Das Flaggschiff ist fertig
Neues Gebäude für die Nano-Forschung

Münster -

Die Nano-Forschung, ein Wissenschaftsschwerpunkt der Universität Münster, hat ein neues Gebäude, das neue Perspektiven eröffnet. Die ersten Forscher sind eingezogen.

Donnerstag, 10.05.2018, 14:00 Uhr
Die Professoren Bart Jan Ravoo (l.) und Helmut Zacharias freuen sich über das nun fertige Center for Soft-Nano-Science (SoN). Hier zeigen sie die Reinraum-Labors im Hintergrund. Staub wird hier aus der Luft gefiltert, um hochpräzise Messungen zu ermöglichen.
Die Professoren Bart Jan Ravoo (l.) und Helmut Zacharias freuen sich über das nun fertige Center for Soft-Nano-Science (SoN). Hier zeigen sie die Reinraum-Labors im Hintergrund. Staub wird hier aus der Luft gefiltert, um hochpräzise Messungen zu ermöglichen. Foto: Karin Völker

Naturwissenschaftler neigen bekanntlich per se zu nüchterner Betrachtung – doch wenn der Chemiker Bart Jan Ravoo und der Physiker Helmut Zacharias durch die Räume ihres neuen Arbeitsplatzes schreiten, dann wird Begeisterung spürbar. Auf dem Gelände des Wissenschaftsparks, in Nachbarschaft zum Max-Planck-Institut und dem Centech, ist das neue „Center for Soft-Nano-Science“, kurz SoN, bezugsfertig.

Interdisziplinäre Forschung

Das 46 Millionen Euro teuere und von Bund und Land finanzierte Gebäude ein Flaggschiff zu nennen, ist nicht übertrieben: Erstens erinnert die Architektur von Rainer M. Kresing mit schrägen Fenstern und Flächen an ein Schiff, und:

„Das Gebäude macht es möglich, erstmals wirklich interdisziplinär auf dem Gebiet Nano-Wissenschaft zu forschen, erläutern Ravoo und Zacharias. Neben Chemikern und Physikern werden in den Hightech-Laboren Biologen und Mediziner tätig sein. 20 von ihnen sind schon eingezogen.

Weg zu neuen Therapien

Soft-Nano-Science – dieser Oberbegriff fasst die Forschung im dreidimensionalen Nanometer-Maßstab in Flüssigkeiten zusammen. Beispiele sind etwa die Konstruktion von Molekülen für die Anwendung in Medizin oder Pharmazie, wo der Einsatz der winzigen Teilchen den Weg für neue Therapien öffnen soll.

Bart Jan Ravoo beschreibt als Beispiel die Entwicklung eines Klebstoffs, der auch in Körperflüssigkeiten wirkt, sich aber auch wieder lösen lässt.

Besondere Ausstattung

Für diese Grundlagenforschung ist eine besondere technische Ausstattung nötig – beispielsweise ein Bereich mit Reinraum-Laboren: Hier wird die Luft annähernd staubfrei gefiltert: Staubkörner sind immerhin etwa tausendmal größer als ein Nanometer-kleines Molekül – und würden die Analyse entsprechend stören.

Weitere Anforderung an das Gebäude ist ein Fundament, dass Schwingungen im Boden annähernd vollkommen ausschließt. Die Arbeit mit den hochempfindlichen Elektronen-Mikroskopen wird durch kleinste, etwa von vorüberfahrenden Autos, Schwingungen beeinflusst.

Allerneueste Technik

Helmut Zacharias freut sich auf ein allein sieben Millionen Euro teures sogenanntes Kryo-Tomographie-Gerät, das künftig in einem noch leeren Labor Platz finden soll. Hier kann ein 30 Tonnen schweres Segment des durchgehend ein Meter dicken Betonfundaments durch eine Luftkissen-Konstruktion abgestützt und vom Boden vollkommen entkoppelt werden. Ein Teil der Labors im Erdgeschoss haben die Architekten wegen des Schutzes vor Schwingungen unter einem Erdhügel „verbuddelt“, der sich von außen, üppig begrünt, an das Gebäude schmiegt.

„Hier können die verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen erstmals auf dem Stand allerneuester Technik unter einem Dach forschen“, freut sich Ravoo. Er hofft auf viele kreative Ideen.“

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