Münsteraner nach Amokfahrt als Täter verunglimpft
Von rechter Hetze überrollt

Münster -

Als Jens R. am Samstag in Münster in die am Kiepenkerl sitzenden Menschen rast und zwei Leben auslöscht, befindet sich Daria 750 Kilometer weit entfernt vom Tatort. Und doch ist auch der derzeit in Wien lebende Münsteraner Opfer der Ereignisse in seiner Heimatstadt geworden – überrollt von einer Lawine aus Verleumdung und rassistischen Beleidigungen.

Freitag, 13.04.2018, 06:04 Uhr

Auch am Donnerstag stand es noch auf der Seite des AfD-Bundestagskandidaten Martin Schaefer: das Bild, das nachweislich nicht den Amokfahrer von Münster zeigt, dies aber suggerieren sollAuch am Donnerstag stand es noch auf der Seite des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Schaefer: das Bild, das nachweislich nicht den Amokfahrer von Münster zeigt, dies aber suggeriert..
Auch am Donnerstag stand es noch auf der Seite des AfD-Bundestagskandidaten Martin Schaefer: das Bild, das nachweislich nicht den Amokfahrer von Münster zeigt, dies aber suggerieren soll. Foto: Gunnar A. Pier

Ein völlig aus dem Zusammenhang gerissenes und in kürzester Zeit weltweit zehntausendfach bei Facebook geteiltes Bild von Eameri wird von rechten Kreisen – unter anderem einem AfD-Bundestagskandidaten – missbraucht, um ihn als angeblichen Amokfahrer von Münster zu verunglimpfen. Es soll suggerieren, dass der Täter wohl kaum ein „echter“ Deutscher sein könne.

Telefoninterview in Österreich löst Lawine aus

„Was in den letzten Tagen passiert ist, hat mich ziemlich fassungslos gemacht“, berichtet der 29-Jährige, dessen Eltern in Münster leben. Sein gerade kaum enden wollender Alptraum beginnt am Samstag mit einem Gefallen, um den ihn ein ehemaliger WG-Mitbewohner – inzwischen Mitarbeiter des österreichischen Senders oe24.TV – bittet.

Im Zuge der Berichterstattung über die Amokfahrt wird Daria Eameri für ein kurzes Telefoninterview samt Bild zugeschaltet und beschreibt als „Ortskundiger“ die City von Münster. Der gebürtige Deutsche mit iranischen Wurzeln ahnt nicht, welche Folgen das haben soll. Sie zeigen, wie skrupellos viele AfD-Politiker und Anhänger rassistischen Gedankenguts agieren, um ihre Hass-Propaganda zu verbreiten.

Chronologie der Amokfahrt in Bildern

1/42
  • Samstag, 7. April, 15.27: Ein silberfarbener Camping-Bus rast auf den Platz am Kiepenkerl. Am ersten schönen Frühlingstag sitzen zahlreiche Menschen auf dem Platz vor der Gaststätte Kiepenkerl. Die Amokfahrt eines Mannes macht aus dem gutbürgerlichen Idyll eine grauenvolle Szenerie: Zwei Menschen kommen ums Leben, über 20 werden zum Teil schwer verletzt. Der Täter erschießt sich nach der Tat selbst.

    Foto: Stephan R./dpa
  • Kurz nach der Tat herrscht Chaos auf dem Platz. Passanten leisten den Verletzten Erste Hilfe.

    Foto: privat
  • Schnell sind die Einsatzkräfte der Polizei und der Feuerwehr vor Ort. Die Erstversorgung läuft wenige Minuten nach der Tat an. Weil fast zeitgleich eine Demonstration von 1500 Kurden in Münster beginnen soll, befinden sich zahlreiche Polizeikräfte in der Stadt, die zum Einsatzort am Kiepenkerl eilen.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf dieser Straße fuhr der Täter am Samstag mit seinem Campingbus bis zum Kiepenkerl-Denkmal. Foto: imago stock&people (Archiv) / Grafik Jürgen Christ
  • Nach der Erstversorgung werden die Verletzten in die Krankenhäuser der Stadt gebracht.

