Münsteraner bei Deutscher Brettspielmeisterschaft
Er spielt am liebsten ohne Glück

Münster -

Stefan Molz liebt Spiele – vor allem ganz analog auf dem Spielbrett. Mit seinem vierköpfigen Team startet er am Samstag bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel.

Freitag, 08.06.2018, 19:00 Uhr

Der Münsteraner Stefan Molz ist ein echter Brettspiel-Fan: Über 200 hat er zu Hause in Regalen gehörtet und mit dem „InTeam“ bereits zwei Mal die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel gewonnen. Am Samstag tritt das Quartett wieder an.
Der Münsteraner Stefan Molz ist ein echter Brettspiel-Fan: Über 200 hat er zu Hause in Regalen gehörtet und mit dem „InTeam“ bereits zwei Mal die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel gewonnen. Am Samstag tritt das Quartett wieder an. Foto: Matthias Ahlke

Leben kann Stefan Molz von seiner Leidenschaft zwar nicht, sie in seinem Beruf ausleben aber schon: Der Münsteraner leitet den Jugendtreff „@ttic“ der Evangelischen Kirchengemeinde in Warendorf – und er ist ein passionierter Spieler. Nicht etwa vor dem Bildschirm: Brettspiele haben es Molz schon seit Kindertagen angetan. Über 200 hat er zu Hause gehortet. Inzwischen ist er ein echter Profi. Gemeinsam mit seinen drei Mitstreitern vom „InTeam“ startet der 33-Jährige am heutigen Samstag bei der Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel . Nicht zum ersten Mal.

Neben dem Sozialpädagogen gehören der Physiker Michael Entrup, Chemiker Robert Oestreich und Statistiker Ilja Mett zur aktuellen Besetzung des „InTeams“. Kennengelernt haben sie sich über das Fachgeschäft „Spielkultur“ in der Frauenstraße. „Die bieten jeden Montag ab 19 Uhr einen Spieletreff an“, erklärt Molz. Seit Jahren sind er und seine Mitspieler Stammgäste. Ilja Mett hatte schon früher an Meisterschaften teilgenommen und wollte vor acht Jahren eine neue Mannschaft gründen, die Geburtsstunde des „InTeams“.

Feuer und Flamme für Brettspiele

Feuer und Flamme für Brettspiele war Stefan Molz indes schon als Kind. Nur teilte seine Familie diese Begeisterung nicht in gleichem Maße. So spielte er früher vor allem mit Freunden – oder auch am PC, wenn keine Spielepartner greifbar waren. „Der Computer spielt immer mit einem“, sagt Molz. Auch bei Computerspiel-Turnieren trat der Münsteraner schon an. Das aber sei ihm irgendwann zu langweilig geworden. „Die Spielmechanik ist immer wieder die gleiche“, erklärt er. „Aber bei Brettspielen könnte ich aus dem Stegreif über 20 verschiedene Mechaniken aufzählen, die in verschiedenen Spielen unterschiedlich kombiniert werden.“ Die Abwechslung sei also riesig.

Aber man hat die Ehre, die Szene ist ja noch nicht so groß, und man erhält natürlich einen Pokal.

Stefan Molz

Nur reich wird man bei Brettspiel-Meisterschaften nicht – anders als bei virtuellen Spielen, bei denen die Preisgelder großer eSports-Turniere inzwischen locker die Millionenmarke überschreiten. Bei der Deutschen Brettspielmeisterschaft für Mannschaften winken den Siegern nur Spieleausschüttungen, also Spiele. „Aber man hat die Ehre, die Szene ist ja noch nicht so groß, und man erhält natürlich einen Pokal“, sagt Molz. Den DM-Wanderpokal nahm das „InTeam“ nach einem zweiten Platz 2014 in den beiden Folgejahren sogar mit nach Hause. Bei der Europameisterschaft – mangels einer WM das weltweit größte Turnier – errangen die Münsteraner einen siebten, fünften und 15. Platz.

