Notfallseelsorge
Die Feuerwehrleute für die Seele

Münster -

Wenn bei einem Anschlag wie am Samstag von Verletzten die Rede ist, dann sind damit in der Regel Brüche, Prellungen und Verstauchungen gemeint – keine seelischen Wunden. Um den kümmern sich die Notfallseelsorger. Deren Einsatz am Samstag war so groß, dass sie zunächst die Lage sondieren mussten, bevor sie sich um die Opfer kümmern konnten.

Montag, 09.04.2018, 15:04 Uhr

Pfarrerin Alexandra Hippchen
Pfarrerin Alexandra Hippchen Foto: Günter Benning

Sie sind die Feuerwehr für die Seele: Rund um den Tatort waren am Samstag und Sonntag auch Notfallseelsorger im Einsatz, die sich um Angehörige, Zeugen und Einsatzkräfte kümmern. Wir kommen, wenn wir gerufen werden, sagt Pfarrerin Alexandra Hippchen , Evangelische Koordinatorin Notfallbegleitung für die Stadt Münster. An Tagen wie Samstag fangen die ersten Helfer nicht gleich mit der Betreuung an, sondern sondieren die Lage: Wie viele Menschen brauchen Hilfe, wie viele Seelsorger sind nötig, wie intensiv ist die Unterstützung, die die Opfer brauchen.

Hippchen sagt; „Wir Menschen haben alle sehr gute Selbstheilungskräfte.“ Direkte Angehörige sind in den ersten Stunden nach so einer Tat voller Gefühle wie Zorn, Hilflosigkeit oder Fassungslosigkeit, sagt sie. „Wir versuchen sie über unsere Begleitung in die Trauer hineingleiten zu lassen.“ Aufgabe sei es, den Hinterbliebenen das Gefühl zu vermitteln, „dass sie nicht hilflos sind, dass sie ins Leben zurückfinden“. Alle Gefühle seien richtig, sagt sie. „Was mit den Menschen passiert, ist eine normale Reaktion auf ein völlig unnormales Ereignis. Das ist nicht krank, das ist richtig.“

Nach der Amokfahrt in Münster

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  • Blumen werden am Tatort niedergelegt, Kerzen angezündet: Ein Mann war am 07.04. mit einem Kleintransporter vor der Gaststätte «Großer Kiepenkerl» in der Altstadt in eine Gruppe von Menschen gerast und hat zwei von ihnen getötet.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, läuft am Sonntagvormittag zum Tatort.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: dpa
  • Der Täter steuerte nach vorliegenden Informationen den Platz, der dann zum Tatort wurde, über  die Straßenachse Bogenstraße/Spiekerhof an. Normalerweise ist eine Zufahrt von dieser Seite aber nicht möglich, da Poller die Zufahrt versperren.

    Erreichbar ist der Platz am Kiepenkerl sowie die benachbarte Straße „Wegesende“ nur über eine kleine Stichstraße, die zwischen der  Apostelkirche und dem Eiscafé Macellum verläuft. Diese Stichstraße ist derzeit wegen Bauarbeiten aber gesperrt. Ersatzweise wurde der Platz am Kiepenkerldenkmal nach Süden, also zum Spiekerhof hin geöffnet.

    Foto: dpa
  • Ein Moment absoluter Stille.

    Foto: Oliver Werner
  • Schweigend legen Horst Seehofer, Armin Laschet, NRW-Innenminister Reul und Oberbürgermeister Lewe Blumen am Tatort nieder.

    Foto: dpa
  • Nationale und internationale Medien sind versammelt, um die Stellungnahmen der Politiker aufzunehmen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Minister tragen sich ins Kondolenzbuch ein.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
  • Foto: dpa
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  • Ein Moment absoluter Stille. Schweigend legen Horst Seehofer, Armin Laschet, NRW-Innenminister Reul und Oberbürgermeister Lewe Blumen am Tatort nieder.

    Foto: dpa
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  • Auf fast allen Fußballplätzen in Münster fand am Sonntag eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der Amokfahrt vom Samstag statt. Mehrere Mannschaften, wie etwa Westfalenligist 1. FC Gievenbeck, trugen einen Trauerflor. auf dem Bild sind die Kicker von Westfalia Kinderhaus vor der Partie gegen den TuS Recke am Anstoßkreis zu sehen. 

    Foto: Thomas Rellmann
  • Foto: dpa
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  • Maria Dickmann: Ich habe heute die Stille in der Lamber-tikirche gesucht und Kerzen aufgestellt.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Hermann-Josef Danicki: Man darf nicht immer im Bewusst-sein haben, woher wohl das nächste Auto kommt.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Johanna Markmann: Ich bin das erste Mal seit Samstag in der Stadt. Es ist ein mulmiges Gefühl.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Ali Zandi: Wenn ich mit dem Taxi dort vorbeifahre, werde ich immer daran denken.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Gemischte Gefühle hat Dr. Rainer Zirbeck bei seiner Kaffeepause vor einem Café am Drubbel.

    Foto: Gabriele Hillmoth

Stefan Jürgens, Pfarrer der katholischen Heilig-Kreuz-Gemeinde, hat sich ebenfalls um einen Hinterbliebenen gekümmert. „Ich versuche Vertrauen aufzubauen, damit mein Gesprächspartner das rauslässt, was er erlebt hat“, sagt er. Aussprechen schaffe Distanz. Der Hinterbliebene habe danach jedenfalls wieder einen so klaren Kopf gehabt, dass er wusste, wen er anrufen soll. Das Personal in Krankenhäusern habe oft Angst, die Betroffenen anzusprechen. „Was sage ich denn jetzt?“. Entscheidend sei, sich nur auf den Menschen vor ihm zu konzentrieren und so zu versuchen, dessen Gefühlslage zu verstehen.

Zeugen, die nach dem Anschlag durch das Netz der Seelsorger gerutscht sind, rät Hippchen, sich auch jetzt noch bei der Polizei zu melden und zu sagen. „Ich war Zeuge, ich brauche Unterstützung.“ Opferschützer der Polizei könnten wichtige Helfer sein, ebenso der Hausarzt oder die Traumaambulanz etwa der Uni Münster.

Zum Thema

Telefon der Traumaambulanz der Uni Münster: 0251 83-34140

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