Gigabit-Geschäftsstelle beim RP
Beraten, betreuen, bewilligen

Münster -

Als Tennislegende Boris Becker noch für AOL warb, war der Zugang zum Internet ziemlich einfach: „Ich bin drin.“ – Beckers Satz hat inzwischen Kultstatus. Viel mehr ging damals auch nicht. Heute ist die Welt digital, online ist Alltag, Teilhabe funktioniert offline nur noch eingeschränkt.

Donnerstag, 07.06.2018, 18:28 Uhr

Lucas Conrad, Yvonne Pape, Jörg Pieper und Martina Walterbusch (v.l.) arbeiten in der Gigabit-Geschäftsstelle der Bezirksregierung Münster.
Lucas Conrad, Yvonne Pape, Jörg Pieper und Martina Walterbusch (v.l.) arbeiten in der Gigabit-Geschäftsstelle der Bezirksregierung Münster. Foto: xx

Heute ist die Welt digital, online ist Alltag, Teilhabe funktioniert offline nur noch eingeschränkt. Den einen Zugang gibt es nicht mehr. DSL, VDSL mit oder ohne Vectoring, HFC oder Glas­ faser: Viele Wege führen zum Ziel. Während der Kunde – salopp gesagt – entscheiden kann, ob er ein langsameres oder schnelleres Internet haben möchte, müssen Gemeinden die nötig Infrastruktur bereitstellen. Für die Finanzierung haben sowohl Bund als auch Land prall gefüllte Fördertöpfe bereitgestellt.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, Städte, Gemeinden und Kreise zu unterstützen und so letztlich den flächendeckenden Gigabit-Netzausbau zu beschleunigen, hat das Land NRW jetzt bei den fünf Bezirksregie rungen sogenannte Gigabit-Geschäftsstellen eingerichtet. Die in Münster hat im April ihre Arbeit aufgenommen. „Unser Vorteil ist die Förderung aus ei­ner Hand“, sagt Dezernentin Yvonne Pape . Das meint konkret die drei großen „B“: Beratung, Betreuung, Bewilligung. Be sonderer Schwerpunkt wird die Beratung aller Schulträger sein.

Digitale Offensive im Münsterland: Schnelles Internet für alle

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    Deutschland steht vor einer digitalen Offensive, schnelles Internet ist auch in ländlichen Regionen nicht mehr nur ein frommer Wunsch. Städte und größere Gemeinden an die Datenautobahn anzubinden, ist in der Regel kein großes Problem, der Ausbau erfolgt dort privatwirtschaftlich. Auf dem Land ist das nicht ganz so einfach. Die Wege sind oft weit, die Kunden zumeist rar gesät, die Kosten dementsprechend hoch: Also haben Bund und Land Förderprogramme aufgelegt, mit deren Hilfe das schnelle Internet auch in entlegeneren Regionen genutzt werden kann. Die vier Münsterland-Kreise haben ein gemeinsames Ziel, das sie jedoch auf unterschiedlichen Wegen erreichen wollen: 100 Prozent Glasfaser-Kabel in den ländlichen Räumen. Das Glasfaser-Kabel gilt in Sachen schnelles Internet als Maß aller Dinge. Gigabit-Leistungen und damit High-Speed-Datenflüsse schaffen ­daneben nur noch aufgerüstete Kabelnetze. Wie steht es um den Netzausbau im Münsterland? Ein Sachstandsbericht von Elmar Ries. 

  • Münster: Vorteil der Großstadt

    Größere Städte und Großstädte haben es gut. Weil dort die Infrastruktur fürs schnelle Internet vielerorts  vorliegt.  Dafür sind Glasfaser-Kabel nicht nötig. In Münster jedenfalls ist das der Fall. Beispielsweise über die Zugänge des TV-Kabelanschlusses. „Rund 90 Prozent der Haushalte in Münster verfügen dadurch über mindestens 30 Mbit/s“, sagt Christian Tebel, Breitband-Koordinator der Stadt. Wobei die 30 Mbit/s als Minimum zu sehen seien.

    Wer schnellere Datenflüsse haben möchte, kann sie problemlos buchen. Bis 400 Mbit/s sind in Münster über das TV-Kabel machbar. Alternativ steht die Telekom mit ihrem Vectoring-Angebot bereit. 90 Prozent sind nicht 100. Die aber will die Stadt erreichen. Bis Juli soll darum herausgefiltert werden, wo genau sich die verbleibenden zehn Prozent verstecken. „Wir wollen die weißen Flecken bestimmen und dafür Angebote suchen“, sagt Tebel. Apropos Glasfaser: Für die mehr als 40 Gewerbegebiete der Stadt sind die natürlich vorgesehen. Das erst wird demnächst damit verknüpft. 

