Wagen in Menschenmenge gelenkt
Amokfahrt: Tote bei Anschlag in Münster

Münster -

Ein Anschlag in Münsters Innenstadt hat drei Tote gefordert. Ein Bulli war am Samstag in eine Menschenmenge gerast. Am Abend stürmte ein Einsatzkommando die Wohnung des mutmaßlichen Täters.

Sonntag, 08.04.2018, 08:04 Uhr

Wagen in Menschenmenge gelenkt: Amokfahrt: Tote bei Anschlag in Münster
Die Polizei sperrte die Gegend rund um den Tatort ab, Verletzte wurden vor Ort notärztlich versorgt. Foto: Oliver Werner

Vor dem Restaurant "Großer Kiepenkerl" erfasste der Wagen mehrere Tische und Plätze. Zwei Personen wurden getötet, 20 Besucher wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Der Täter tötete sich kurze Zeit später.

Beim Täter soll es sich um einen polizeibekannten 48 Jahre alten Mann aus Münster handeln, der unter psychischen Krankheiten litt. Am Samstagabend stürmte ein Einsatzkommando eine Wohnung in Münsters Innenstadt in der weiteren Nähe des Hauptbahnhofs, dabei waren Explosionen zu hören. Im Auto des Täters befindet sich Sprengstoff, dieser wird entschärft.

Chaotische Momente

Zur Tatzeit war Münsters Innenstadt am ersten Frühlingstag des Jahres dicht gefüllt, Tausende Menschen genossen das schöne Wetter. Augenzeugen berichteten nach dem Anschlag von chaotischen Momenten voller Angst und Schrecken.

Zuerst hatte es Gerüchte gegeben, nach denen aus dem Tatauto - einem blauen VW Bulli - weitere Täter geflohen sein konnten. Dies bestätigte sich nicht.

Tote und Verletzte nach Anschlag am Kiepenkerl

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  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: privat
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Menschen stehen vor den Gaststätten Kiepenkerl, kurz nachdem ein Fahrzeug in das Straßencafe gefahren war. Foto: Stefan R./dpa
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Polizisten stehen an der Ecke Theißingstraße/Zumbroockstraße. In Münster sind am Samstag mehrere Menschen gestorben, als ein Auto in eine Menschenmenge fuhr. Foto: Ina Fassbender/dpa
  • Foto: David Young/dpa
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Am Abend nach der Bluttat in Münster versammelten sich Menschen am Aasee und entzündeten Kerzen. Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Steinfurter Straße

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Oliver Werner, Gunnar A. Pier, dpa
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Steinfurter Straße

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. Im Hintergrund die Lambertikirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. Im Hintergrund die Lambertikirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. Im Hintergrund die Lambertikirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. Im Hintergrund die Lambertikirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem Rathaus, Blick aus Richtung Domplatz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. Im Hintergrund die Lambertikirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem Rathaus, Blick aus Richtung Domplatz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Absperrung vor dem Dom.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem LWL-Landesmuseum.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem LWL-Landesmuseum / Blick Richtung Rothenburg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem LWL-Landesmuseum / Blick Richtung Rothenburg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem LWL-Landesmuseum / Blick Richtung Rothenburg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem LWL-Landesmuseum / Blick Richtung Rothenburg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Björn Meyer
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Am Samstagabend hatten Münsteraner ein Treffen am Aasee anberaumt, um an den Aaseekugeln für alle Betroffenen des Anschlags Kerzen zu entzünden.

    Foto: Anne Koslowski

Die örtlichen Einsatzkräfte lösten den Katastrophenfall aus. In der Innenstadt waren zu dem Zeitpunkt viele Polizisten präsent, die eine Demonstration begleiten sollten. Nach dem Anschlag eilten Hundertschaften und SEK-Kräfte nach Münster. Diese sperrten kurzzeitig die gesamte Stadt ab, schwer bewaffnete Polizisten forderten alle Passanten auf, die Innenstadt zu verlassen.

Krisenfall in Krankenhäusern

Oberbürgermeister Markus Lewe - ganz in schwarz gekleidet - zeigte sich völlig fassungslos. "Münster trauert um die Toten und wünscht den Verletzten schnelle Genesung. Wenn es sich um einen Anschlag gehandelt hat, werden wir alle zusammenstehen müssen und die Geisel der Gewalt besiegen. Wir als Friedensstaat sind besonders betroffen", sagte ein sichtlich erschütterter Oberbürgermeister.

Chronologie der Ereignisse

Hier der Newsticker zu den Ereignissen rund um den Anschlag.

