Hunderte im Paulus-Dom
Ökumenischer Gedenkgottesdienst nach Amokfahrt

Münster -

Trauernde, die sich in den Armen liegen, Retter in orangefarbenen und dunkelblauen Uniformen, Menschen mit Tränen in den Augen: Hunderte Gläubige haben am Sonntagabend während eines ökumenischen Gedenkgottesdienstes im münsterischen Dom der Opfer des Anschlags vom Samstag gedacht. 

Sonntag, 08.04.2018, 20:04 Uhr

Hunderte im Paulus-Dom: Ökumenischer Gedenkgottesdienst nach Amokfahrt
Hunderte Besucher kamen am Sonntagabend in den Paulus-Dom und nahmen am ökumenischen Gedenkgottesdienst für die Betroffenen der Amokfahrt teil. Foto: Ina Fassbender

Bischof Felix Genn machte keinen Hehl daraus, dass alle – ob gläubig oder nicht – mit „leeren Händen“ nach dem „furchtbare Geschehen“ in den Dom gekommen waren. Vor allem die Angehörigen ermunterte er, sich auch in diesem Leid von der „großartigen Solidarität stützen und tragen“ zu lassen, die die vielen Gläubigen durch ihre Anwesenheit in dem Gotteshaus bewiesen.

Im Mittelpunkt stand die Frage nach dem Warum. Warum in unserer Stadt mitten in diesem vollen Licht, fragte der Bischof in seiner Predigt. „Ich habe Schreie gehört“, hatte ihm ein Zeuge über den Samstagnachmittag berichtet. Wer so etwas erlebt, müsse seine Hilflosigkeit artikulieren, seine Wut, seine Trauer, nach Hilfe, nach Menschen, die einen festhalten, sagte er.

Bischof Genn wendet sich an Betroffene und Angehörige der Opfer

Er erinnerte an die trauernden Hinterbliebenen der Opfer, die Schwerverletzten, die immer noch um ihr Leben ringen, die Opfer, die geschockt sind. Genn dankte den Notärzten, den Hilfskräften, den Feuerwehrleuten, den Polizisten, den Notfallseelsorgern: „Was können wir dankbar sein für eine solche solidarische Gemeinschaft.“

Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer

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  • Mit brennenden Kerzen und gemeinsamem Gebet...

    Foto: Friso Gentsch
  • ... haben Hunderte von Menschen im Paulusdom zu Münster am Sonntagabend der Opfer der Amokfahrt gedacht.

    Foto: Friso Gentsch
  • Die rund 700 Sitzplätze im Dom waren voll besetzt, dicht gedrängt füllten weitere Besucher das Kirchenschiff.

    Foto: Ina Fassbender
  • Zu den Gästen gehörten auch Rettungssanitäter,

    Foto: Ina Fassbender
  • ... Notfallärzte und Feuerwehrleute...

    Foto: Friso Gentsch
  • ... die am Samstag im Einsatz waren, als ein Amokfahrer in eine Menschenmenge raste, zwei Menschen in den Tod riss und sich erschoss.

    Foto: Ina Fassbender
  • „Lassen Sie sich auch in ihrem schweren Leid von dieser großartigen Solidarität stützen und tragen“, sagte Bischof Genn an die Betroffenen und die Angehörigen der Opfer gewandt.

    Foto: Ina Fassbender
  • An fünf großen Kerzen aus dem Altarraum entzündeten die Besucher Hunderte von kleinen Kerzen...

    Foto: Friso Gentsch
  • ...und trugen so das Licht in die gesamte Kirche, später wurden die Kerzen vor dem Dom abgelegt.

    Foto: Friso Gentsch
  • Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe kommt zum Dom, in dem ein Trauergottesdienst stattfindet.

    Foto: Friso Gentsch
  • Rettungskräfte und andere Gottesdienstbesucher gehen in den Dom, in dem später ein Trauergottesdienst stattfindet.

    Foto: Friso Gentsch
  • Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer Foto: Oliver Werner
  • Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer Foto: Oliver Werner
  • Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer Foto: Oliver Werner
  • Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer Foto: Oliver Werner
  • Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer Foto: Oliver Werner
  • Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer Foto: Oliver Werner
  • Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer Foto: Oliver Werner
  • Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer Foto: Oliver Werner
  • Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer Foto: Oliver Werner
  • Gottesdienst nach Amokfahrt in Münster in Gedenken an Opfer Foto: Oliver Werner

Genns Worten zufolge braucht ein Schrei nach dem Warum einen Ort, wo er mit anderen zusammen ausgehalten werden kann. Und er fragte: „Dürfen wir es wagen, angesichts dessen, was er angerichtet hat, im Herzen des Fahrers einen Schrei der Wunde und der Nichtantwort zu vermuten?“ Und den nicht gläubigen Trauernden sagt er, Glaubende seien keine Agentur, die auf die Fragen nach dem Warum immer eine Antwort parat hätten.

Viele kleine Kerzen entzündet

Münsters Stadtdechant Jörg Hagemann fragte: „Warum die Menschen, die mir so nahe sind? Warum ist ein Mensch so, dass er so etwas Schreckliches tut?“ Eine Möglichkeit für die Betroffenen sei, „gemeinsam zu sein, miteinander zu trauern, zu hoffen, verzahnt zu sein, zu fragen und wütend zu sein, miteinander durch das kleine Zeichen des Lichtes der Osterkerze als Gemeinschaft in das Dunkle hineinzubringen“, wie er es formulierte.

Als Zeichen dafür entzündeten die Menschen im Dom viele kleine Kerzen, die in ihrem Zuhause an die Solidarität erinnern und deren kleine Flammen in das Dunkle hineinleuchten sollten. Und zusätzlich schmetterten die Menschen im Dom ihrer Angst, ihrer Trauer und dem Elend durch den Anschlag ein kraftvolles und trotziges „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ entgegen.

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