  • Kreis Borken: Vorausschauend agiert

    In Sachen schneller Datenverkehr vorausschauend geplant wurde im Kreis Borken. Vor neun Jahren beschloss der Kreistag, in die Glasfaser-Infrastruktur zu investieren. Aus Mitteln des Konjunkturpaketes II wurde  ein 84 Kilometer langes Leerohrnetz finanziert, das die Verbindungslücken zwischen den Städten, Gemeinden und Ortsteilen schloss. Attraktiv für Telekommunikationsanbieter: Sie konnten die Rohre mieten und mussten nicht selbst investieren. Der erste Ortsteil, der 2011 so mit Glasfaserkabel erschlossen wurde, war Bocholt-Barlo. 

    Inzwischen sind weit über 30 Ortszentren und Ortsteile an das Glasfasernetz angeschlossen, erklärt  Katharina Reinert, die Leitern für den Breitband-Ausbau bei der Kreis-Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Damit sind 32 Prozent aller Haushalte mit Glasfaser-Technik versorgt.

    Um die noch immer un­ter­ver­sorgten Außenbereiche anzubinden – hier vor allem die fast 2800 landwirtschaftlichen Betriebe – setzt die Städte im Kreis vor allem auf die Landesförderung. Der über 50 Millionen Euro schwere Antrag der Städte Ahaus, Bocholt, Borken, Heek, Heiden, Isselburg, Legden, Reken, Schöppingen und Velen wurde unlängst bewilligt.

  • Kreis Coesfeld: Power to the Bauer

    Das Ziel ist gleich, der Weg eigenwillig: Über sogenannte Buddelvereine will der Kreis Coesfeld die 100-Prozent-Quote beim Glasfaser-Netzausbau erreichen. 24 Prozent aller Haushalte sind derzeit daran angeschlossen, sagt Jochen Wilms, der Breitband-Koordinator des Kreises. „In absehbarer Zeit werden es 50 Prozent sein.“

    Buddelvereine heißt: Die Bürger, oft Bauern, verlegen das kleine Kabel mit der großen Leistung in Eigenregie. Der Vorteil: Der bürokratische Aufwand ist geringer, weil keine Förderanträge gestellt werden müssen. Der kommunale Ei-genanteil ­von zehn Prozent entfällt. „Allein 8000 Hofstellen gibt es im Kreisgebiet“, sagt Wilms. Ein von einem Un­ternehmen gelegter Einzelanschluss kostet bis zu 15 000 Euro. Indem die Bau­ern selbst aktiv werden, reduzieren sie die Kosten auf rund 2500 Euro je Anschluss. Ungefähr 4000 Höfe haben die inzwischen 80 Buddelvereine seit 2016 im Kreisgebiet erschlossen. 

  • Kreis Steinfurt: 170 Millionen Euro Fördervolumen

    Rund 31 Prozent aller Haushalte im Kreis Steinfurt verfügen be­reits über einen Glasfaser-Kabelanschluss. In Ibbenbüren, Reckenfeld und Laer wird d er Lichtleiter derzeit verlegt. Sind die drei Orte angeschlossen, steigt die Quote auf 34 Prozent, erklärt Ingmar Eber­hardt, der Breitband-Koordinator bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises. Der Netzausbau erfolgt in den Gemeinden in der Regel privatwirtschaftlich. Das bedeutet: Sagen 40 Prozent der Einwohner ja zu einem Anschluss, verlegt ein Un­ter­neh­men – hier die Deutsche Glasfaser GmbH aus Borken – das Kabel bis ans Haus.

    Schwierig ist der Netzausbau in den dünner besiedelten Bereichen. Damit auch deren Bewohner in den Genuss eines schnellen Internets kommen, haben alle 24 Gemeinden des Kreises Anträge auf Bundesförderung gestellt. „Das Volumen beträgt 170 Millionen Euro“, sagt Eber­hardt. 2019 können die Ar­beiten beginnen – Ende noch offen. Das Problem: Gefördert wird der Ausbau nur dort, wo die Leistung bei unter 30 Mbit/s liegt (elf Prozent aller Haushalte im Kreis). Ist sie nur etwas stärker, ist das Netz zwar immer noch langsam – eine Beschleunigung aber nicht förderfähig.

  • Kreis Warendorf: Bis zur letzten Milchkanne

    Auch im Kreis Warendorf setzen die 13 Kommunen auf die Glasfaser-Technologie. „Wir wollen schnelles Internet bis zur letzten Milchkanne“, sagt Breitband-Koordinator des Kreises, Ralf Hübscher.

    Einen unmittelbaren Zugang zum Glasfaser-Kabel haben derzeit 28 Prozent aller Haushalte im Kreis. Diese befinden sich in den größeren Städten und wurden über privatwirtschaftliche Initiativen angeschlossen. Um das ultraschnelle Internet auch in die Außenbereiche zu bringen, setzen die Kommunen nun auch auf den Glasfaseranschluss bis ins Haus (FTTH – Fiber to the Home). Dazu wurde 2017 der Antrag auf Bundesförderung modifiziert, das Volumen verdoppelte sich auf 120 Millionen Euro. Zehn Prozent davon tragen die Kommunen.

