Friedens-Ausstellung
Glocke aus eingeschmolzenen Waffen in Münster angekommen

Münster -

In dieser Glocke steckt Geschichte: Aus mehr als 1500 zerstörten Waffen wurde die Friedens- und Freiheitsglocke Dessau gegossen. Jetzt steht sie für einige Monate vor dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster.

Donnerstag, 19.04.2018, 17:04 Uhr

Friedens-Ausstellung: Glocke aus eingeschmolzenen Waffen in Münster angekommen
Prof. Dr. Thomas Flammer, Projektleiter der Bistumsausstellung, Organisator Lothar Ehm, und Museumsdirektor Dr. Hermann Arnold (v.l.) stehen neben der mannshohen Friedensglocke. Foto: Oliver Werner

Mit der Friedens- und Freiheitsglocke Dessau kommt ein Ausstellungsstück vor das Kunstmuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), das deutsche Geschichte geschrieben hat. Anlässlich der Ausstellung "Frieden. Von der Antike bis heute" (28.4.-02.09.2018) ist die Glocke in den nächsten Monaten vor dem Eingang am Domplatz zu sehen, wie der LWL in einer Pressemitteilung schreibt.

Als Zeichen des Friedens und der Freiheit hängt die Glocke seit 2002 auf dem Platz der Deutschen Einheit in der Innenstadt von Dessau. Erstmals verlässt jetzt die Glocke ihren geschichtsträchtigen Ort und kommt während der Laufzeit der Ausstellung nach Münster. Das vier Tonnen schwere Exponat besteht aus Hunderten von Waffen der Nationalen Volksarmee der ehemaligen DDR. 1250 Sturmgewehre, 174 Maschinengewehre, 87 Panzerbüchsen und 171 Pistolen wurden 1990 zerstört. Ein Panzer überrollte die Waffen und machte sie dadurch unschädlich. Der eingeschmolzene Waffenstahl wurde 2002 durch Spendensammlungen des Kuratoriums "Friedensglocke Dessau e.V." nach Entwürfen des Glockengießmeisters Rudolf Perner zu einer Glocke gegossen. Die Inschrift lautet: "Ich läute für Frieden und Freiheit + Ohne Freiheit kein Frieden + Ohne Frieden keine Freiheit + Keine Gewalt". Diese Worte weisen auf die Wende in der DDR im Herbst 1989 hin.

Die fünf geplanten Friedens-Ausstellungen

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  • LWL-Museum für Kunst und Kultur
    Bilder vom Frieden - Wege zum Frieden

    Das LWL-Museum für Kunst und Kultur zeigt Bilder vom Frieden und jene, die die Wege zum Frieden veranschaulichen. Seit Menschengedenken weckt das Ideal einer aggressionsfreien Welt Sehnsüchte, Hoffnungen und Bilder, die in Bildthemen wie Das goldene Zeitalter, Paradiesvorstellungen und der Orpheus-Thematik als Friedensutopien lesbar sind. Namhafte Künstler wie Rubens, Goya, Picasso, Dix, Kollwitz haben sehr unterschiedlich mit der Bedeutung von Frieden gearbeitet. Ebenso werden bedeutsame Friedensschlüsse wie der Friede von Venedig (1177), der Westfälische Friede (1648) oder der Friedensvertrag von Versailles (1919) gezeigt, aber auch Friedensbilder der jüngeren Zeitgeschichte (z. B. Camp David, 1978). 

    Foto: Matthias Ahlke
  • Archäologisches Museum
    Eirene / Pax - Friede in der Antike
    In der Ausstellung des Archäologiemuseums Münster rückt der Frieden in eine göttliche Sphäre: Die Friedensgöttin und Tochter von Zeus und Themis, Eirene, überwacht die Friedensverträge zwischen Städten und Bundesstaaten. Ihre Figur wird bereits im 4. Jh. v. Chr. mit Bildern verehrt, was in der Statue der Göttin des Bildhauers Kephisodot zum Ausdruck kommt. Zu Beginn der Kaiserzeit gelangt die Friedensgöttin Pax durch die Friedenspropaganda Augustus' zu besonderer Ehre. Hochwertige Objekte der Kleinkunst, wie z. B. Abgüsse der Gemma Augustea, der Statue des Augustus von Primaporta und das Modell des Marsfeldes in Rom veranschaulichen diese Ära. 

