Konzerthalle
Musikcampus spaltet die Gemüter

Münster -

Zehn Jahre nach der krachenden Ablehnung für eine Musikhalle in Münster durch einen Bürgerentscheid steht das bereits jahrzehntelang diskutierte Thema weiter auf der Agenda der Kommunalpolitik sowie privater Interessengruppen. Grund für die SPD-Ratsfraktion, Vertreter von drei Interessensströmungen in dieser Frage zu einer Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend einzuladen.

Freitag, 27.04.2018, 21:32 Uhr

Diskutierten über Konzerthalle und Musikcampus (v.l.): Bernward Tuchmann, Beate Vilhjalmsson, Prof. Dr. Johann Wessels und Ulrich Krüger
Diskutierten über Konzerthalle und Musikcampus (v.l.): Bernward Tuchmann, Beate Vilhjalmsson, Prof. Dr. Johann Wessels und Ulrich Krüger Foto: Benjamin Scholz

Ziel war es, gemeinsame Schnittmengen zwischen den einzelnen Interessenvertretern auszuloten und die Ansichten von Bürgerinnen und Bürgern zu dem Thema zu hören.

Doch abseits des Grundkonsenses, dass die Musik in Münster stärker gefördert werden müsse, zeigten sich zwei grundlegend unterschiedliche Positionen. Auf der einen Seite argumentierte der Kulturberater Bernward Tuchmann für das Kultur- und Bildungsforum (KBF), in dem auch ein potenzieller Investor vertreten ist. Er sprach sich für eine Konzerthalle auf dem Hörsterplatz aus.

„Wir wollen eine starke inhaltliche Komponente, die Münster kulturell wieder nach vorne bringt“, sagte Tuchmann. Die von Oberbürgermeister Markus Lewe unterstützte Idee eines Musikcampus an der Hittorfstraße, der von Stadt und Universität auf der Basis eines Betriebskonzeptes gemeinsam genutzt wird, kritisierte er. „Münster ist nur dann ein konkurrenzfähiger Standort, wenn es keine Zusammenarbeit mit der Universität gibt“, begründete Tuchmann seine Ablehnung der Pläne.

Frage bleibt umstritten

„Gute Konzerte brauchen langjährige Planung.“ Dies sei nicht möglich, wenn die Stadt keine Steuerungsmöglichkeiten hat. Auf der anderen Seite trat Prof. Dr. Johannes Wessels, Rektor der Universität Münster, vehement für die Pläne eines Musikcampus ein, auf dem die Musikschule und die Musikeinrichtungen der Universität zusammengeführt werden. Wessels warnte davor, zu lange abzuwarten: „Das Fenster, in dem entsprechende Gelder bereitstehen, ist nicht lange offen.“

Auch die Stimmen aus der Bürgerschaft waren gespalten. Die überwiegend älteren Zuhörer sympathisierten in der Tendenz jedoch eher mit den Plänen einer Konzerthalle. Den Diskurs befördern möchte auch die bei der Diskussion durch Dr. Ulrich Krüger vertretene private Initiative „Schloss Platz Kultur 2020“, ohne dass sie jedoch bislang konkrete Pläne vorgelegt und Stellung insbesondere zur Standortfrage bezogen hat.

Die Frage bleibt umstritten. Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Moderatorin und SPD-Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson treffend fest: „Die Politik muss die Standortfrage bald klären.“

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