Vorbereitung ist immens wichtig

Wie schätzt Molz die Chancen am Samstag in Bad Nauheim ein? „Leider nicht so optimal, weil wir wenig trainiert haben.“ Denn die Vorbereitung sei immens wichtig. Rund acht bis sechs Wochen vor dem Start erhalten die Teams die vier Turnierspiele zugeschickt, die meistens relativ neu auf dem Markt seien. Dann gelte es, die richtigen Strategien auszutüfteln. Denn während in den Vorausscheidungen – in den Vorjahren sogar beim Finale – auch Glücksspiele dabei waren, kommen beim jetzigen Finale ausschließlich Strategie- und Taktikspiele mit einem geringen Glücksfaktor auf den Tisch – wie sie Molz am liebsten sind. Diesmal sind es: „Race to the New Found Land“, „Photosynthese“, „Pioneers“ und „Santa Maria“.

Regeländerungen sollen zudem die Turniertauglichkeit steigern, zum Beispiel Ungleichgewichte zugunsten des Startspielers mindern. „Wenn ein Team ein Spiel nicht mindestens vier bis fünf Mal gespielt hat, braucht man gar nicht antreten“, weiß Molz. Zumal Top-Spieler ohnehin kaum berechenbar seien.

Sollte es am Samstag beim „InTeam“ nicht fürs Siegertreppchen und damit die Qualifikation für die Europameisterschaft reichen, hat Münster trotzdem noch Chancen. Denn mit den „Meeple Masters Münster“ gehört ein weiteres aus der Westfalenmetropole zu den 36 Finalteams. „Unser Partnerteam, mit dem wir auch zusammen trainieren“, verrät Molz.  

Spiele-Tipps

1/7
  • „Century – Die Gewürzstraße“: 

    Mit ihrer Karawane ziehen die Spieler bei „Century – Die Gewürzstraße“ durch den östlichen Mittelmeerraum und handeln mit edlen Gewürzen. Das Spiel ist ein vielversprechender Auftakt einer bis 2019 von Autor Emerson Matsuuchi angekündigten Trilogie, dessen Teile sich später kombinieren lassen sollen. Auf der Gewürzstraße des 15. Jahrhunderts tauschen und veredeln die zwei bis fünf Spieler vier Gewürze: Kurkuma, Safran, Kardamom und Zimt. Spielaufbau und  -verlauf sind auf einer übersichtlichen Anleitung schnell erklärt. Händler, die sich im  Sommer unter freiem Himmel vergnügen möchten, haben durchaus Gelegenheit dazu. Die Größe und Festigkeit der Karten lassen eine Partie am Gartentisch zu.

    Century – Die Gewürzstraße, Deck-Building-Spiel für zwei bis fünf Spieler ab acht Jahren, ca. 30 Minuten, Abacus­spiele, ab 32,95 Euro

    Foto: Plan Games
  • „Chicken out!“: 

    Eine Portion Risikobereitschaft verlangt „Chicken out!“, das unterhaltsame Kartenspiel mit 50 kühnen Hühnern und zehn frechen Füchsen. Ziel ist es, seine Handkarten als Erster auszuspielen. Dafür heißt es rechnen – und zocken. Mal werden die Hühner auf den Karten addiert, mal subtrahiert. Auf keinen Fall aber darf die Summe der ausliegenden Karten 21 überschreiten. Passiert’s doch: Pech gehabt! Dann nämlich erhöht sich zunächst einmal die Anzahl der Handkarten.

    Familien-Kartenspiel für zwei bis fünf Spieler ab sieben Jahren, ca. 30 Minuten, Piatnik-Spiele, ab 8,95 Euro

    Foto: Piatnik-Spiele
  • „Cottage Garden“: 

    Sommerzeit ist Gartenzeit. Und bei „Cottage Garden“ lassen sich die Beete bepflanzen, ohne dass man sich dabei bücken muss und die Finger schmutzig macht. Gestalterisches Geschick ist dennoch erforderlich. Denn es gilt, aus den in der Gärtnerei zur Verfügung stehenden Blumenplättchen stets jene auszuwählen und auf seinen Beeten zu platzieren, die die quadratischen Anlagen möglichst schnell füllen – und Punkte bringen. Katzen jagende Mäuse unterstützen die Gärtner dabei. Bienen, denen man viele Blüten zum Nektarschlürfen zur Verfügung stellt, erhöhen ebenfalls den Gewinn. In der Schlussrunde jedoch heißt es Obacht: Hier verwandeln sich vermeintliche Siegpunkte schnell in Verluste. Ob auf der Terrasse oder im Wohnzimmer: Mit dem strategischen Legespiel von Uwe Rosenberg macht das Gärtnern Spaß. Die Pflanzregeln sind einfach und verständlich. Und finden sich mal keine Mitspieler, ist die Solo-Variante eine unterhaltsame Alternative.

