Zu wenige Bewerber
Stellennot bei der Stadt

Münster -

Die Stadt Münster sucht dringend qualifizierte Mitarbeiter: Ingenieure, Erzieher, Verwaltungsfachleute. Aber auf manche Stellenausschreibung geht keine einzige Bewerbung mehr ein.

Donnerstag, 10.05.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 10.05.2018, 09:53 Uhr
Ist das nicht ein schöner Arbeitsplatz? Schon, aber leider nicht schön genug, um alle freien Stellen besetzen zu können.
Ist das nicht ein schöner Arbeitsplatz? Schon, aber leider nicht schön genug, um alle freien Stellen besetzen zu können. Foto: Oliver Werner

Ein fester Job bei der Stadt Münster, unbefristet, am liebsten mit Ver­beamtung – kann es etwas Schöneres geben? Offenbar schon. Die Stadt hat immer mehr Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden.

„Der angespannte Arbeitsmarkt macht uns Sorgen“, betont Michael Willamowski. Der Leiter des Personalamts erstattete den Mitgliedern des Ausschusses für Personal, Organisation, Sicherheit, Ordnung und E-Government Bericht von der Umsetzung des städtischen Stellenplans 2018. Sein nüchternes Fazit: „Das Problem ist, Stellen zu besetzen.“

Viele Stellen unbesetzt

Im Stellenplan für 2018 seien 165 Stellen neu geschaffen worden, erläuterte Willamowski. 51 Stellen wurden besetzt, indem man bislang befristete Arbeitsverträge entfristet habe. Um weitere 97 Stellen sei man derzeit intensiv bemüht, die übrigen würden noch folgen: „Erzieher, Ingenieure, Amtsärzte, Veterinäre und der allgemeine Verwaltungsdienst – das sind unsere Sorgenkinder.“ So kämpfe man derzeit um drei Ingenieursstellen, die einfach nicht zu besetzen seien.

Woran liegt’s? „Die Fluktuation ist hoch.“ Fahrzeiten von einer Stunde zum Arbeitsplatz – noch vor wenigen Jahren durchaus üblich – würden heute kaum noch akzeptiert. Mittlerweile verzeichne die münsterische Stadtverwaltung sogar Abgänge in Richtung Steinfurt und Coesfeld, das sei früher kaum jemals vorgekommen. Sprachloses Staunen in der Runde.

Angespannter Wohnungsmarkt

Ob der bekanntermaßen angespannte Wohnungsmarkt in Münster Schuld an der Situation sei? Auch, aber er sei nicht ausschlaggebend, meint Willamowski: „Der ländliche Raum hat größere Probleme als wir.“ Schließlich könne Münster die Vorzüge einer attraktiven Großstadt bieten. Aber der Markt ist offenbar abgegrast.

Konkurrenzkampf vermeiden

Was kann man tun? Die Stadt betreibe aktive Personalentwicklung, in der Regel bevorzuge man interne Bewerber für eine ausgeschriebene Stelle. Aber das reiße natürlich an anderer Stelle wieder Lücken in den Stellenplan. Finanzielle Anreize ließen sich kaum setzen, denn der Kommune seien weitgehend die Hände gebunden.

Natürlich könne man übertariflich bezahlen – „aber das würde uns einholen“, gerade angesichts der Langfristigkeit solcher Beschäftigungen. Und einen teuren Konkurrenzkampf mit anderen Kommunen um die besten Köpfe wolle man vermeiden.

Düsterer Ausblick

Die Zeiten, in denen sich die Stadt nur auf öffentliche Ausschreibungen verließ, sind vorbei. Man sei schneller und effektiver geworden, betont Willamowski. Mittlerweile zeige man sich bei Messen und spreche Hochschulabsolventen gezielt an. Aber obwohl die beteiligten Fachämter längst nicht mehr so anspruchsvoll seien wie noch vor wenigen Jahren und sogar die Verbeamtung locke: Auf manche Stellen gebe es einfach keine Bewerbungen.

Der Ausblick? Düster. „Der Arbeitsmarkt wird in den nächsten Jahren angespannt bleiben.“

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