„Tag des Gartens“ am Sonntag
„Wir sind die grüne Lunge“

Münster -

Gartenzwerge und Kartoffeln in Reih und Glied? Das war einmal. Heute sind Kleingärten bei jungen Familien beliebt, die viele neue Gestaltungsideen mitbringen. Horst Stronk, Vorsitzender des Stadt- und Bezirksverbandes Münster, erklärt vor dem „Tag des Gartens“ am Sonntag (10.6.) den erstaunlichen Imagewandel.

Samstag, 09.06.2018, 12:00 Uhr

Horst Stronk ist Vorsitzender des Stadt- und Bezirksverbandes der Kleingärtner in Münster, der am morgigen Sonntag zum „Tag des Gartens“ in die Anlage „Friedlicher Nachbar“ am Clemenshospital einlädt.
Horst Stronk ist Vorsitzender des Stadt- und Bezirksverbandes der Kleingärtner in Münster, der am morgigen Sonntag zum „Tag des Gartens“ in die Anlage „Friedlicher Nachbar“ am Clemenshospital einlädt. Foto: gh

Der typische Kleingärtner zog früher eine Schnur, um seine Kartoffeln in Reih und Glied in die Erde legen zu können. Heute, berichtet der Vorsitzende des Stadt- und Bezirksverbandes Münster, Horst Stronk (68), haben sich die Zeiten geändert. Es gebe zwar immer noch Regeln in den Anlagen, aber diese seien im Laufe der Jahre gelockert worden. Die Kleingärtner laden die Münsteraner jedes Jahr zum „Tag des Gartens“ ein, der in diesem Jahr am Sonntag (10. Juni) zwischen 12 und 18 Uhr in der Kleingartenanlage „Friedlicher Nachbar“ gefeiert wird. Mit dem Chef von 5568 Kleingärtnern im Stadt- und Bezirksverband Münster sprach unsere Redakteurin Gabriele Hillmoth über das Kleingartenwesen.

Es gab Zeiten, da standen viele Gärten leer. Wie sieht es heute aus?

Stronk: Eigentlich gibt es heute in fast jeder Anlage eine Warteliste für Gärten. Wir freuen uns vor allem, dass viele junge Familien zu uns kommen und einen Garten übernehmen möchten. Dadurch ist es uns gelungen, den Altersdurchschnitt in vielen Vereinen von 68 oder 69 Jahren auf jetzt 42 Jahre zu senken.

Was meinen Sie, womit hängt dieser Wandel zusammen?

Stronk: Viele junge Familien, die heute in der Stadt in einer Wohnung leben und vielleicht keinen Balkon besitzen, wünschen sich, dass ihre Kinder in der Natur aufwachsen sollen. Der Freizeit- und Erholungswert in den Gärten spielt zunehmend eine Rolle. Die Kinder sollen lernen, mit der Natur umzugehen. Die Ernährung ist wichtig. Und die Rückzugsmöglichkeiten im Grünen sprechen für einen Kleingarten.

Wie viele Kleingärtner hat Münster?

Stronk: Unserem Stadt- und Bezirksverband Münster der Kleingärtner e. V. gehören insgesamt 64 Vereine mit 5568 Mitgliedern an. Alleine in Münster zählen wir 55 Vereine, außerdem gehören zu uns noch Vereine in Gronau, Dülmen und Senden. Bundesweit verzeichnen wir eine Million Kleingärtner. In Westfalen sind wir in Münster nach Dortmund der zweitgrößte Verband. Und es werden jedes Jahr mehr Kleingärtner.

Haben Kleingärtner ihr einst so schlechtes Image abgelegt?

Stronk: Aber sicher. Ich sage immer, wir sind stolz darauf, die kleinen grünen Lungen der Stadt Münster zu sein. Und noch mehr. Auch unsere Richtlinien sind für die jungen Familien kein Problem. Wenn wir den Anbau von Obst und Gemüse fordern, dann trifft das meistens auch den Wunsch der jungen Pächter.

In Onkel Willis Kleingarten

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  • Onkel Willi (l.), der mit bürgerlichem Namen Klaus Reinhardt heißt, lebt in einer Kleingarten-Anlage am Rande der Stadt.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Das Tor zu seiner kleinen Welt im Grünen.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • In dieser kleinen Gartenlaube wohnt der 73-Jährige.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Als Straßenmusiker spielte Onkel Willi jahrzehntelang vor dem historischen Rathaus in Münster.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Die Gartenarbeit macht Onkel Willi trotz einer Lungenkrankheit teilweise noch selbst. 

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Zur Not schneidet er den Rasen mit der Heckenschere.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Im Garten liegt auch sein verstorbener Kater begraben.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Die grüne Oase sei alles für ihn, sagt Onkel Willi. In einem Pflegeheim würde er „vor die Hunde gehen”.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Vor allem Insekten fühlen sich hier wohl.

    Foto: Jürgen Weißberg
  • Im Interview mit Filmemacher Simon Jöcker (r.) spricht Onkel Willi offen über Themen wie Einsamkeit und die Angst vor dem Tod.

    Foto: Jürgen Weißberg

Das Zusammenspiel von älteren und jüngeren Kleingärtnern ist also vorteilhaft?

Stronk: Bestimmt. Unsere älteren Gärtner kennen beispielsweise noch Mangold oder Stielmus, wissen wie das Gemüse verarbeitet werden muss, können etwas mit Steckrüben anfangen. Jüngere Gärtner profitieren von dem Wissen. Es ist ein Prozess des Geben und Nehmens. Neben den Gartenzwergen sind heute viele neue Gestaltungsideen eingezogen.

Müssen denn Regeln immer noch sein?

Stronk: Immer noch. Das Bundeskleingartengesetz macht uns gewisse Vorgaben. Beispielsweise müssen noch 51 Prozent des Gartens für den Anbau von Obst und Gemüse bleiben. Wir müssen sehen, dass die Richtlinien eingehalten werden. Wir vom Verband greifen nur ein, wenn alles zuwuchert und ein kleingärtnerischer Nutzen nicht mehr erkennbar ist. In erster Linie sind zunächst aber die Vereine dafür verantwortlich.

Wenn Sie einen so großen Zulauf haben, dann ist doch eigentlich ein Aktionstag überflüssig geworden?

Stronk: Auf keinen Fall. Wir möchten den Münsteranern zeigen, dass die öffentlichen Wege in unseren Anlagen ein Naherholungsgebiet für alle Besucher sind, nicht nur für unsere Mitglieder. Wir möchten unsere Arbeit vorstellen, dass wir uns für den Umweltschutz und den Naturschutz einsetzen. Wir versuchen, alte Obstbäume und Gemüsesorten zu erhalten. Chemie ist in unseren Anlagen ohnehin tabu. Hausmittelchen müssen her, um sich gegen Schädlinge und Pilzkrankheiten zu wehren. Aber der Buchsbaumzünsler ist in manchen Gärten momentan die große Katastrophe. Wir haben Schnecken und haben auch mal eine Wühlmaus, aber das ist Natur und normal. Damit können wir leben.

Seit wann sind Sie der Vorsitzende der Kleingärtner in Münster?

Stronk: Jetzt im fünften Jahr. Ich bin meiner Frau Irene dankbar, denn sie hält mir den „gärtnerischen Rücken“ frei. So ein Vorsitz im Verband ist mit seinen vielen Aufgaben schon fast ein Halbtagsjob. Wir sind beispielsweise Versicherungsnehmer und kümmern uns nach Stürmen wie „Friederike“ um Schäden. Die Abrechnungen der Pacht mit der Stadt liegen in unseren Händen. Wenn es um Zuschüsse für Sanierungen und Reparaturen geht, sind wir am Ball. Und wir planen Veranstaltungen wie den „Tag des Gartens“ oder eine Fahrt zur Landesgartenschau.

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