    Die hatten zunächst aus Kostengründen auf das sogenannte „Vectoring“ gesetzt. Heißt: Der Anbieter legt ein Glasfaserkabel bis zu ei­nem Verzweiger, von dort geht‘s über das Telefon-Kupferkabel in die Haushalte. Im Kreis garantierte Leistung im Flaschenhals: 50 Mbit/s. Nun hoffen die Gemeinden, dass der Bund Geld fürs Upgrade bereitstellt.

  • Das ist Breitband

    Das Wort „Breitband“ umschreibt als Symbolbegriff leistungsfähige Datenleitungen mit einer hohen Übertragungsgeschwindigkeit.  Da es verschiedene Techniken gibt, dient „Breitband“ als Sammelbegriff. Demgegenüber wird der Internetzugang via Analog- oder ISDN-Modem als „Schmalband“ bezeichnet. Bildlich gesprochen:   Schmalband ermöglicht ei­nen nur geringen Datendurchsatz (das Surfen im Internet ist langsam), Breitband hingegen einen umfangreichen Datendurchsatz (das Surfen im Internet ist schnell).  

  • Das ist Vectoring

    Vectoring bezeichnet die Erweiterung der beste­henden VDSL-Technik. Bei dieser sorgen Glasfaser-Kabel für den schnellen Datenfluss zwischen den Verteilerkästen am Straßenrand und entfernteren Vermittlungs­stellen. Um die Da­ten­übertragung von in der Regel 100 Mbit/s zu erreichen, verbessert Vectoring die ­Verbindung zwischen Endkunden und Verteilerkasten. Hier kommt es aufgrund der Kupferkabel zu ei­nem Absinken der Datenrate. Vectoring verhindert die dort  üblichen Störsignale und lässt so die Datenrate steigen. 

  • Das ist die Digitale Dividende

    Unter der Digitalen Dividende versteht man die durch die Digitalisierung des Rundfunks frei werdenden Frequenzbänder – insbesondere durch die Umstellung des analogen Antennenfernsehens. Die digitale Aus­strahlung benötigt nur etwa zehn Prozent der Band­breite, die eine entsprechende</span> analoge Ausstrahlung bei vergleichbarer Qualität benötigen würde. Frei werdende Frequenzen können nun für die Internet-Breitbandanbindung des länd­lichen Raumes und zusätzlich für den Mobilfunk genutzt werden.

  • Das ist Glasfaser

    Über Glasfaserkabel können Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1000 Mbit/s geschickt werden. Das ist sensationell schnell. Im ­Ge­gensatz zum klassischen Kupferkabel, das Daten elektrisch überträgt, transportiert ein Glasfaserkabel die Information mit Licht. Der große Vorteil der Glasfaserkabel liegt darin, dass selbst über große Entfernungen kein nennenswerter Geschwindigkeitsverlust verzeichnet wird. Bisher sind Glasfasernetze in den meisten Fällen aber noch nicht bis zum Verbraucher gelegt. 

2025, so hatte es Landes-Wirtschaftsminister An­dre­as Pinkwart im April erklärt, sei das Jahr, in dem in NRW flächendeckend ­ Gigabit-Netze verfügbar sein sollen. Bei Schulen und Gewerbegebieten und Schulen soll es deutlich schneller gehen. Datenvolumina von 1000 Mbit/s können gegenwärtig nur über Glasfaserkabel oder noch aufzurüstende Kabelnetze transportiert werden.

Sieben Milliarden Euro bis 2025

Dass der Netzausbau eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der Region ist, ­un­terstreicht auch Regierungspräsidentin Dorothee Feller. „Wenn wir nicht zurückgedrängt werden wollen im Wettbewerb der Länder und Regionen, müssen wir die Digitalisierung ­vorantreiben, eine flächende ckende Breitbandversorgung fördern und dafür ­sorgen, dass unsere Kinder und Jugendlichen für eine digitale Welt gut vorbereitet sind“, sagt sie. Wichtig sei hier aber auch, die Risiken der Digitalisierung nicht aus dem Blick zu verlieren. „Da müssen wir mehr in Datensicherheit und Fortbildung investieren.“

Sieben Milliarden Euro will die Landesregierung bis 2025 in die Digitalisierung investieren, mindestens fünf Milliarden Euro davon sollen in den Ausbau einer gigabitfähigen digitalen Infrastruktur fließen.

Damit die 2025 wirklich flächendeckend gigabit- ­fähig sein kann, wird ein Gigabit-Atlas erstellt, für den auf Ebene der Bezirksregierungen die Geschäftsstellen zuständig sind. „Auf diese Weise können wir die weißen Flecken aufspüren“, sagt Pape.

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