Rettungsmission
Münsteranerin rettet Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

Münster -

Mit dem Schiff ging es für Aline Watermann hinaus aufs Mittelmeer. Die Münsteranerin ist zu einer Rettungsmission vor der libyschen Küste aufgebrochen.

Sonntag, 08.04.2018, 14:04 Uhr

Mit Beibooten fahren die Retter an die Flüchtlingsboote heran. Größere Schiffe nehmen die Menschen dann auf.
Mit Beibooten fahren die Retter an die Flüchtlingsboote heran. Größere Schiffe nehmen die Menschen dann auf. Foto: sea-eye.org

Der alte Fischkutter „Seefuchs“ der Hilfsorganisation „Sea-Eye“ ist für die 28-Jährige zehn Tage lang der neue Arbeitsplatz.

Ihren Traumberuf hatte Aline Watermann schon früh gefunden. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Freiwilligenjahr in Togo. Im Anschluss studierte sie Politikwissenschaften. Seitdem ist sie als Referentin für entwicklungspolitische Arbeit tätig, vor allem beim Eine-Welt-Netz NRW. Ihre Motivation: „Ich versuche, positive Impulse für eine gerechte Welt zu geben.“

Für Watermann ist es die erste Rettungsmission auf dem Mittelmeer: „Für mich war klar: Das ist gerade die Art und Weise, wie ich mich engagieren möchte.“ Bevor es losgeht, müssen die Freiwilligen bei „Sea-Eye“ ein Training absolvieren: „Dabei geht es um Sicherheit, Bootskunde und auch den Austausch mit Erfahrenen.“

Die Mission startete in dieser Woche von Malta und dauert zehn Tage – zumindest wenn das Wetter mitspielt, sagt Watermann. Die Retter halten Ausschau nach Flüchtlingsboten. Sehen sie eines oder bekommen über Funk Hinweise, fährt als erstes eine kleine Crew – bestehend aus Arzt, Funker und einem, der den Kontakt zu den Flüchtlingen sucht – mit einem Beiboot heran. Es werden Rettungswesten verteilt, sagt Watermann: „Das ist immer der erste Schritt.“

Die Helfer schauen sich die Situation genau an: Verliert das Boot Luft? Sind Schwangere, Verletzte oder Kinder an Bord? Notfälle würden direkt behandelt, sagt Watermann. Aber nur selten kommen die Flüchtlinge auf die „Sea-Eye“-Kutter. „Die sind nicht für den Menschentransport ausgelegt“, so Watermann. Mit Rettungsinseln und Trinkwasser versorge man die Flüchtlinge. Es werden Küstenwachen angefunkt, die die Menschen aufnehmen. Watermann erläutert: „Wir können mit den Schiffen keine Menschen an Bord nehmen und bis nach Italien bringen, ohne uns selbst in Gefahr zu bringen.“

Rettungsschiffe wie die von „Sea-Eye“ fahren zwar vor der Küste Libyens, aber nicht im libyschen Wassergebiet. „Wir nutzen nur internationale Gewässer“, so Aline Watermann. Das sei wegen der aktuellen Spannungen notwendig. Auch die libysche Küstenwache birgt Flüchtlinge – und bringt sie zurück an die afrikanische Küste. Freiwillige müssen Flüchtlinge der libyschen Küstenwache übergeben. Widersetzen sie sich, wird es oft gefährlich. Laut Medienberichten wurde mit Gewalt durch Schusswaffen gedroht.

Obwohl es eine gefährliche Mission ist, ist Aline Watermann davon überzeugt: „Es hat mich so berührt und bewegt, wie drastisch die Lage ist.“ Sie habe Familie in Frankreich, kenne das Mittelmeer nur mit schönen Stränden: „Ich will nicht hinnehmen, dass da täglich so viele Menschen den Tod finden.“ Von Freunden und Verwandten wird sie in ihrem Vorhaben unterstützt. „Mein Partner macht sich natürlich auch Sorgen“, sagt Watermann. Schließlich gebe es in den Gewässern auch Piraterie.

Die 28-Jährige sagt selbst, dass sie einen „Wahnsinnsrespekt“ habe. Einerseits vor dem Zusammenleben mit der Crew für zwei Wochen auf einem engen Boot, aber vor allem vor den Rettungseinsätzen. Der Referentin für Entwicklungspolitik ist klar: „Ich weiß, dass ich die Welt nicht verändern werde.“ Das sei auch nicht ihr Anspruch, sagt sie: „Mein Anspruch ist, Menschen zu helfen und mein Möglichstes zu tun, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen.“

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