Festival der Reizunterflutung
Flashmob: Süße Träume liegen im Weg

Münster -

Was machen die da? Nichts. Um genau zu sein: sie schlafen. Mitten in der Fußgängerzone, wo sonst gekauft, gehetzt und gequasselt wird. Das ganze ist eine Kunstaktion, ein „Festival der Reizunterflutung“.

Freitag, 25.05.2018, 19:18 Uhr

Ganz schön warm, so in der Sonne. Aber hier gilt’s der Kunst, also wird klaglos mitten auf der Salzstraße geschlafen.
Ganz schön warm, so in der Sonne. Aber hier gilt’s der Kunst, also wird klaglos mitten auf der Salzstraße geschlafen. Foto: Matthias Ahlke

Die erste Luftma­tratze sorgt noch für sprachloses Staunen: Ein junger Mann trägt bei schönstem Sonnenschein die blaue Matratze in die Fußgängerzone, lässt sich damit auf der Salzstraße nieder, breitet Kopfkissen und Bettdecke aus – und legt sich schlafen. Zumindest tut er so. Denn in der prallen Sonne ist es viel zu warm. Die Passanten, Eis-Esser und Flaneure sind ratlos . . .

Es dauert nicht lange, bis Verstärkung kommt. Drei weitere junge Leute mit Luftmatratze und Bettzeug legen sich in den Schatten – vorsichtshalber. Und es kommen immer mehr. Gegen 15.30 Uhr werden 18 junge Schlafmützen zwischen Dominikanerkirche und Karstadt gezählt. Verräterisch: Es sind die gleichen blauen Matratzen und das gleiche Bettzeug, fabrikneu und blütenweiß – ohne Bettwäsche, aber mit Öko-Siegel. Kein spontanes Happening also, sondern eine sorgfältig geplante Aktion. Was soll das Ganze?

Nichts. Vordergründig zumindest. Im Hintergrund allerdings wirbelt der münsterische Aktionskünstler Thomas Nufer umher und erklärt allen Neugierigen, dass es darum gehe, das Nichtstun zu feiern. Und zwar mit einem Flashmob, der den Anspruch hat, Spaßkultur mit politischem Protest zu verbinden. Das nennt man einen „Smartmob“. Oder ein „Sleep-In“.

Flashmob in der Salzstraße

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  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke
  • Nicht quatschen – faulenzen!“: Der Künstler Thomas Nufer organisiert ein „Festival der Reizunterflutung“. Foto: Matthias Ahlke

Die Botschaft: Wir machen alle viel zu viel. Wir sind ständig und immer mit irgendwas beschäftigt, erreichbar sind wir sowieso rund um die Uhr. Da sei es wichtig, sich auf die Stille zu besinnen, auf die Pause, auf den Müßiggang. „Nicht quatschen – faulenzen!“, muss Thomas Nufer einige Mitwirkende zurechtweisen . . .

Diese Botschaft scheint von gesellschaftlicher Relevanz zu sein, denn Thomas Nufers Aktion erfreut sich der Unterstützung von Stadt und Land und kirchlicher Gruppen. Der Künstler nennt es ein „Festival der Reizunterflutung“; in den kommenden Wochen soll immer freitags in der Innenstadt eine ähnliche Aktion stattfinden, sagt er.

Die Polizei gibt bis 17 Uhr ihren Segen dazu. Warum auch nicht? Die Stimmung ist entspannt, die Passanten sind amüsiert – und viele äußern Verständnis. Wie die ältere Dame, die einen freundlichen Blick auf die Schläfer wirft und im Vorbeigehen zu ihrem Mann sagt: „Ach ja. Da muss man wohl jünger sein . . .“

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