    Foto: Oliver Werner
  • Zunächst ist nur der unmittelbare Bereich um den Tatort abgesperrt...

    Foto: Oliver Werner
  • ... doch nach und nach macht die Polizei die gesamte Innenstadt zur Sperrzone. Denn die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar.

    Foto: Oliver Werner
  • War es ein islamistischer Anschlag? Sind weitere Täter auf der Flucht? Die Gerüchte schießen eine Stunde nach der Tat ins Kraut.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Weil die Einsatzlage zunächst unklar ist, mobilisiert die Polizei mehrere Hundertschaften, die sich vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammeln.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Domplatz wird zum Sammelpunkt der Einsatzkräfte. Auch schwer bewaffnete Spezialkräfte der Polizei sind vor Ort.

    Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Was schnell klar ist: Die meisten Schwerverletzten der Amokfahrt kommen nach Angaben der Uniklinik Münster (UKM) aus dem Münsterland, aber auch aus Hamm, dem niedersächsischen Vechta und den Niederlanden.

    Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Auf dem Schlossplatz sind derweil einige Rettungshubschrauber gelandet. In den ersten Stunden nach der Tat sind laufend Hubschraubermotoren zu hören.

    Foto: Jürgen Grimmelt
  • Ein Inder hält sich in der Sperrzone auf und versteht die Anweisungen der Polizei nicht. Da die Gefahrenlage zu dem Zeitpunkt nicht geklärt ist, fordern die in alle Richtungen ermittelnden Beamten den Mann auf, sich auf den Boden zu legen, wie in einem Video zu sehen ist, das kurz nach der Tat im Netz kursiert. Schnell stellt sich heraus: Der Mann aus Indien hat nichts mit der Sache zu tun.

    Foto: Screenshot/privat
  • Schlange stehen, um zu helfen: Das Uniklinikum ruft am frühen Samstagabend zur Blutspende für die Verletzten auf. Prompt kommen 300 Münsteraner an die Domagkstraße. Bis nach Mitternacht wird schließlich 175 Freiwilligen Blut abgenommen. Überwältigt von der Solidarität bedankt sich das UKM später bei den Helfern.

    Foto: Maren Baars
  • Noch am Samstag ist die Identität des Amokfahrers geklärt: Jens R., wohnhaft in Münster, 48 Jahre alt, Industriedesigner, geboren in Olsberg (Sauerland). Im Laufe des Abends verdichten sich die Anzeichen, dass der von der Polizei als psychisch labil eingestufte Mann allein gehandelt hat. Das Motiv bleibt jedoch zunächst unklar.

    Foto: Privat
  • Polizisten durchsuchen bereits am Samstagabend die Wohnung des Täters in der Zumbroockstraße. Am Sonntag setzen sie die Suche fort. Dabei entdeckten die Ermittler mehrere Gasflaschen, Kanister mit Bioethanol und Benzin sowie eine Deko-Waffe und Polen-Böller. Hinweise auf eine politisch motivierte Tat werden nicht entdeckt.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Die Spurensicherung ist auch am späten Samstagabend noch am Tatort. Die Beamten haben außerdem Sprengstoffexperten hinzugezogen. In dem Fahrzeug befindet sich ein verdächtiger Gegenstand...

    Foto: Marius Becker/dpa
  • ... der sich aber als ungefährlich herausstellt. Das Fahrzeug des Täters wird erst in der Nacht zu Sonntag abgeschleppt.

    Foto: David Young/dpa
  • Sichtlich mitgenommen sieht Oberbürgermeister Markus Lewe am späten Samstagabend aus. In Interviews drückt er sein Beileid aus, zeigt sich tief betroffen und lobt die Solidarität der Münsteraner.

    Foto: Oliver Werner
  • Am Aasee trafen sich nach einem Aufruf in sozialen Netzwerken am Abend spontan einige Menschen, um Kerzen für die Opfer niederzulegen. Foto: dpa
  • Am Tag danach dominiert Trauer und Fassungslosigkeit die Stadt.

    Foto: Oliver Werner
  • Der Platz am Kiepenkerl ist am Sonntagmorgen zunächst noch abgesperrt,...

