Kosten für Wärmedämmung
Wütende Mieter der Vonovia: Kaltmiete steigt um 40 Prozent

Münster -

Mieter der Vonovia von der Mecklenburger Straße sowie vom Stehrweg und Clara-Ratzka-Weg machen sich große Sorgen. Weil ihre Häuser wärmegedämmt werden, soll die Miete rasant steigen.

Donnerstag, 24.05.2018, 20:00 Uhr

Die Modernisierung der Vonovia-Häuser an der Mecklenburger Straße hat begonnen: Die Kaltmiete soll sich dadurch um annähernd 200 Euro pro Monat erhöhen.
Die Modernisierung der Vonovia-Häuser an der Mecklenburger Straße hat begonnen: Die Kaltmiete soll sich dadurch um annähernd 200 Euro pro Monat erhöhen. Foto: Matthias Ahlke

Konrad und Simonetta Hentschel wohnen seit 1973 in ihrer 86 Quadratmeter großen Wohnung an der Mecklenburger Straße. Die Wohnungen dort waren ursprünglich für Bundesbedienstete mit kleinerem Einkommen gedacht. Vor zwölf Jahren übernahm das börsennotierte Unternehmen Deutsche Annington die Häuser, mittlerweile gehören sie zum Besitz der Annington-Tochter Vonovia .

Das Ehepaar zahlt jetzt 728 Euro warm, aber bald sollen Hentschels und die Nachbarn in den 32 Wohnungen der vier Mehrfamilienhäuser empfindlich mehr Miete zahlen. 191 Euro pro Monat mehr soll die Wohnung der Hentschels dann kosten, die Kaltmiete erhöht sich um 40 Prozent, weil die Vonovia die Häuser mit Wärmedämmung modernisiert. Genauso ergeht es den Mietern der Vonovia-Häuser am Stehrweg und Clara-Ratzka-Weg in St. Mauritz – und die Mieter sind auch dort in Alarmstimmung. Manche, vor allen jene, die von Sozialleistungen leben, fürchten, ausziehen zu müssen.

Elf Prozent der Kosten für energetische Modernisierungsmaßnahmen dürfen Wohnungsunternehmen an die Mieter weitergeben – das ist Bundesgesetz, und „es ist schwer, dagegen etwas zu machen“. Das sagte Ulla Fahle, Geschäftsführerin des „Mieter/innenschutzvereins Münster“, den Mietern der Betroffenen Häuser am Mittwochabend bei einer Veranstaltung der Grünen, einer der Parteien, an die sich die Mieter hilfesuchend gewandt haben.

Grundsätzliches Problem: die Wohnungsmisere

Knapp 40 Personen waren gekommen, alle wütend und viele sehr besorgt, ihre Wohnungen zu verlieren, weil sie die Miete nicht mehr aufbringen können. Aber wohin sonst ziehen in Münster, wo Wohnungen knapp sind und immer teurer werden?

„Das Thema der Wohnungsnot in den Städten ist viele Jahre verschlafen worden – auch von uns“, räumt Otto Reiners, Ratsfraktionsvorsitzender der münsterischen Grünen, ein. Der Ärger der Mieter richtet sich nicht nur gegen das Wohnungsunternehmen, dessen Aktionäre Gewinne machen wollen, sondern auch gegen die Regierung und „die Politik“ im Allgemeinen.

Rat an die Mieter

Ulla Fahle vom „Mieter/innenschutzverein Münster“ empfahl allen Mietern der von den Modernisierungsmaßnehmen betroffenen Häuser, sich auszutauschen und das Vorgehen abzustimmen. Gegen ganze Mieter-Initiativen habe es ein Wohnungsunternehmen schwerer, die Kostenforderungen durchzusetzen, als wenn jeder einzeln für sich Wege suche.

Wer glaube, die künftige erhöhte Miete nicht zahlen zu können, könne vorsorglich bei der Ankündigung einer Modernisierungsmaßnahme eine Härtefallregelung beantragen. Die Mieter bei der Veranstaltung wollen sich nun austauschen.

...

Ulla Fahle beschrieb, wie das Gesetz zur Modernisierung den Wohnungsunternehmen zu Gewinnen verhilft: Einerseits können die Unternehmen beliebig hohe Modernisierungskosten zu elf Prozent an die Mieter weitergeben – und zwar unbefristet, auch wenn die Maßnahme längst bezahlt ist, so Fahle. Außerdem erhalten sie dafür Subventionen des Staates und können zudem derzeit Kredite sehr günstig aufnehmen. Die Wohnungsmisere, da war sie sich mit den Politikern der Grünen einig, ist nicht schnell zu beheben.

Immerhin sollen, so Reiners, in Münster nun 2000 neue Wohnungen pro Jahr entstehen – 30 Prozent öffentlich gefördert. Bis sich der Markt entspannt, da könnten aber Jahre vergehen.

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