Pro & Contra
Architekten-Vorschlag: Gute Idee für Schlossplatz-Bebauung?

Münster -

Der Architekt Alexander Kolbinger hat eine Komplettbebauung der Flächen vom Kalkmarkt über den ehemaligen Hindenburgplatz bis hin zum Universitäts-Parkplatz am Schloss vorgeschlagen. Gute Idee? Ein Pro & Contra 

Sonntag, 27.05.2018, 12:00 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 27.05.2018, 12:00 Uhr
Pro & Contra: Architekten-Vorschlag: Gute Idee für Schlossplatz-Bebauung?
Alle auf dem Schlossplatz platzierten weißen Klötzchen sollen Gebäude darstellen, so der Vorschlag von Alexander Kolbinger. Foto: Studio2XK

Pro: Packt es richtig an

Ach, du meine Güte. Mutig ist Architekt Kolbinger ja, das muss man ihm angesichts der Reaktion der wohl meisten Münsteraner lassen. Aber seine gerade präsentierte Vision, die Flächen vom Kalkmarkt über den Schlossplatz bis zu den Parkflächen der Universität komplett zu bebauen, ist daneben. Die Münsteraner tun sich schwer damit, die mit Abstand größte Freifläche der Stadt bebauen zu lassen.

Zahlreiche Initiativen blieben erfolglos, spektakulär scheiterten die Musikhallen-Pläne im Bürgerentscheid vor zehn Jahren. Das alles darf aber nicht dazu führen, dass der Schlossplatz überhaupt nicht entwickelt wird. Wer während des Katholikentages die Schlaglochwüste mit den riesigen Pfützen am verregneten Christi Himmelfahrtstag gesehen hat, weiß, dass etwas passieren muss.

Natürlich muss der Schlossplatz Münsters großer Veranstaltungsplatz bleiben – für den Send und andere Events. Aber er muss behutsam entwickelt und eingefasst werden. Dabei kann auch eine Randbebauung helfen. Immer wieder muss offen und ehrlich über Schlossplatz und auch den Kalkmarkt debattiert werden. Gerade jetzt, wo die Universität einen Musikcampus mit Kongresssaal plant. Ralf Repöhler

Contra: Bloß kein Aktionismus

Warum nur wird dieser Platz nicht einfach mal für ein paar Jahre in Ruhe gelassen? Ihn umzubenennen hat genug Energie gekostet – und der erste Versuch einer Überplanung ist krachend gescheitert. Bevor nun ambitionierte Stadtplaner, Architekten und Politiker einen dritten Bürgerentscheid in dieser Sache provozieren, sollte man vielleicht mal innehalten.

Dieser Platz war immer eine freie Fläche, ein Überbleibsel der im 17. Jahrhundert errichteten Festungsanlage. Ihn zu verändern wäre ein Eingriff in die historisch gewachsene Struktur. Münster verfügt über einen der größten unbebauten Innenstadtplätze Europas, folglich über einen echten Standortvorteil: Send, Sport, Zirkus, Flohmarkt oder Katholikentag – wie schön, dass dies alles nicht draußen auf der grünen Wiese stattfinden muss.

Ist der Platz erst überplant, wäre er für diese Art von Öffentlichkeit auf unbestimmte Zeit verloren. Das weiß die Stadtgesellschaft – und reagiert allergisch auf Veränderungswünsche. Also: Ball flachhalten. Der Schlossplatz ist nicht so hässlich, dass sich mit seinem Zustand nicht noch eine Weile leben ließe. Münster hält sogar ein paar Schlaglöcher aus. Lukas Speckmann

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5766947?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Zwei Frauen über Politik, Wahlen und Frauenquote
Interview: 100 Jahre Frauenwahlrecht: Zwei Frauen über Politik, Wahlen und Frauenquote
Nachrichten-Ticker