Pro und Contra
Asphaltkleckse - sinnvoll oder nicht?

Münster -

Ein Unbekannter platziert Asphalt-Kleckse an Radwegen, um Unebenheiten zu beseitigen. Verdient er Anerkennung dafür? In unserer Lokalredaktion gehen die Meinungen über den anonymen Kleckser auseinander.

Sonntag, 08.04.2018, 12:00 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 08.04.2018, 12:00 Uhr
Pro und Contra: Asphaltkleckse - sinnvoll oder nicht?
Mit Asphaltklecksen ebnet ein Unbekannter Radfahrern in Münster den Weg. Foto: Matthias Ahlke

Pro: Nicht schön, aber sinnvoll

Schön sind die Asphalt-Kleckse nicht, aber sinnvoll. Das große Lob, das der unbekannte Robin Hood der Asphalt-Kleckse in diesen Tagen von Radlern erhält, wirft ein trauriges Schlaglicht auf den Straßenbau in Münster. Die Stadt, die sich so gern mit dem Titel „Fahrradhauptstadt“ schmückt, erlaubt sich im wahrsten Sinne des Wortes zu viele Unebenheiten.

Dies ist nun wahrlich kein Plädoyer für eine Asphaltierung des Prinzipalmarktes, auch wenn das dortige Pflaster den Radlern viel zumutet. Aber es gibt nun mal zentrale, hochfrequentierte Bereiche in Münster, speziell in der Innenstadt, in denen die Ästhetik wichtiger ist als der Komfort.

Aber selbst dann noch bleiben Hunderte Radwege im Stadtgebiet übrig, deren Komfort zu wünschen übrig lässt. An zu vielen Übergängen und Einmündungen sind die Höhenunterschiede sehr groß, es ruckelt. Wenn das Ziel der Stadt, den Radverkehrsanteil auf 50 Prozent zu steigern, weiterhin gelten soll, sollte man nicht über die Kleckse klagen, sondern dafür sorgen, dass sie überflüssig werden.

Klaus Baumeister

 

Asphaltkleckse ebnen Radfahrern den Weg

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  • Bitumen-Kleckse in Münsters Innenstadt erleichtern Radfahrer das Leben.

    Foto: -kb-
  • Ein „Robin Hood der Fahrradwege“ gleicht mit den Klecksen kleine Bodenunebenheiten zwischen Straßen und Radwegen aus.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Während der ADFC den anonymen Kleckser lobt, ist Münsters Tiefbauamt von den „Korrekturen“ nicht begeistert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Kleckse in den Regenrinnen würden das Abfließen des Regenwassers behindern und somit Schäden anrichten, klagt das Tiefbauamt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Doch auch die Stadt „kleckst“ selbst: An dem kürzlich neu geschaffenen Radüberweg an der Ecke Hammer Straße / Düesbergweg wurde nachträglich die Rinne asphaltiert.

    Foto: kb
  • An der Ecke Alter Fischmarkt / Bült wurde direkt an die Radfahrer gedacht: Sieben Pflastersteine wurden so weit abgesenkt, dass sie sich genau auf dem Niveau der Regenrinne befinden und somit kein Höhenunterschied mehr besteht.

    Foto: kb

 


Contra: Akt der Selbstjustiz

Die Person, die regelmäßig im Schutz der Dunkelheit mit dem Asphalt-Eimerchen durch die Stadt läuft und unebene Stellen zukleistert, soll der „Beschützer der Durchgerüttelten“ sein? Was für ein Unsinn! Wer mit dem Rad unterwegs ist, muss nicht beschützt werden – sondern die ein oder andere Unebenheit schlicht in Kauf nehmen. So etwas nennt man Straßenverkehr! Wer sanft und komplett ruckelfrei durch Münster gleiten will, der muss halt absteigen.

Für die Verkehrswege ist nach wie vor die Verwaltung zuständig – und das ist gut so. Sicher, an vielen Stellen sind Reparaturmaßnahmen überfällig. Aber muss man deshalb zur Selbstjustiz greifen? Was kommt als nächstes? Wird der „Beschützer“ Bäume fällen, weil man sie umkurven muss? Wird er das Prinzipalmarkt-Pflaster mit Gummi übergießen, weil es dort noch viel mehr ruckelt?

Was er macht, ist nicht erlaubt. Das weiß er – sonst würde er nicht im Schutz der Nacht agieren. Für die Verwaltung bietet er freilich einen guten Anlass, Versäumnisse aufzuarbeiten und Handlungsbedarfe zu ermitteln.

Martin Kalitschke

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