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Wolfgang Heuer, Münsters Ordnungsdezernent ergänztet: Das ist das Schlimmste, was ich mir für unsere Stadt vorstellen kann. Das Notversorgungssystem der Stadt ist aktiviert und hat funktioniert.

Die Verletzten wurden in Münsters Kliniken versorgt. Viele Mitarbeiter wurden aus dem Wochenende in den Dienst gerufen. Bewohner und Ladeninhaber mussten ihre Häuser verlassen, es ist unklar, wann sie wieder in ihre Wohnungen zurück dürfen.

Polizei-Einsatz in Bahnhofsnähe

Am Abend stürmte ein Einsatzkommando die Wohnung des mutmaßlichen Täters in der Nähe der Friedrich-Ebert-Straße in der Nähe des münsterischen Hauptbahnhofs. Der Einsatzort wurde weiträumig abgesperrt.

Zeitgleich fuhr NRW-Innenminister Herbert Reul zum Tatort in Münsters Innenstadt. Dort wird noch immer das Tatauto untersucht, bisher konnten die beiden getöteten Opfer nicht geborgen werden.

Rechtsextremistischer Hintergrund?

Am späten Samstagabend sickern Informationen durch, wonach die Ermittler in der Wohnung von Jens R. Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund gefunden haben. Allerdings scheinen die zunächst nicht belastbar genug, um daraus eine extremistische Motivation für einen Anschlag abzuleiten.

Nach weiteren Informationen unserer Redaktion hat der in Nähe des Bahnhofs wohnende Industriedesigner zudem Zweitwohnungen in Ostdeutschland gehabt. Ob diese Wohnungen in Zusammenhang mit Kontakten des Täters in die rechtsextremistische Szene stehen, gilt jedoch noch als völlig unklar. Ungeachtet solcher Aspekte halten die Ermittler nach wie vor alle Möglichkeiten – dazu gehört auch eine Tat aus psychischen Problemen heraus - offen. 

Trauerversammlung am Aasee

Am Samstagabend versammelten sich Münsteraner, um gemeinsam zu trauern. In den sozialen Medien hatten Nutzer zu einer Trauerversammlung am Aasee aufgerufen. Ein paar Dutzend Menschen standen dort im Kreis um Kerzen.

Die Jugendkirche Effata in der Innenstadt nahe dem abgesperrten Bereich öffnete nach der Amokfahrt ihre Türen. Auf einer Leinwand hinter dem Altar stand: „Wir beten für die Opfer und ihre Angehörigen“.

Minister-Besuch am Sonntag 

Ministerpräsident Armin Laschet will sich am Sonntagvormittag selbst einen  Eindruck vom Tatort in Münster verschaffen. Wie unsere Redaktion aus Regierungskreisen erfuhr, will er in der Innenstadt auch den Einsatzkräften Respekt zollen, die schnell und engagiert geholfen haben.

Ebenso gelte der Besuch als ein Zeichen der Anerkennung für die vielen hilfsbereiten Bürgerinnen und Bürger, die überwältigend stark auf den Aufruf zum Blutspenden reagiert hatten. 

Ökumenischer Gottesdienst im St.-Paulus-Dom

Im St.-Paulus-Dom in Münster findet am Sonntagabend (8. April) um 19.30 Uhr ein Ökumenischer Gottesdienst mit Münsters Bischof Dr. Felix Genn statt. In dem Gottesdienst soll, wie es in der Einladung heißt, „für all diejenigen gebetet werden, deren Leben durch die Vorfälle am Samstag auf so schreckliche Weise aus den Angeln gehoben wurde.“

Die Einladung zu dem Gottesdienst wird gemeinsam ausgesprochen vom Bistum Münster, Evangelischen Kirchenkreis Münster, Stadtdekanat
Münster und von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Münster. Superintendent Ulf Schlien und Stadtdechant Jörg Hagemann betonen in der Einladung: „Gemeinsam wollen wir als christliche Kirchen den betroffenen Menschen in Münster einen Raum bieten. Wir möchten, dass all die, die wie wir, fassungslos vor so viel Gewalt stehen, nicht alleine sind. Der Gottesdienst will ein Angebot sein für alle Betroffenen und ihre Angehörigen, aber auch für alle, die geholfen haben. Er will Platz für Bitten, Zweifel und Hoffnung bieten.“

Neben dem Bischof, dem Superintendenten und dem Stadtdechanten werden auch Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, Dompropst Kurt Schulte und Annethres Schweder (ACK) den Gottesdienst mitgestalten. Er wird im Internet unter www.bistum-muenster.de sowie auf der Facebook-Seite
des Bistums live übertragen.

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