    Foto: Oliver Werner
  • Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
    Picasso - Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube
    Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster veranschaulicht Picassos intensive künstlerische Auseinandersetzung mit Krieg und Frieden. Für den ersten Weltfriedenskongress 1949 entwarf er eine Taube, die sich in der Folgezeit zu einem wirkungsmächtigen Friedenssymbol entwickelte. Die Ausstellung im Picasso-Museum präsentiert verschiedene Variationen der Taube und thematisiert darüber hinaus die Rezeptionsgeschichte seiner Friedensbilder: von Bertolt Brechts Verwendung der Friedenstaube für das Berliner Ensemble über die ideologische Umdeutung von Picassos Kunst durch die DDR-Propaganda bis hin zu den US-amerikanischen Anti-Vietnamkriegs-Demonstrationen wie dem legendären "March on Washington" im Jahr 1969, für den Picassos Lithografie "Der Krieg" als offizielles Plakatmotiv diente. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stadtmuseum Münster
    Der Westfälische Frieden im Wandel der Stadtgesellschaft 
    Die Ausstellung widmet sich der Rezeptionsgeschichte des Westfälischen Friedens, wobei die Jubiläen 1748, 1848, 1898 und 1948 im Fokus stehen. Erst 1898 zum 250. Jubiläum gab es von offizieller Seite einige wenige Aktivitäten, um des Westfälischen Friedens zu gedenken, wohingegen Fritz Grotemeyer das monumentale Gemälde "Die Friedensverhandlungen 1648 im Rathaus" auf eigene Initiative schuf. 
    Die Nationalsozialisten planten, den 300. Jahrestag 1948 für ihre Zwecke zu nutzen. Die aus diesem Anlass 1940 gefertigten, zum Teil erhaltenen Kopien historischer Gemälde und die fotografische Dokumentation geben Einblick in die nie eröffnete Ausstellung.
    Im Oktober 1948 wurde eine Gedenkwoche begangen, deren Dokumentation durch Fotografien und Andenken, vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, eine Umbewertung des Westfälischen Friedens zum Einigungsfrieden verdeutlicht.

    Foto: Matthias Ahlke (Archiv)
  • Das Bistum Münster zu Gast im LWL-Museum für Kunst und Kultur
    Frieden. Wie im Himmel so auf Erden?
    Das Bistum beteiligt sich mit diesem Ausstellungsteil und blickt auf die Vorstellungen vom Frieden im Christentum. Über 100 Objekte aus Kunst- und Kulturgeschichte beleuchten den Wandel und die Wirkung christlicher Ideen des Friedens von der Spätantike bis heute. Die Ausstellung soll den Zwiespalt zwischen Ideal und Wirklichkeit beleuchten. Die Präsentation gibt überraschende Einblicke in das schmerzhaft aktuelle Thema. Wo und wie können religiöse Vorstellungen zur Wahrung des Friedens heute beitragen? 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Kooperationsvertrag für das Ausstellungsprojekt "Frieden. Von der Antike bis heute" wurde am 28. April 2017 im Friedenssaal unterzeichnet: Prof. Dr. Dieter Salzmann, Prof. Dr. Gerd Althoff, Matthias Löb, Dr. Hermann Arnhold, Dr. Barbara Rommé, Prof. Dr. Johannes Wessels, Markus Lewe, Prof. Dr. Thomas, Andrea Hagemann, Dr. Norbert Köster, Prof. Dr. Markus Müller und Prof. Dr. Achim Lichtenberger. (v. l.).

    Foto: LWL/Hanna Neander

Die Idee zu der ungewöhnlichen Ausleihe hatte das Bistum Münster, einer der fünf Ausstellungspartner, das im Altbau des Museums seine Ausstellung "Frieden. Wie im Himmel so auf Erden?" zeigt. Der Projektleiter der Bistums-Ausstellung, Prof. Dr. Thomas Flammer: "Die Dessauer Friedensglocke ist ein sichtbares Zeichen für die Ausstellungskooperation, die sich nicht auf die Museumsräume beschränkt, sondern auch im öffentlichen Raum sichtbar wird." Der Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur, Dr. Hermann Arnhold, weist auf die Tradition des Hauses hin, Ausstellungsstücke auch außerhalb der Institution Museum zu zeigen. "Mit der Kunst auf die Vorplätze des Museums zu gehen, kommt bei den meisten Besucherinnen und Besuchern gut an, wie wir bei den Ausstellungen "Henry Moore" und "Homosexualitäten" erlebt haben. Es hält das Museum lebendig und offen." 
Seit 16 Jahren ruft die Friedensglocke auf dem Platz der Deutschen Einheit in Dessau zu Friedensgebeten und Diskussionsrunden zu aktuellen politischen Themen ein. "Die Glocke ruft in prägnanter Weise den fragilen historischen Moment vom Ende des SED-Regimes und der trotz aller Spannungen friedlichen Wende ins Bewusstsein", so Flammer.

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