Eine Nummer zu groß . . .
Vor zehn Jahren scheiterte die Musikhalle per Bürgerentscheid

Münster -

Es ist genau zehn Jahre her, dass die geplante Musikhalle auf dem Schlossplatz per Bürgerentscheid verhindert wurde. Danach wurde es ruhig um das Projekt. Der Musikhallen-Verein, die Musikhallen-Stiftung wie auch die Gegenbewegung Münster-Minus-Musikhalle haben sich aufgelöst.

Sonntag, 29.04.2018, 10:04 Uhr

Eine Nummer zu groß . . .: Vor zehn Jahren scheiterte die Musikhalle per Bürgerentscheid
Der Hörsterparkplatz: Eine Neugestaltung ist schon seit Jahren immer wieder mal ein Thema. Foto: Matthias Ahlke (Archiv-Foto)

Seit etwa einem Jahr indes wird das Thema wieder diskutiert. Der einzig „sichtbare“ Kopf, der damals wie auch heute das Thema begleitet(e), ist der von Dr. Klaus Anderbrügge . Er war damals Vorsitzender des Musikhallenvereins und engagiert sich heute im Vorstand des Fördervereines des Sinfonieorchesters Münster. Mit ihm sprach unser Redakteur Klaus Baumeister .

Herr Anderbrügge, wie haben Sie den 27. April 2008 in Erinnerung?

Anderbrügge: Der Tag begann mit einer ungeheuren Anspannung und er endete mit einer riesigen Enttäuschung. In dieser Deutlichkeit hatte ich die Niederlage nicht erwartet.

Haben die Musikhallenfreunde die Stimmung in der Bevölkerung falsch eingeschätzt?

Anderbrügge: Ja. Wir waren uns sicher, dass wir eine reelle Chance haben würden, die Abstimmung zu gewinnen. Da haben wir uns gründlich getäuscht. Vielleicht hing es damit zusammen, dass wir zu sehr auf jene Münsteraner fixiert waren, die unser Anliegen und auch unser Ziel teilten.

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Dr. Klaus Anderbrügge blickt zurück auf den Musikhallen-Bürgerentscheid und ordnet die aktuelle Konzerthallen-Debatte ein. Foto: Baumeister

Damals wurde in Münster breit über Bäderschließungen und das Rödl-Spargutachten diskutiert. Der Unmut, der sich dann an der Musikhalle festmachte, war so gesehen doch deutlich zu spüren.

Anderbrügge: Das Rödl-Gutachten hat sicherlich jenen in die Karten gespielt, die eine Investition in eine Musikhalle ablehnten. Es entstand eine schiefe und für uns schädliche Debatte. Plötzlich wurden Projekte im Sport oder im Sozialbereich gegen kulturelle Projekte ausgespielt. Wann immer sich die Kultur gegenüber sozialen Zielsetzungen behaupten muss, zieht die Kultur den Kürzeren.

Bis heute gibt es in der Stadt deutliche Vorbehalte gegenüber einer Bebauung des Schlossplatzes, damals Hindenburgplatz. War der geplante Standort für die Musikhalle der richtige?

Anderbrügge: Aus meiner heutigen Perspektive würde ich sagen, dass der Hindenburgplatz keine gute Idee war. Unsere ursprüngliche Idee war viel bescheidener. Wir wollten die Musikhalle auf dem kleinen Universitätsparkplatz errichten, der zwischen dem Schloss und dem Gerichtsgebäude liegt. Durch den damaligen NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement kam dann aber ein größeres Projekt ins Spiel. Diese Veränderung hin zu einem Mega-Projekt hat die Bevölkerung nicht mitgemacht. Wäre es bei der bescheideneren Variante geblieben, so bin ich mir sicher, dass sie inzwischen realisiert worden wäre.

Sie sprechen das geplante Westfälische Kulturforum auf dem Hindenburgplatz an, bestehend aus einer Musikhalle und einem Museum für Gegenwartskunst. War die Clement-Idee eine Nummer zu groß für Münster?

Anderbrügge: Als Freunde der Musikhalle stand es uns damals nicht zu, eine Bewertung vorzunehmen. Wir wurden einfach in diese neue Konstellation hineingeworfen und haben natürlich versucht, der Bevölkerung dieses kompakte Konzept schmackhaft zu machen. Es stellte sich aber schon die Frage, ob Münster über das Landesmuseum am Domplatz hinaus noch ein Haus für zeitgenössische Kunst vertragen könnte. Im weiteren Verfahren hat sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe dann ganz eindeutig auf den Neubau des Landesmuseums konzentriert, was ja auch hervorragend gelungen ist. So stand schließlich die Musikhalle auf dem Hindenburgplatz allein im öffentlichen Meinungsstreit.

Haben Sie Kontakt zu den Musikhallengegnern von damals?

Anderbrügge: Ja.

Zu wem?

Anderbrügge: Es ist bekannt, dass die Ratsfraktion der Grünen damals das Projekt Musikhalle abgelehnt hat, anders als CDU, SPD und FDP. Auch das Bürgerbegehren und der anschließende erfolgreiche Bürgerentscheid wurden maßgeblich von den Grünen getragen. Mit führenden Grünen stehe ich heute in einem sehr kons­truktiven Dialog.

Auffällig ist, dass die Debatte über neue Gebäude für die Kultur meist von Architekten und Städteplanern dominiert wird. Wo sind eigentlich die Musiker, die von einer Musikhalle profitieren würden?

Anderbrügge: Ihre Stunde ist offenbar noch nicht gekommen. Dem Ziel eines Konzerthauses in Münster wäre es sicherlich dienlich, wenn sich auch jene, die Musik ausüben, stärker zu Wort meldeten. Vielleicht sind die Musiker zu bescheiden, vielleicht haben sie auch die Erfahrungen von damals noch in den Knochen.

Was würden Sie sagen, wo das Thema Konzerthaus in Münster heute steht?

Anderbrügge: Bei aller Zurückhaltung glaube ich schon, dass wir einen neuen Startpunkt erreicht haben. Nach zehn Jahren ist es offenbar wieder so weit, dass man – auf verschiedenen Ebenen – über die Realisierung dieses Ziels nachdenkt.

Es sind schon wieder verschiedene Standorte im Gespräch: Parkplatz Hörster­straße, Kalkmarkt und Hittorfstraße? Werden sich die Freunde und Förderer des Sinfonieorchesters in dieser Frage positionieren?

Anderbrügge: Wir haben uns im Vorstand darauf verständigt, dass wir uns in dieser Diskussion nicht einseitig festlegen werden. Wir haben natürlich eine Meinung und haben auch die Kriterien benannt, nach denen entschieden werden sollte, aber es wird von uns vorerst keine konkrete Stellungnahme in der Standortfrage geben.

Ohne privates Geld ist eine neue Konzerthalle in Münster kaum vorstellbar. Haben Sie eine Ahnung, woher das Geld kommen soll?

Anderbrügge: Das ist eine schwierige Frage. Es ist richtig, dass es ohne privates Geld nicht geht. Das zeigen auch die Beispiele anderer Städte. Ich denke da an die wunderbare Lösung, die man in Bochum gefunden hat. Münster kann in dieser Hinsicht von Bochum lernen. Aber ich glaube, dass es darüber hinaus auch nötig sein wird, Investoren einzubinden. Ohne Unternehmen, die unter Inkaufnahme eines wirtschaftlichen Risikos mit einsteigen, wird es nicht gehen.

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