Eichenprozessionsspinner
Tausende gefährliche Nester in Münster

Münster -

Vorsicht, nicht anfassen! Der gefährliche Eichenprozessionsspinner ist auch in Münster auf dem Vormarsch. Das Grünflächenamt geht in einer Flut von Meldungen unter.

Freitag, 08.06.2018, 13:30 Uhr

An unzähligen Bäumen in Münster haben Eichenprozessionsspinner Nester gebaut.
An unzähligen Bäumen in Münster haben Eichenprozessionsspinner Nester gebaut. Foto: mlü

Der Eichenprozessionsspinner tritt in diesem Jahr besonders massiv auf. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, hat er sich in Münster inzwischen im gesamten Stadtgebiet ausgebreitet. Das Telefon steht nicht mehr still. „Rund 400 Anrufe gab es deswegen allein in der letzten Woche“, berichtet eine Pressesprecherin. „Die Leute weisen auf Nester hin und erkundigen sich nach möglichen Gefahren.“ Die Gesamtzahl der Gespinste gehe mittlerweile in die Tausende, berichtet Franz-Josef Gövert vom Grünflächenamt. Es sind so viele, dass nicht alle von der Stadt direkt entfernt werden können.

Vorrangig stehen Nester an Kindergärten und Schulen auf dem Programm, teilt die Stadt mit. „In den nächsten Tagen und Wochen werden wir nach einer Prioritätenliste viele weitere Nester beseitigen“, sagt Franz-Josef Gövert. „Aber nicht in jedem Fall ist es notwendig, das Nest zu entfernen.“ Bereits seit Pfingsten (20. Mai) seien Mitarbeiter des Grünflächenamtes und beauftragte Firmen im Einsatz, um die Nester zu entfernen. Allein an Münsters Straßen stehen rund 13.000 Eichen. Wer den Eichenprozessionsspinner auf seinem privaten Grundstück entdeckt, sollte sich an eine Fachfirma wenden.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni haben die Verbreitung der Raupen in diesem Jahr begünstigt.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Gefährliche Brennhaare

Viele Menschen sind beunruhigt. Denn die kleinen Tierchen sind nicht ganz ungefährlich: Die Brennhaare der Raupen enthalten einen Reizstoff, der bei unmittelbarem Kontakt zu Hautentzündungen und bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen führen kann. Die Stadt rät, auf jeden Fall Abstand von befallenen Bäumen zu halten und entsprechende Hinweisschilder unbedingt zu beachten. Kinder sollten darauf hingewiesen werden, dass Raupen und Gespinste nicht berührt werden dürfen.

Mehr Infos

Seinen Namen hat der Eichenprozessionsspinner einem besonderen Verhalten zu verdanken: Die Raupen legen den Weg vom Nest zu den Eichenblättern in langen Reihen zurück. Im dritten von sechs Larvenstadien entwickeln die Tiere Brennhaare, die sie vor Feinden schützen sollen. Hinweise auf Nester des Eichenprozessionsspinners nimmt die Stadt unter Tel. 0251/492-6741 entgegen. Informationen - auch zu den gesundheitlichen Aspekten - gibt es im Stadtportal unter www.stadt-muenster.de/umwelt .

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„Wenn Menschen oder Tiere mit den Brennhaaren, in Kontakt kommen, kann es innerhalb von Stunden zu Beschwerden wie Juckreiz, Hautrötung und Bläschen kommen“, erläutert Dr. Norbert Schulze Kalthoff, Leiter des städtischen Gesundheitsamtes. „Auch Reizungen der Augenbindehaut oder im Mund- und Rachenraum sind möglich. Oft klingen die Beschwerden nach etwa zwei Tagen ab.“ Das Gesundheitsamt stellt Schulen und Kitas ein Informationsblatt zum Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner zur Verfügung.  

Seit fünf Jahren wieder in Münster

Seit den 1990er Jahren vergrößert der Eichenprozessionsspinner sein Verbreitungsgebiet nicht nur in Deutschland. In Münster tauchten die ehemals hier heimischen Raupen 2013 nach langer Zeit erstmals wieder auf, heißt es von Seiten der Stadt. Seither kontrollieren Mitarbeiter des Grünflächenamtes die verdächtigen Bereiche jedes Jahr besonders intensiv. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

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