    Cottage Garden, ein bis vier Spieler, etwa 60 Minuten, Pegasus-Spiele-Verlag, ab 26,95 Euro

    Foto: Pegasus Spiele
  • "Der Mysteriöse Wald": 

    Zwei bis vier Spieler ab sechs Jahren können Jonas bei seiner Reise durch den „mysteriösen Wald“ begleiten. Das Spiel ist in Französisch, Englisch und Deutsch erschienen. In Zukunft soll es auch auf Italienisch erhältlich sein, sagt Lieske. Ein Spiel dauert 20 Minuten.

    Es gibt fünf verschiedene Spielvarianten je nach Schwierigkeit. Aus einer Auswahl von 160 Titeln wurde das Spiel zum Kinderspiel des Jahres nominiert.

    Erschienen ist das Spiel im Iello-Verlag und kostet rund 25 Euro.

    Foto: Christina Schreur
  • „Kneipen Quiz“: 

    In Großbritannien hat es Tradition: Das gemeinsame Quizzen im Pub. Auch in Deutschland wird der Fragen-Wettstreit inzwischen vielerorts ausgetragen. Doch nun kann man sich mit seinen Freunden auch zum „Kneipen Quiz“ zu Hause oder im Garten treffen. Der „moses“-Verlag hat das Spiel im rustikalen Pub-Design nach der Idee von Marco Teubner und Heinrich Glumpler auf den Markt gebracht. Drei bis sechs Quizzer treten dabei als „Eulen-Team“ kooperativ gegen fiktive „Flaschen“-Gegner an. Drei Schwierigkeitsstufen stehen zur Wahl. Gespielt werden jeweils fünf Runden à fünf Fragen, die in fünf Minuten zu beantworten sind – möglichst richtig. 750 Fragen aus unterschiedlichen Bereichen der Allgemeinbildung und des unnützen Wissens enthält das Originalspiel. Erweiterungen sind im Handel bereits zu bekommen.

    Kneipen Quiz, ab drei Spielern ab 16 Jahren, ca. 30 Minuten, „moses“-Verlag, ab 22,95 Euro

    Foto: Michael Ricks
  • „MyRummy 111“: 

    Das Prinzip ist einfach und „Completto“-Fans wohlbekannt, nur müssen die Spieler bei „MyRummy 111“ nicht hölzerne Spielsteine, sondern zwölf Handkarten in eine auf- beziehungsweise absteigende Reihenfolge bringen. Wem dies durch geschicktes Tauschen der Karten am schnellsten gelingt, der erhält fünf Bonus-Punkte. Die restlichen Punkte addieren sich aus den Jokern auf den Karten. Zocken kann sich also lohnen. Das Schöne an dem kleinen Spiel: Mit der Anzahl der Handkarten lässt sich der Schwierigkeitsgrad erhöhen und bei unterschiedlich starken Spielern ein Ausgleich schaffen.

    Kartenspiel für zwei bis fünf Spieler ab acht Jahren, etwa 20 Minuten, Schmidt-Spiele, ab 6,99 Euro

    Foto: Schmidt
  • „Noch mal!“: 

    Der Name ist Programm. „Noch mal!“ lässt sich immer wieder mal zwischendurch spielen – alleine ebenso gut wie mit bis zu sechs Spielern ab acht Jahren. Das Prinzip ist einfach. Jeder Spieler hat ein Blatt mit 105 Feldern in fünf Farben und 15 Spalten. Diese gilt es möglichst schnell und gewinnbringend zu füllen. Dafür werden die drei Farb- und drei Zahlenwürfel eingesetzt. Aus der Kombination der Würfe ergeben sich die unterschiedlichsten Möglichkeiten, die Kästchen auf dem Spielblatt anzukreuzen. Etwa 20 Minuten dauert eine Partie.

    Würfelspiel, ein bis sechs Spieler, 20 Minuten, Schmidt-Spiele, ab 11,49 Euro

    Foto: Schmidt
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5802626?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker