Reaktionen auf Gewalt-Vorwurf gegen AfD
Café-Betreiber stärkt „verletztem Gast“ den Rücken

Münster -

Die Vorkommnisse vor Beginn einer umstrittenen AfD-Lesung in der vergangenen Woche in der Stadtbücherei ziehen weitere Kreise. Die Betriebsleitung des dortigen Café Colibri betont, dass der Mann, den AfD-Kreissprecher Martin Schiller nach dem Gang zur Toilette angeblich mit Gewalt vor die Tür der Stadtbücherei gesetzt hat, ein Gast des Lokals war.

Sonntag, 06.05.2018, 12:58 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 04.05.2018, 19:40 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 06.05.2018, 12:58 Uhr
Genehmigter Protest gegen eine AfD-Lesung in der Stadtbücherei Ende April: Nach einem Vorfall in der Bücherei sieht sich AfD-Kreissprecher Martin Schiller einer Anzeige wegen Körperverletzung gegenüber
Genehmigter Protest gegen eine AfD-Lesung in der Stadtbücherei Ende April: Nach einem Vorfall in der Bücherei sieht sich AfD-Kreissprecher Martin Schiller einer Anzeige wegen Körperverletzung gegenüber Foto: Björn Meyer

Bei dieser Aktion soll sich der Mann, dessen Alter mit Mitte 60 beschrieben wird, Fingerstauchungen und eine Rippenprellung zugezogen haben. Schiller sieht sich einer Anzeige wegen Körperverletzung gegenüber. Die Polizei ermittelt gegen den Ratsherrn der rechtspopulistischen Partei.

Bei dem Stammgast handele es sich um einen freundlichen und friedlichen Mann, der keinen Anlass gegeben habe, ihn so zu behandeln, heißt es von der Betriebsleitung zu dem Vorfall weiter. Außerdem seien der Eingangsbereich und die Toiletten der Bücherei öffentlich zugänglich. Der Vorfall soll sich kurz vor 19 Uhr ereignet haben. Erst danach hatte die AfD den Zeitungslesesaal für eine umstrittene Lesung von der Stadt angemietet. Schiller dagegen beruft sich auf sein Hausrecht.

Brief an Oberbürgermeister

Die Leiterin der Stadtbücherei konnte nach Angaben der Stadt „den Vorfall, der sich innerhalb weniger Sekunden abgespielt hat, ab dem Moment sehen, als der betroffene Büchereibesucher die Treppe von der Toilette hochgezerrt bzw. -getragen und vor der Haustüre auf den Boden geworfen wurde“.

Politisch schlägt der Vorgang inzwischen hohe Wellen: Mit einem Brief hat sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Michael Jung an den Oberbürgermeister gewandt, um die Vorgänge aufzuklären. Jung betont laut Pressemitteilung in dem Schreiben, dass städtische Einrichtungen sichere Orte für die gesamte Stadtgesellschaft bleiben müssen. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass mit der Vergabe städtischer Räume ein Hausrecht gewährt werde, das Menschen von der Nutzung städtischer Institutionen ausschließe.

Aufklärung gefordert

Mit einem Fragenkatalog an die Verwaltung will der SPD-Fraktionsvorsitzende Wege aufgezeigt wissen, wie solche Vorgänge für die Zukunft ausgeschlossen werden können und in welcher Weise die Sicherheit Unbeteiligter in städtischen Einrichtungen gewährleistet werden könne.

Auch der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen/GAL fordert Aufklärung. „Unter Anbetracht der aktuellen Vorkommnisse sollte die Stadt Münster die Vergabepraxis städtischer Räumlichkeiten an die AfD noch einmal überdenken“, verlangt Kreissprecherin Anna Blundell. Co-Sprecher Stephan Orth erklärt: „Ob Beleidigungen gegenüber dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Münster oder die Forderungen, den Integrationsrat abzuschaffen: Die AfD vor Ort wird immer radikaler.“ Deshalb sei es auch absurd, der Partei auf dem anstehenden Katholikentag ein Forum zu geben.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5710064?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Urteil: Vier Angeklagte müssen lange Haftstrafen antreten
Fall von besonders schwerer Brandstiftung: Urteil: Vier Angeklagte müssen lange Haftstrafen antreten
Nachrichten-Ticker