzahl der achtlos in die Natur geworfenen Hundekotbeutel beschwert.

Problematik ist Verwaltung bekannt

Und auch der Verwaltung ist das Thema nicht neu. Man wisse schon länger um diese Problematik, bestätigt Franz-Josef Gövert vom Grünflächenamt. „Wir müssen uns nichts vormachen, dieses Phänomen tritt auf – vor allem in den Wintermonaten“, sagt Gövert. Warum im Winter? Dann seien eben alle Katzen grau, was übertragen auf die Hundekotbeutel heißt, dass die Dunkelheit den bestmöglichen Schutz vor Entdeckung biete.

Auf diese Hemmschwelle baut aber auch die Stadt. „Wir haben vor rund einem Jahr von grauen auf rote Beutel umgestellt“, sagt Gövert. Gefühlt sei der Missbrauch durch die auffälligere Variante eingedämmt worden, genaue Zahlen liegen der Verwaltung aber nicht vor.

Ausmaß wird schnell unterschätzt

In Wilhelmshaven, das berichtete die Süddeutsche Zeitung im vergangenen Jahr, würden rund 20 Prozent der verwendeten Tüten nicht im Mülleimer, sondern am Wegesrand entsorgt. Legt man diese Zahl auf Münster um, dann würde das bedeuten, dass rund 250 000 Kotbeutel jährlich in der Natur landen, denn 1,25 Millionen Beutel wurden 2017 in Münster ausgegeben. Rund 10 000 Euro gab die Stadt dafür aus.

Dabei habe man sich auch andere, teils teurere Lösungen angesehen – und eben auch biologisch abbaubare. Das größte Problem daran aber: „Die müssen ja auch sicher sein, und die Beutel aus Kunststoff haben sich eben bewährt“, sagt Gövert. Damit sei es auch zumutbar, ein paar Hundert Meter bis zum nächsten Mülleimer zu laufen.

Bio-Beutel könnten ungewollten Effekt haben

Und noch ein Grund spreche gegen biologisch abbaubare Exemplare, denn die Nutzer könnten sich damit ermutigt fühlen, diese sogar vermehrt am Wegesrand zu belassen. Weitere Bestrebungen, in der Sache aktiv zu werden, gebe es derzeit nicht, räumt Gövert ein und macht damit deutlich: Die Stadt ist auf ihre Bürger und ganz speziell auf ihre Hundehalter angewiesen, damit die Grünanlagen in Zukunft nicht nur möglichst kot-, sondern auch beutelfrei bleiben.

Zum Thema

Sollten Hundekotbeutel weiter aus Plastik angeboten werden, oder sollte die Stadt auf biologisch abbaubare Exemplare umstellen? Diskutieren Sie mit auf Facebook:   | www.facebook.de/wnonline

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