Jahresbericht
Nachfrage nach Kita-Plätzen wächst weiter

Münster -

Die Nachfrage nach Plätzen in der Kindertagesbetreuung ist in Münster anhaltend hoch. Das geht aus dem Kita-Jahresbericht vor, den die Stadt am Montag (4. Juni) im Stadtweinhaus vorgestellt hat. Der wachsende Bedarf stellt die Stadt vor große Aufgaben. 

Montag, 04.06.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2018, 08:48 Uhr
Jahresbericht: Nachfrage nach Kita-Plätzen wächst weiter
Stadtdirektor Thomas Paal und Jugendamtsleiterin Anna Pohl stellten den Kita-Jahresbericht im Stadtweinhaus vor. Foto: Oliver Werner / Grafik: chr

Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in Münster ist riesig – und offensichtlich weiter steigend. Die Stadt reagiert darauf seit Jahren mit der Schaffung neuer Plätze in Kitas und Tagespflege. Allein zum kommenden Kita-Jahr gibt es insgesamt 314 Plätze mehr als zuvor, davon 215 im unterversorgten Bereich der unter Dreijährigen.

Doch trotz des massiven Ausbauprogramms bleibt man nur zweiter Sieger. Und daran wird sich nach Einschätzung von Jugenddezernent Thomas Paal in den nächsten Jahren kaum etwas ändern. „Wir haben keinen Notstand, aber auch keine entspannte Situation.“

Trotz steigender Kinderzahl ist die Betreuungsquote in der kritischen Altersklasse der unter Dreijährigen jetzt auf 45 Prozent gestiegen und damit deutlich über dem Landesschnitt.  „Eine große Anstrengung“, wie Jugendamtsleiterin Anna Pohl betont, ohne dabei „den gewaltigen Druck von Eltern“ zu verschweigen.

Kraftakt für die Stadt

Mittelfristig muss diese Betreuungsquote im U3-Bereich laut Paal  aber auf bis zu 60 Prozent gesteigert werden. Bislang galt noch als Ziel, jedem zweiten Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz anbieten zu können. Dabei liegt schon jetzt ein gewaltiger Kraftakt hinter der Stadt: 2006/2007 lag die Versorgungsquote noch bei 13,7 Prozent, also nur jedes siebte Kind unter drei Jahren bekam einen Platz.

Kommentar

So viel vorweg: Wer aktuell noch keinen Kita-Platz für sein Kind hat, mag verständlicherweise wenig Begeisterung über Münsters ansehnliche Versorgungsquote finden, die weit über dem Landesschnitt liegt. Doch wenn NRW-weit, wie das Institut der deutschen Wirtschaft feststellt, gerade mal 26,3 Prozent der unter drei Jahre alten Kinder einen Betreuungsplatz haben, stechen Münsters 45 Prozent objektiv heraus.

Weil es aber eben nicht um nackte Zahlen allein geht, besteht für die Stadtverwaltung auch kein Grund, sich bei der Schaffung neuer Plätze auszuruhen. Im Gegenteil: Die wachsende Stadt Münster bekommt weiteren Nachwuchs; Stand heute leben allein 189 Kinder unter sechs Jahren mehr in Münster als im vergangenen Jahr. Der Ausbau der Kindertagesbetreuung bleibt auch deshalb ein unerlässlicher Kraftakt.

Dass in den nächsten zehn Jahren rund 3260 Betreuungsplätze in Münster neu geschaffen werden, ist ein wichtiges Signal – um frühkindliche Bildung zu fördern und der Wirtschaft im Zuge der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dringend benötigte Fachkräfte stellen zu können. Nicht hinten runterfallen sollten dabei aber die eher schmal entlohnten Erzieherinnen und Erzieher. Denn ohne sie geht es in dieser Angelegenheit nicht. Dirk Anger

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Wie schon in den vergangenen Jahren stellt sich die Situation im Stadtgebiet nicht überall gleich dar: Als „schwierige Bereiche“ nennt Pohl die Innenstadt, Mauritz und Angelmodde, während Handorf, Münsters Westen sowie Hiltrup als entspannt  gelten. „In jedem Neubaugebiet entstehen Kitas“, verspricht Paal. Insbesondere im Innenstadtbereich setzt man dagegen mangels Grundstücken auf weitere Großtagespflegestellen, die etwa in ehemaligen Ladenlokalen oder Büroräumen ab 100 Quadratmetern entstehen können.

3260 neue Betreuungsplätze in den nächsten zehn Jahren

Und natürlich verspricht sich die Stadt von den 135 Plätzen im ehemaligen Hauptzollamt an der Sonnenstraße beizeiten eine Entlastung im Zentrum. Insgesamt sollen in den nächsten zehn Jahren rund 3260 neue Betreuungsplätze entstehen, davon gut 1000 im U3-Bereich – die meisten schon bis zum Jahr 2023.

Nicht ohne Stolz verweisen die Verantwortlichen darauf, dass in Münster für jedes Kind ab drei Jahren ein Kindergartenplatz zur Verfügung steht – auch wenn die Auswahl größer sein sollte. Für den U3-Bereich gibt Paal die Parole aus: „Unser Anspruch ist, den Eltern zu helfen.“ Aktuell gebe es keine Klagen vor Gericht – aber „zehn Ankündigungen“. Kritisch sieht der Jugenddezernent, dass einige Anwälte den Rechtsanspruch als neues Geschäftsfeld entdeckt hätten.

Fachkräftemangel in der Kindertagesbetreuung

Das Wort Fachkräftemangel machte bei der Vorstellung des Kinderbetreuungsberichts 2018 am Montag im Stadtweinhaus die Runde. Um die Qualität in den Kindertageseinrichtungen aufrechtzuerhalten, muss man dieses Problem „stark in den Blick nehmen“, wie Jugenddezernent Thomas Paal sagte. Zumal eine weitere Verschärfung der Situation droht: Wird der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen 2025 Wirklichkeit, wären auch hier Erzieherinnen und Erzieher gefragt, die schon jetzt in der Kindertagesbetreuung fehlen. Aus Sicht der Stadt sei es deshalb gut, dass es in Münster Schulen gebe, die Erzieher ausbilden, so Paal. Negativ wirke sich dagegen der Mangel an bezahlbarem Wohnraum aus. Gescheitert ist das Experiment, niederländisches Erziehungspersonal zu gewinnen.

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