Intendanten-Kritik
Stadtspitze reagiert „mit Erstaunen“

Münster -

Wie eine Bombe schlug die Kritik von Generalintendant Dr. Ulrich Peters im Rathaus ein: Die Stadt interessiere sich kaum für ihr Theater, der Oberbürgermeister ließe sich selten blicken, die Politik suche keinen Kontakt zu den Künstlern .  Die Stadtspitze reagiert pikiert.

Freitag, 01.06.2018, 19:00 Uhr

Generalintendant Dr. Ulrich Peters
Generalintendant Dr. Ulrich Peters Foto: Gunnar A. Pier

„Vielleicht ist dem klassischen Westfalen der volle Bauch lieber als der volle Kopf.“ Es waren nicht nur Sätze wie dieser, die an der Stadtspitze Münsters über den Feiertag für Rumoren sorgte. Generalintendant Dr. Ulrich Peters , seit 2012 Chef des Theaters, hatte sich im Interview mit dem „Münster!“-Magazin über die Skepsis gegenüber der darstellenden Kunst in Münster beklagt und sich unzufrieden mit der seiner Meinung nach in Münsters Politik und Verwaltung fehlenden Wertschätzung des Theaters auseinandergesetzt. Das Interview gipfelte in dem Vorwurf, dass der Oberbürgermeister „nie“ und die Kulturdezernentin „so gut wie nicht“ ins Theater gehe.

Wie eine Bombe schlugen die vermeintlich deutlichen Worte bei Politik und Verwaltung ein, weil es aus deren Sicht eigentlich keinen erkennbaren gewichtigen Anlass dafür gebe. So reagierte auch Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe am Freitag „mit Erstaunen“ auf die Äußerungen. Peters hatte unter anderem bemerkt, Münster fördere zwar die Kultur „nach Kräften“, aber wenn es um wirkliche Investitionen im Theater gehe, „sieht es finster aus“.

Lewe kontert

Laut Peters gibt es zudem „keine enge Verbindung“ zwischen Kultur und Politik. „Meine Künstler kennen die Kulturausschussmitglieder nicht“, sagte er. Erfreulich viele Kulturausschussmitglieder gingen zwar in die Vorstellungen, „aber es scheint kein Bedürfnis zu geben, bei den Premierenfeiern mit den Künstlern zu sprechen, zu gratulieren oder auch einmal zu diskutieren“, so der Generalintendant. „Für die Künstler ist das schwierig. Ihnen fehlt eine Form der Anerkennung, die manchmal wertvoller ist als Geld.“

„Das Theater erfährt eine große Unterstützung durch die Bürgerschaft und die Politik“, hält Markus Lewe dem entgegen. Öffentlich äußert sich der Verwaltungschef nicht zu städtischen Mitarbeitern. Nach Informationen unserer Zeitung wird Dr. Peters am Montagmorgen einen Termin im Stadthaus haben. Nebenbei: Lewe war nach eigenem Bekunden in den vergangenen zwölf Monaten 13 Mal im Theater.

"Regelmäßig im Theater"

„Die Kritik hat mich doch erstaunt“, sagte Münsters Kulturdezernentin Cornelia Wilkens gegenüber unserer Zeitung, „zumal wir regelmäßig im Theater sind“. Natürlich fänden solche Besuche nicht immer offiziell und sichtbar statt, sondern häufig privat und inkognito.

Zudem sehe die Stadtverwaltung ihre „Kernaufgabe in allererster Linie darin, die Rahmenbedingungen für das Theater so gut wie möglich zu gestalten, und dieser Aufgabe kommen wir mit großem Engagement nach“, so die Kulturdezernentin. Sie betreut als Beigeordnete und Stadträtin ein umfangreiches Ressort mit den Bereichen „Soziales, Integration, Kultur und Sport“. Der Theaterbesuch sei dann darüber hinaus eher die „Kür“ nach der Pflicht, dem Theater „gute Rahmenbedingungen“ zu verschaffen. Am Montag ist Wilkens mit Peters zum Gespräch verabredet, in dem die im „Münster!“-Magazin geäußerte Kritik des Generalintendanten sicher zur Sprache kommen wird.

Peters hatte zwar auf das gesteigerte Besucherinteresse am Theater verwiesen. Dennoch sei es ihm nicht gelungen, „dass eine Premiere zu einem richtigen gesellschaftlichen Ereignis“ wird. Ulrich Peters ist seit 2012 Generalintendant in Münster. Sein Vertrag wurde erst 2017 verlängert und läuft bis 2022.  

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