    Foto: Wilfried Gerharz
  • ...der Rest der Innenstadt ist aber wieder frei zugänglich.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Als der Kiepenkerl-Platz freigegeben wird, hinterlegen die ersten Passanten Blumen. Viele können das Geschehene immer noch nicht fassen.

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Am Sonntagmittag kommt Politikprominenz zur Gedenkminute an den Tatort: (v.l.) Münsters Oberbürgermeister, Markus Lewe, NRW-Innenminister Herbert Reul, Bundesinnenminister Horst Seehofer und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet gedenken der Opfer...

    Foto: Marius Becker/dpa
  • ... und tragen sich ins Kondolenzbuch im Rathaus ein.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Unter dem Spruch "In stiller Trauer" sieht man die Unterschriften der Politiker.

    Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Die Amokfahrt ruft zahlreiche Medienvertreter auf den Plan. Hier ist Bundesinnenminister Horst Seehofer umringt von Kameras und Mikrofonen.

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Am Sonntagabend nehmen 1500 Menschen an einem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Paulus-Dom teil.

    Foto: Ina Fassbender/dpa
  • Der Andrang ist riesig: Im Dom müssen die meisten Gottesdienstbesucher stehen.

    Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Zu den zahlreichen prominenten Besuchern gehören auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (2.v.l.) und Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (r.)

    Foto: Oliver Werner
  • Bischof Felix Genn (2.v.r.) und Münsters Superintendent Ulf Schlien entzünden während des Gottesdienstes Kerzen.

    Foto: Oliver Werner
  • Viele weitere Gottesdienstbesucher entzünden Kerzen und stellen sie vor dem Dom ab.

    Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Auch vor dem Kiepenkerl-Denkmal werden Kerzen angezündet und Blumen abgelegt.

    Foto: Ina Fassbender/dpa
  • Am Montagmorgen hält Oberbürgermeister Markus Lewe noch einmal vor dem Meer aus Blumen und Kerzen vor dem Kiepenkerl inne.

    Foto: Guido Kirchner
  • Karl Hans-Joachim Kunze steht, nachdem das SEK in der Nacht zum Sonntag seine Wohnung in Pirna gestürmt hat, mit den Teilen des Türschlosses vor seiner Wohnungstür. Jens R. hatte einst dort gewohnt. In einer anderen Wohnung des Täters, ebenfalls bei Dresden, finden Ermittler am Sonntag ein 18-seitiges Schreiben. Dabei handelt es sich um eine Art „Lebensbeichte“, die Hinweise auf suizidale Gedanken von Jens R. geben.

    Foto: Daniel Förster
  • Thomas van den Hooven (Pflegedirektor UKM, v.l.), Prof. Dr. Robert Nitsch (Ärztlicher Direktor UKM) und Prof. Dr. Michael Raschke (stellvertretender Ärztlicher Direktor UKM) informieren während einer Pressekonferenz am Sonntag über die Patienten. Drei Schwerstverletzte werden zu dem Zeitpunkt im UKM behandelt, zwei weitere im Clemenshospital. Später am Tag wird bekannt, dass auch Chiara Hoenhorst, eine Volleyballspielerin des USC Münster, durch die Amokfahrt schwer verletzt wurde.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch am Dienstag sind vor dem Kiepenkerl Trauerbekundungen zu sehen. Die Gaststätte kündigt an, auf Wunsch der Belegschaft am Mittwoch wieder zu öffnen.

    Foto: Oliver Werner
  • Passanten halten am Dienstag am Tatort inne und gedenken der Opfer.

    Foto: Oliver Werner
  • Vor der Bezirksregierung hängen die Flaggen weiter auf Halbmast.

    Foto: Oliver Werner
  • Eine Stadt steht zusammen: Auch drei Tage nach der Amokfahrt drücken die Münsteraner an vielen Orten und auf verschiedene Arten ihr Mitgefühl gegenüber den Betroffenen aus.

    Foto: Oliver Werner
  • Hätte die Amokfahrt von Münster verhindert werden können? Hätten die Gesundheitsbehörden eingreifen müssen? Nein, sagt Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (2.v.l.) entschieden auf einer Pressekonferenz am Dienstagmittag. Die Amokfahrt von Münster hätte nach Einschätzung von Lewe nicht verhindert werden können.

    Foto: Oliver Werner

Foto aus Zusammenhang gerissen

Ein Facebook-Nutzer namens „Franck Haase“ fotografiert offenbar den Bildschirm in dem Moment ab, als unter dem Foto „Auto rast in Menschenmenge“ eingeblendet wird. Dieses Bild postet er am Sonntag unverpixelt bei Facebook mit einem „Stocksauer-Emoji“ und dem zynischen Kommentar: „Hier ein Foto vom psychisch gestörten ,deutschen’ Jens, der für das Attentat in Münster verantwortlich ist. Was fällt Euch dabei auf???“

Offenbar eine Anspielung auf Eameris dunkle Haare, dunkleren Teint und Bart. Ganz abgesehen davon, dass das nichts aussagt: „Ich bin in Deutschland geboren, in einen christlichen Kindergarten gegangen und in einer christlich-deutschen Gesellschaft aufgewachsen. Aber plötzlich bist du der ,böse’ Muslim“, so Eameri. „Diese Leute instrumentalisieren nur meine physischen Merkmale“.

Und das wirkt bei Menschen, die damit ihr verqueres Weltbild untermauert sehen. Die Falschmeldung von „Franck Haase“ verbreitet sich wie in einem Schneeballsystem rasend schnell. Als der Münsteraner davon am Montag erfährt, trifft es ihn wie ein Schlag. „Ich war den Tränen nahe, hatte richtig Angst, dass das für mich gefährlich wird“, erzählt der 29-Jährige von seinen ersten Reaktionen.

Ich saß vor dem Laptop und habe fassungslos beobachtet, wie das Bild praktisch im Minutentakt weiter geteilt wurde.

Daria Eameri

„Von ähnlichen Fällen habe ich ja schon gehört. Aber wenn Du es plötzlich am eigenen Leib erfährst, bekommt es eine ganz andere Relevanz“, verdeutlicht er. „Ich saß vor dem Laptop und habe fassungslos beobachtet, wie das Bild praktisch im Minutentakt weiter geteilt wurde.“ Gefolgt von Hass-Kommentaren wie „osmanischer Eseltreiber!“ oder „typisch arische Gesichtszüge“.

„Für manche ist es aus der Distanz offenbar leicht, einfach etwas einzutippen, ohne darüber nachzudenken, was sie damit anderen antun“, gibt Eameri zu bedenken. „Und du kannst es nicht stoppen“, beschreibt er das Gefühl der Ohnmacht, das ihn beschlichen hat, und merkt sarkastisch an: „Bei Facebook erreichst du ja niemanden . . .“

Ohnmacht gegenüber Facebook

Kein Ansprechpartner, keine Hotline. Was tun? Der Versuch, sämtliche geteilte Fotos über die entsprechenden Funktion bei Facebook als „unangemessen“ zu melden, entpuppt sich nicht nur angesichts der Menge als aussichtslos. Denn die automatisch generierte Standard-Antwort muss dem Münsteraner wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen.

Lapidar wird – verbunden mit dem Dank für den Hinweis auf das beanstandete Foto – erklärt, die Prüfung habe keinen Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards ergeben. Dazu die nützlichen Ratschläge, den Beitrag doch in seiner persönlichen Timeline zu verbergen (nach dem Motto „aus den eigenen Augen, aus dem Sinn“), gegebenenfalls den Verfasser aus seiner Freundesliste zu entfernen, bloß nicht auf Beleidigungen zu reagieren (weil die Verfasser dann erst recht nicht aufhören), sich seelische Unterstützung bei Freunden zu holen oder sich notfalls bei gefühlter akuter Gefahr an die „örtlichen Behörden“ zu wenden. Bei so viel Einfühlungsvermögen und effektiver Hilfestellung kann man da nur sagen: Danke, Facebook!

Die automatisch generierte Antwort von Facebook.

Die automatisch generierte Antwort von Facebook. Foto: Screenshot

Währenddessen verbreiten weitere Trittbrettfahrer seit Sonntag das Foto in der Ursprungsversion oder neuen Varianten weiter. Darunter ist auch der AfD-Politiker Sandro Scheer aus Göppingen, der dazu kommentiert: „Das ist also Jens R. Deutscher. Ich erinnere mich noch sehr gut am Anis Amri. Da war mehrere Tage ein polnischer LKW Fahrer der Täter hätte man den Verantwortlichen geglaubt.“ (sic)

Erst nach über 24 Stunden entfernt er den Post und gibt sich gegenüber der Südwest Presse kleinlaut: Ihm sei nicht bewusst gewesen, Persönlichkeitsrechte verletzt zu haben. Er habe geglaubt, dass das Foto tatsächlich den Täter gezeigt habe und von der Polizei freigegeben worden sei. „Ich muss das nächste Mal besser reflektieren“, beteuert er scheinbar reumütig.

AfD-Bundestagskandidat beteiligt sich an Verleumdung

Dass ein unschuldiger Mensch zu unrecht verunglimpft wird, scheint andere geistige Brandstifter wie unter anderem den Sauerländer AfD-Bundestagskandidaten Martin Schaefer aber auch dann noch nicht zu interessieren, wenn selbst bei noch so vermeintlich naiver Nachlässigkeit keinerlei Zweifel mehr daran bestehen kann. Noch am Donnerstag zeigt Schaefer das Bild mit dem Spruch „Jens R.: Ein typisch deutscher Sauerländer!“ auf seiner Facebook-Seite. Anderswo – wie bei Sandro Scheer – sind Posts inzwischen zum Teil gelöscht.

Mehr zum Thema

Das Profil von „Franck Haase“ ist zumindest zwischenzeitlich nicht mehr aufrufbar und nun um den Post, der die Hetze gegen Eameri ausgelöst hat, bereinigt – vielleicht auch deshalb, weil der Münsteraner Strafanzeigen gestellt hat. Er hat dafür zahlreiche Screenshots angefertigt, Namen notiert und sich anwaltliche Hilfe genommen. Darüber, dass es aber wohl niemals mehr gelingen wird, die Verleumdung gänzlich aus dem Netz zu tilgen, macht sich der Münsteraner allerdings keine Illusionen.

Viel Unterstützung erfahren

Doch es gibt auch Erfahrungen, die Eameri hoffnungsvoll stimmen: Die enorme Unterstützung, die er in den letzten Tagen von vielen Seiten – Medien, die über die dreiste Verleumdung berichten, Facebook-Nutzer, die den Hetzern Contra geben, Fremde, die ihm Mut zusprechen – erfahren hat, beeindruckt ihn. „Zum Glück gibt es viele Menschen, die die Lügen durchschauen.“

Das erleichtert es auch seinen in Münster lebenden Eltern, die belastenden Erfahrungen zu verarbeiten. „Sie sind vor vielen Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen und haben mir damit ein sicheres Leben ermöglicht. Jetzt machen sie sich richtig Sorgen“, sagt der 29-Jährige, dessen Mutter während seines Interviews am Samstag übrigens in der Radiologie der Uniklinik in Münster damit beschäftigt war, bei der Versorgung von Verletzten der Amokfahrt zu helfen.

Für Daria Eameri steht fest: „Ich versuche, aus einer schlechten Erfahrung eine gute zu machen. Wenn mein Fall hilft, anderen die Augen zu öffnen, dann hat es wenigsten etwas Gutes gehabt.“

► Eine genaue Chronologie der Ereignisse („Wo sich der Hass entlädt“) gibt es hier

Hinweis: In einer früheren Version ist Martin Schaefer zunächst versehentlich als AfD-Bundestagsabgeordneter genannt worden. Richtig ist, dass er Kandidat der AfD für die Bundestagswahl 2017 war.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5657186?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Wohn- und Stadtbau soll es richten
Auf dem Gelände der York-Kaserne in Gremmendorf sollen 1800 Wohnungen gebaut werden. Die Vorgaben für Sozialwohnungen konzentrieren sich auf die Bereiche, die vom städtischen Unternehmen Wohn- und Stadtbau entwickelt werden.
Nachrichten-Ticker